TV-Hammer! Zwei Sender teilen sich künftig die Champions League - Platzhirsch ist raus

TV-Hammer! Zwei Sender teilen sich künftig die Champions League - Platzhirsch ist raus
+
Händeschütteln zur Begrüßung ist nach wie vor der Standard in Deutschland. Doch einige finden den Handschlag zu distanziert, manche uncool, viele unhygienisch. Foto: Uwe Anspach

Begrüßungsform im Wandel

Kommt der Handschlag aus der Mode?

Donald Trump tut es, der Papst tut es, Sie tun es! Händeschütteln zur Begrüßung ist nach wie vor Standard. Doch einige in Deutschland finden den Handschlag zu distanziert, manche schlicht uncool und viele unhygienisch. Sagen wir uns bald auf andere Weise Hallo?

München (dpa) - Bussi links, Bussi rechts: Passend zum Schauplatz des G7-Gipfels im französischen Seebad Biarritz gingen kürzlich Fotos um die Welt, auf denen US-Präsident Donald Trump Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Wangenküsschen begrüßt.

Nicht im Fokus stand der Handschlag, der bei Trump ja bekanntlich schon mal unangenehm lange und kräftig ausfallen kann. War das schon wegweisend?

Mit dem Herbst kommt nun wieder die Erkältungssaison. Menschen scheuen sich, einander die Hand zu geben. In Krankenhäusern gilt seit langem ein Desinfektions- und Abstandsgebot. Die Aktion Saubere Hände wirbt für bessere Hände-Desinfektion in Gesundheitseinrichtungen. Und in manchen Kindergärten hängen Parolen wie "Wir begrüßen uns mit einem Lächeln" an der Wand. Kommt das Händeschütteln aus der Mode?

"Der Status quo ist: In Deutschland ist der Handschlag Standard", sagt Agnes Anna Jarosch, Vorsitzende des Deutschen Knigge-Rats der Deutschen Presse-Agentur. Aber: "Die Varianz wird größer, Regeln sind nicht mehr so starr wie früher." Wangenküsse seien beispielsweise im Kommen. Jugendlichen sei der Handschlag eh zu uncool, sie begrüßten sich Faust gegen Faust. "Das ist ein genereller Trend", so Jarosch.

Auch Imme Gerke, die interkulturelle Schulungen anbietet, verweist auf die Vielzahl an Begrüßungsformen, die es weltweit gibt: "Umarmen, Nasenkuss, mit der Stirn berühren, Hand aufs Herz legen, verbeugen - das sind alles Spielarten."

Der Handschlag werde oft als distanziert betrachtet. In China, Japan oder Kanada entfernten sich Menschen vom Händeschütteln. Amerikaner wiederum praktizierten immer häufiger eine Zwei-Schritt-Begrüßung: Auf den Handschlag folgt eine Umarmung. Allen Menschen angeboren sei der Augengruß: ein Hochziehen der Brauen. Je mehr Annäherung es gebe, desto besser, findet Gerke.

Wie lange es den Handschlag schon gibt, ist nicht nachzuvollziehen. Schon die alten Römer und Griechen sollen ihn praktiziert haben. Eine Theorie besagt: Menschen wollen zeigen, dass sie keine Waffe in der Hand halten. Herauslesen können Experten zum Beispiel Hierarchien, Stärke oder Schwäche, Distanz oder Nähe, Nervosität oder Ruhe, Narzissmus.

"Das Begrüßungsritual wird sich verschieben", glaubt Gerke. "Aber man sollte sich darauf einigen, dass man sich grüßt - auf welche Weise auch immer." Das sei wichtig, um angeborene Aggressionen abzubauen. "Deswegen müssen wir unsere Kinder anhalten, dass sie sich grüßen", sagt Gerke. "Das ist auch eine soziale Kompetenz."

Vom Hauptargument gegen den Handschlag - Hygiene - hält die Mikro- und Verhaltensbiologin nichts: "Die Angst vor Mikroben ist übertrieben. Das Immunsystem muss üben", sagt Gerke. "Ein Handschlag ist Mikrobenübertragung ohne den Vorteil der Berührung", sagte sie mit Blick auf deutlich engere Begegnungen wie die Umarmung.

Tatsächlich befinden sich unzählige Mikroorganismen auf der Hand. "Ob beim Naseputzen, beim Toilettengang, beim Streicheln eines Tieres oder bei der Zubereitung von rohem Fleisch: Die Hände kommen häufig mit Keimen in Kontakt und können diese auf alles übertragen, das anschließend angefasst wird", schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife senke die Häufigkeit von Infektionskrankheiten nachweislich - das Risiko von Durchfallerkrankungen etwa könne fast halbiert werden.

Die gute Nachricht aus Knigge-Sicht: "Wenn man weiß, dass man gerade eine Virenschleuder ist, dann sollte man sagen: Ich gebe euch heute nicht die Hand", sagt Umgangsformen-Fachfrau Jarosch. Und ganz allgemein gelte eine goldene Regel: "Bis fünf Personen reicht man die Hand. Ist die Gruppe größer, reicht ein "Grüß Gott" in die Runde."

An kontaminierten Händen dürfte es eigentlich nicht liegen, sollte der Handschlag bald passé sein. Die Drogeriemarktkette dm etwa verzeichnet laut Sebastian Bayer, dem Geschäftsführer für Marketing und Beschaffung, ein stabiles Wachstum bei Hand-Desinfektionsmitteln.

Die Firma B. Braun Melsungen, die unter anderem Kliniken beliefert, berichtet von einer Entwicklung von plus 5 bis 7,5 Prozent beim Verbrauch von Händedesinfektionsmittel. Dazu heißt es: "Da die korrekte Ausführung der Händehygiene Patient, Angehörige und das medizinische Personal schützt, ist dies eine erfreuliche Entwicklung, die es weiter zu unterstützen gilt."

Deutscher Knigge-Rat

Aktion Saubere Hände

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung über Händewaschen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wetter in Deutschland: Experte spricht von „Vorhersage des Grauens“
Winterwunderland oder Sonnenschein? Die Aussichten für das Wetter in Deutschland lassen Schneeflockenfans jauchzen. Aber nur kurz. Dann folgt ein Dämpfer. Aller Infos im …
Wetter in Deutschland: Experte spricht von „Vorhersage des Grauens“
Gibt es 2019 weiße Weihnachten? Die Schnee-Statistik ist deutlich
Wie wahrscheinlich ist es, dass 2019 an Weihnachten in Deutschland Schnee liegt? Laut Statistik lässt sich die Frage nach Weiße Weihnachten deutlich beantworten. 
Gibt es 2019 weiße Weihnachten? Die Schnee-Statistik ist deutlich
Sportwagen rast frontal gegen Baum: Zwei Menschen schwer verletzt
Bei einem Unfall in Dreieich sind zwei Menschen schwer verletzt worden. Ein Ford Mustang war gegen einen Baum geprallt.
Sportwagen rast frontal gegen Baum: Zwei Menschen schwer verletzt
Mord an Sylvia D.: Durchbruch nach über 25 Jahren? Telefone stehen nicht still
Ein in Deutschland einzigartiger Fall wird in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ behandelt. Der Täter nahm Trophäen seines Opfers mit. Es gibt noch mehr …
Mord an Sylvia D.: Durchbruch nach über 25 Jahren? Telefone stehen nicht still

Kommentare