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Gasausbruch auf "Tschuri" am 29. Juli: Der Komet hat den sonnennächsten Punkt seiner Bahn passiert. Foto: ESA

Komet "Tschuri" am sonnennächsten Punkt

Die Passage des sonnennächsten Punktes seiner Bahn hat "Tschuri" ohne größere Schäden überstanden. Doch erst in den kommenden Wochen wird sich der Komet richtig aufheizen.

Darmstadt (dpa) - Begleitet von der Sonde "Rosetta" ist der Komet "Tschuri" unbeschadet an der Sonne vorbeigeflogen. Dampfend und staubend passierte er am Morgen um 4.03 Uhr den sonnennächsten Punkt seiner Bahn.

"Es ist alles sehr glattgegangen", sagte Paolo Ferri, der Bereichsleiter Satellitenbetrieb der Europäischen Raumfahrtagentur Esa in Darmstadt. "Tschuri" sei rund 185 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, die Distanz vergrößere sich in den kommenden Wochen nur sehr langsam.

In den vergangenen vier bis acht Wochen habe der Komet mit dem wissenschaftlichen Namen "67P/Tschurjumow-Gerassimenko" immer mehr Sonnenenergie getankt und viel Staub um sich gewirbelt. Die Forscher beobachten jetzt Regionen des Kometen, die fünf Jahre lang völlig dunkel waren - "Tschuri" hat sich auf seinem Weg um die Sonne gedreht.

Rund 700 "Tschuri"-Fans hatten laut Esa rund um den Globus bei einer Internet-Präsentation zugehört, bei der die Wissenschaftler über den Stand der Mission berichteten.

"Wir erwarten weitere Explosionen und Staubwirbel bis September", sagte Ferri. Dass dabei Teile des Kometen abbrechen, sei "nicht so wahrscheinlich", aber auch nicht auszuschließen. Im Herbst soll sich die Lage laut Esa beruhigen.

Bis dahin begleitet und beobachtet die Sonde "Rosetta" die Staubschleuder sicherheitshalber aus einer Entfernung von mehr als 300 anstatt von 150 Kilometern. Für den auf "Tschuri" gelandeten Roboter "Philae" bedeutet dies, dass der Kontakt zwischen Sonde und Roboter vorerst unterbrochen bleibt. Die Suche nach dem Signal ist aufgrund des zu großen Sicherheitsabstandes bis auf Weiteres ausgesetzt. "Rosettas" vorrangige Aufgabe sei es, die maximale Aktivität des Kometen mit wissenschaftlichen Messungen und Bildern zu dokumentieren, erklärte Ferri.

Der Energiepegel des kleinen Landeroboters "Philae" nimmt nun langsam wieder ab. Trotzdem müsste die Energie noch bis zum 30. Dezember für den Betrieb reichen, sagte "Philaes" Technischer Manager beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln, Koen Geurts. "Philae" wird mit Sonnenenergie betrieben. "Tschuri" werde Ende des Jahres rund 300 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt sein. "Bis zu diesem Abstand müsste "Philae" eigentlich locker in Betrieb sein von der Energie und der ganzen Situation her."

Derzeit verliert "Tschuri" nach Angaben des DLR pro Sekunde einige hundert Kilogramm seiner Masse. Den bisher gewaltigsten beobachteten Gasausstrom von einigen Minuten Dauer fotografierte eine "Rosetta"-Kamera bereits am 29. Juli, wie das DLR und die Esa nun berichteten. Dabei wurde Kometenmaterial mit hoher Geschwindigkeit in den Weltraum geschleudert.

Die Erde ist nur rund 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt und hat damit einen kleineren Abstand zum Zentralgestirn als "Tschuri". Dennoch wird es nach DLR-Angaben auf dem Kometen wegen der fehlenden Atmosphäre mit Temperaturen bis rund 80 Grad Celsius deutlich heißer als auf unserem Planeten. Die Aktivität des Kometen werde in den kommenden Tagen noch etwas zunehmen, sagte DLR-Kometenforscher Ekkehard Kührt. Das nächste Mal wird "Tschuri" den sonnennächsten Punkt seiner Bahn in etwa 6,5 Jahren passieren.

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