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Nicht nur Omikron? Virenwelle überrollt Deutschland – Expertin: „Verläuft nicht ohne Kollateralschäden“

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Von: Anna Lorenz

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Eine sichtlich erschöpfte Frau sitzt vor ihrem PC am Schreibtisch und legt die Hände auf ihr Gesicht, die Augen sind geschlossen.
Nachwehe oder schon Long-Covid? Nach einer Coronainfektion leiden Betroffene teils noch wochenlang unter Unwohlsein und Erschöpfungssymptomen. © Science Photo Library/imago

Erschöpfung, Kopfschmerzen, Husten und dauerhafte Müdigkeit – gegenwärtig klagen tausende Bürger über teils wochenlang anhaltende Beschwerden. Doch warum ist das so? Fakt ist: Corona ist nicht immer schuld.

München – Niesen, Husten, Kreislaufprobleme – diese und viele weitere Probleme plagen dieser Tage landesweit tausende Menschen und machen den Alltag zur Kraftanstrengung. Nicht erst seit der Lockerungen hinsichtlich der Corona-Regeln erscheint es momentan als wahrlicher Spießrutenlauf, einer Infektion mit der hochansteckenden Omikronvariante zu entgehen. Die aktuellen Zahlen des RKI dokumentieren den Aufwärtstrend an Covid-Fällen und eine neue Mutation des Coronavirus in den USA droht, bald auch in Deutschland anzukommen. Doch die, teilweise wochenlang anhaltenden Beschwerden, die oft mit einer Omikron-Infektion einhergehen, können auch andere Gründe haben.

Nach Corona: Betroffene teilweise monatelang krank – Ist das schon Long Covid?

Omikron ist zwar extrem leicht übertragbar, dafür verlaufen die Erkrankungen mit der Variante des Coronavirus auch in der Regel deutlich milder, als es bei vorherigen Mutationen der Fall war. Insbesondere die Impfung bzw. deren Auffrischung bieten laut Experten einen starken Schutz vor Infektion, sowie schwerem Ausbruch der Krankheit. Allerdings klagen viele Patienten, die nur leichte Symptome verspürten, über teils langanhaltende Abgeschlagenheit nach der überstandenen Erkrankung. „Nicht ungewöhnlich“, so bewertet Carmen Scheibenbogen vom Institut für Medizinische Immunologie der Charité in Berlin, dem Spiegel gegenüber dieses Phänomen. „Die Beschwerden bestehen, auch wenn das Coronavirus gar nicht mehr nachweisbar ist. Da liegt es nahe, dass die Immunreaktion dafür verantwortlich ist.“ Das körpereigene Abwehrsystem, das sich nun auch eine deutsche Forschergruppe für die Entwicklung eines Vakzins für Krebspatienten zunutze macht, führe im Kampf mit dem Coronavirus „eine ziemliche Schlacht“, so die Medizinerin, „und die verläuft nicht ohne ein paar Kollateralschäden“.

Bezüglich der Frage, inwieweit Betroffene aber befürchten müssen, dass ihre Symptome chronisch werden, gibt Scheibenbogen, die dem Post-Covid-Netzwerks der Charité angehört, aber grundsätzlich Entwarnung. „Eine Auswertung aus Großbritannien zeigt, dass es bei Omikron zumindest in den ersten zwölf Wochen Berichte über anhaltende Symptome gibt“, so die Medizinerin. Noch längere Zeit die Nachwehen einer Corona-Infektion zu spüren, sei also nicht bedenklich. Wer nach vier Wochen keine deutliche Besserung bemerkt, sollte jedoch einen Arzt aufsuchen, um „sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist.“ Da Omikron – im Gegensatz zu früheren Varianten – vorrangig die oberen Atemwege befällt und sich nicht derart hartnäckig in anderen Teilen des Körpers festsetze, spräche aber viel dafür, „dass nicht nur eine Infektion mit Omikron, sondern auch Long Covid bei Omikron milder verläuft“.

Müde, abgeschlagen, schlapp – Langanhaltende Beschwerden können nicht nur von Corona kommen

Allerdings berichten auch viele Personen, die keine nachgewiesene Corona-Infektion hinter sich haben, gegenwärtig von den oben genannten, typischen Langzeitbeschwerden. Janne Vehreschild vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung wundert das allerdings nicht. „Wir kennen das von anderen fieberhaften Atemwegserkrankungen“, so der Mediziner gegenüber dem Spiegel. Neben der gängigen Symptomatik nach einem Infekt komme bei Corona erschwerend hinzu, dass das Virus auch Nervenzellen angreife und daher Kopfschmerzen, Müdigkeit und Co. nicht selten seien. Allerdings seien die Phänomene „wissenschaftlich nicht so leicht zu untersuchen“, da die Ursachen vielfältig sein könnten.

Dass das Beschwerdebild momentan jedoch so häufig anzutreffen ist, muss Vehreschild nach nicht bedeuten, dass Omikron regelmäßig mit solchen Symptomen einhergeht. Die Gruppe der Infizierten sei nicht nur gegenwärtig sehr groß, sondern auch der Austausch von Krankheitsgeschichten untereinander sei – gerade deshalb – auch sehr viel höher. Besonders bei milden Verläufen könne auch das Augenmerk verstärkt auf den Symptomen liegen, die bei schwerer Erkrankung eher vernachlässigt würden. Des Weiteren dürfe man nicht vergessen, dass gegenwärtig viele Frühblüher als Allergene in der Luft lägen und zusätzlich diverse andere Viren existierten, die man, gerade auch im Rahmen des, durch die Lockerung der Corona-Regeln verstärkten Kontakts, leicht aufschnappen könne. „Ich könnte mir vorstellen, dass es gar nicht so wenige Menschen gibt, die gerade mehrere Infektionen gleichzeitig oder kurz hintereinander durchmachen und etwa Erkältungssymptome nach der akuten Coronainfektion auf Covid-19 zurückführen, obwohl der Grund ein Schnupfen ist“, mutmaßt der Mediziner.

Sowohl Vehreschild, als auch Scheibenbogen raten aber grundsätzlich zum Auskurieren der Beschwerden. Man solle nicht „gleich wieder ins Fitnessstudio gehen oder eine anstrengende Arbeitswoche durchziehen“, so Scheibenbogen. Auch leichte Kreislaufübungen könnten hilfreich sein. Letztlich dienlich ist es laut Vehreschild also, auf seinen Körper zu hören, sich aber „klarzumachen, dass Abgeschlagenheit und Konzentrationsstörungen nach einer Covid-19-Erkrankung bei den allermeisten Menschen nach ein paar Wochen wieder komplett verschwinden.“ (askl)

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