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Kosovo: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Blick auf Pristina, Kosovo
Blick auf Pristina, Kosovo © Chris Huby / Le Pictorium / IMAGO

Das Wort „Kosovo“ lässt sich mit „zum Amselfeld gehörend“ übersetzen. Alle Infos über die Geschichte, Demografie, Geografie, Politik und Wirtschaft des Landes.

Pristina – Bei dem Flächenstaat Kosovo handelt es sich um eine parlamentarische Republik, die von der Hauptstadt Pristina aus verwaltet wird. Staatsoberhaupt ist Präsidentin Vjosa Osmani. Als Regierungschef fungiert Premierminister Albin Kurti. Die Gesamtausdehnung des Kosovo umfasst knapp 11.000 Quadratkilometer, wobei auf dem Staatsgebiet rund zwei Millionen Menschen leben. Sie sprechen mehrheitlich Albanisch und/oder Serbisch. Beide Sprachen sind amtlich anerkannt. Der Kosovo hat den Euro als Fremdwährung übernommen, ist aber genauso wenig Teil der Europäischen Währungsunion wie der UN (United Nations).

Der Staat Kosovo: Die Geschichte

Die Geschichte des Staates Kosovo besagt, dass die Region im Mittelalter an die Osmanen fiel. Die Türken eroberten das Staatsgebiet nach einer kriegerischen Auseinandersetzung im Jahr 1454. Anschließend blieb der Kosovo in den folgenden vier Jahrhunderten unter der Verwaltung des Osmanischen Reichs. Im Laufe der Zeit siedelten sich die meisten Albaner im westlichen, die meisten Serben im östlichen Kosovo an. Nach der Unabhängigkeit Serbiens kam es zu einer Verschiebung der Bevölkerungsgruppen, da die Albaner nun auch im Osten die Mehrheit stellten.

Albaner und Serben führen Krieg

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel der Kosovo Jugoslawien zu. Die Zuteilung erfuhr im Jahr 1941 eine Neuordnung, denn Mussolini nutzte den Balkanfeldzug, um inzwischen verfeindete Albaner und Kosovaren auf einem Staatsgebiet zu vereinen. Das Resultat waren erbitterte Grabenkämpfe, die bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs andauerten. Danach wurde die autonome Region Kosovo Teil der Republik Serbien und damit Bestandteil des Staates Jugoslawien. In den 1980er-Jahren wuchs sowohl bei Albanern als auch bei Serben der Wunsch nach Autonomie. 1992 erklärten sich die Albaner für unabhängig. Die Situation eskalierte schließlich im Jahr 1996. Albanische Freischärler und serbische Streitkräfte lieferten sich heftige Auseinandersetzungen, die im Kosovokrieg kulminierten.

Umstrittene Unabhängigkeit

Als Folge der kriegerischen Auseinandersetzung kam es zu Flüchtlingsbewegungen vonseiten der Serben wie der Kosovaren. Von 200.000 Serben lebten im Jahr 1999 nur noch 170.000 in ihrer ursprünglichen Heimat. Viele von ihnen blieben im Exil, während die meisten Kosovo-Albaner über kurz oder lang in das Gebiet zurückkehrten. Am 17. Februar 2008 erklärte der Kosovo seine Unabhängigkeit von Serbien. Jedoch ist die Eigenständigkeit bis heute umstritten, da nur ein Teil der UN-Mitgliedstaaten die Republik Kosovo als autonom anerkennt.

Kosovo: Die Demografie des Staates

Die Demografie des Staates Kosovo weist das Land als von jungen Menschen geprägt aus. Die Bevölkerung ist die jüngste Europas. Ein Drittel der Kosovaren ist jünger als 16 Jahre. Mehr als 50 Prozent der Menschen haben ihr 30. Lebensjahr noch nicht vollendet. Im Rentenalter befinden sich lediglich sechs Prozent der Einheimischen. Jede kosovarische Frau bringt im Schnitt 2,3 Kinder zur Welt. Die Lebenserwartung liegt durchschnittlich bei 69 Jahren. Rund 40 Prozent der Menschen im Kosovo leben in städtischen Siedlungen. Von den mehr als 400.000 im Ausland beheimateten Kosovaren ist ein Großteil in Deutschland, Österreich und der Schweiz angesiedelt.

Muslime in der Überzahl

Die Mehrzahl der im Kosovo heimischen Männer und Frauen sind Albaner. Sie kommen auf einen Bevölkerungsanteil von nahezu 90 Prozent. Sieben Prozent sind serbischer Herkunft, der Rest verteilt sich auf unterschiedliche ethnische Gruppierungen. Da Albaner den Islam favorisieren, sind die meisten Kosovaren muslimischen Glaubens. Sie zählen zu den Sunniten. Der Anteil der Katholiken liegt lediglich bei 2,2 Prozent. Wesentlich ausgeprägter ist der Einfluss der Serbisch-Orthodoxen Kirche.

Niedriger Bildungsstand

In Sachen Bildung existiert für alle Kinder im Land eine Schulpflicht. Unterrichtet wird in den Amtssprachen Albanisch und Serbisch, aber auch in Bosnisch, Türkisch und Kroatisch. Die von Regierungskreisen angestrebte Bildungsreform stockt, denn dem Land fehlt es an technischen und personellen Voraussetzungen für eine umfassende Neustrukturierung. Entsprechend niedrig ist der Bildungsstand der Schülerinnen und Schüler. Laut Pisa-Ranking findet sich der Kosovo in den Fächern Mathematik, Naturwissenschaften und Leseverständnis auf dem vorletzten Platz wieder. Im Kosovo ist der Religionsunterricht staatlich untersagt.

Der Staat Kosovo: Die Geografie

Bezüglich seiner Geografie ist der Staat Kosovo auf der Balkanhalbinsel verortet. Es gibt Grenzlinien zu Albanien, Montenegro, Serbien und Nordmazedonien. Mit einer Ausdehnung von knapp 11.000 Quadratkilometern nimmt der Kosovo die kleinste Staatsfläche innerhalb Südosteuropas ein. Die überwiegend gebirgige Struktur wird mehrheitlich landwirtschaftlichem Nutzen zugeführt. Rund 40 Prozent des Landes sind mit Wäldern bewachsen. Nur fünf Prozent des Areals besitzen städtische Prägung. Der höchste Berg ist der Rudoka (2.658 Meter), der längste Fluss der Weiße Drin (113 Kilometer). Die größten Städte sind:

Kontinentale Klimazone

Aufgrund seiner geografischen Lage wird der Flächenstaat Kosovo von kontinentalem Klima beherrscht. Das heißt, die Wintermonate fallen überdurchschnittlich kalt, die Sommermonate hingegen überdurchschnittlich warm aus. Ähnlich wie in Deutschland herrschen im Dezember und Januar die niedrigsten, im Juli und August die höchsten Temperaturen. Die Monate Oktober, November und Dezember sind die niederschlagsreichsten, wobei entweder Regen oder Schnee fällt.

Der Staat Kosovo: Die Politik

Die Politik des Staates Kosovo weist das Land als parlamentarische Demokratie aus. Oberster Befehlshaber ist der Staatspräsident. Er überwacht das politische System, setzt Wahlen an, erlässt oder blockiert Gesetze (notfalls per Vetorecht) und ist zuständig für die Innen- und Außenpolitik. Er repräsentiert des Weiteren den Staat Kosovo, schlägt den Premierminister vor und genießt politische Immunität. Der Staatspräsident bleibt fünf Jahre im Amt. Die parlamentarischen Abgeordneten, 120 an der Zahl, müssen sich hingegen im Vierjahresrhythmus zur Wiederwahl stellen.

Menschenrechte werden unterlaufen

Fragt man die Bevölkerung, so sorgen sich die meisten Kosovaren um ihre Arbeitsplätze, um den künftigen Status des Landes und um ihre persönliche Sicherheit. Dazu passt ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, der der örtlichen Regierung mangelnden Schutz von Minderheiten vorwirft. Darüber hinaus wird die Nichtverfolgung von Kriegsverbrechen angeprangert. Auch die teils weitreichenden Verflechtungen von Politik und organisierter Kriminalität sind Amnesty ein Dorn im Auge.

Gute Beziehungen zu den USA

Der Kosovo gilt für 22 von 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) als souveräner Staat. Andere Länder wie Spanien, Griechenland und Rumänien sprechen den Kosovaren ihre Eigenständigkeit ab. Wenig überraschend liegen die diplomatischen Beziehungen zu diesen Staaten auf Eis. Zu Deutschland hingegen gibt es fast ebenso positive Beziehungen wie zu den USA, die das Terrain als strategisch wichtig erachten. Nicht zuletzt deshalb haben die Vereinigten Staaten eigens einen Militärstützpunkt im Kosovo errichtet. Das Camp Bondsteel liegt nahe der Stadt Ferizaj.

Kosovo: Die Wirtschaft des Staates

Die Wirtschaft des Kosovo wird im Wesentlichen von bäuerlichen Betrieben und Privatunternehmen getragen. Letztere gehören meist der Gattung Handel oder dem Bausektor an. Die Handelsbilanz des südosteuropäischen Staates ist stark defizitär: Der Kosovo importiert deutlich mehr Waren, als er exportiert. Genauer gesagt beträgt das Verhältnis 3:1, wobei hauptsächlich Mineralöl, Brennstoffe, Fahrzeuge und Maschinen importiert werden. Auf der Liste der Exporte finden sich Eisen, Stahl und Textilien. Sie werden nach Nordmazedonien, Albanien, Italien und China ausgeführt. Bezahlt werden die Güter mit Euro-Banknoten, da der Kosovo das Zahlungsmittel als Fremdwährung übernommen hat. Der Euro hat die D-Mark abgelöst. In einigen Landesteilen ist es üblich, seine Rechnung mit der serbischen Währung Dinar zu begleichen.

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