+
Krawalle in Belgrad während eines Umzugs Homosexueller.

Krawalle nach Umzug von Homosexuellen

Belgrad - Nach dem ersten Umzug von Homosexuellen in der serbischen Hauptstadt Belgrad ist es am Sonntag zu schweren Krawallen gekommen.

Mehrere tausend rechtsextreme Randalierer lieferten sich stundenlange Straßenschlachten mit der Polizei, die den Umzug schützte. Die meist jungen Männer, die zum Teil von Geistlichen angeführt wurden, demolierten Autos, plünderten Geschäfte, rissen Verkehrszeichen aus der Verankerung und setzten Müllcontainer in Brand. Die Unruhen seien ein “unerhörter Ausbruch von Hass“ durch eine “faschistische Gruppe“, sagte Verteidigungsminister Dragan Sutanovac: “Das ist ein sehr trauriger Tag für Serbien“. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge an verschiedenen Punkten im Zentrum der Stadt abzudrängen.

Rund 50 Polizisten seien verletzt worden, hieß es aus den Krankenhäusern. Antiterror-Einheiten zerstreuten die Gewalttäter auch in der zentralen Fußgängerpassage, wo sie Schafenster demolierten hatten. Zwei Linienbusse wurden verwüstet, ein Magazin im Sitz der Regierungspartei DS wurde in Brand gesetzt. Auch die Auslage im Gebäude des Staatsfernsehens ging zu Bruch. Schätzungsweise 1000 Menschen hatten sich zur sogenannten “Parade des Stolzes“ der Schwulen und Lesben in einem Park im Zentrum versammelt. Der kurze Umzug fand praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Polizei hatte das Gebiet schon am Vorabend teilweise gesperrt. Vor neun Jahren war der erste Umzug gescheitert, nachdem Extremisten die Teilnehmer angegriffen hatten. Im letzten Jahr war die Demonstration nach Drohungen abgesagt worden.

Rund 5000 Polizisten schützten die Homosexuellen vor Übergriffen, zu denen verschiedene extremistische Organisationen offen oder indirekt aufgerufen hatten. Auch am Sonntag trugen einige Randalierer wieder Heiligenbilder, Ikonen und Kreuze und sangen Kirchenlieder. Am Samstag hatten schätzungsweise 20 000 Menschen gegen den Homosexuellenumzug friedlich demonstriert. Bischöfe der serbisch- orthodoxen Kirche hatten ebenso zur Verhinderung des Umzuges aufgerufen wie nationalistische Zeitungen. Diplomaten und Parlamentarier der EU, des Europaparlamentes, des Europarates und der OSZE wandten sich an die Teilnehmer des Umzuges. Die “Parade“ sei ein Test für die Achtung der Menschenrechte in Serbien. Es gehe gegen die Diskriminierung von Minderheiten und die Einhaltung von Menschenrechten.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

London: 20-jähriger Bombenbastler zu 15 Jahren Haft verurteilt
London - Ein 20-Jähriger Brite, der eine selbst gebastelte Bombe in eine volle U-Bahn geschmuggelt hatte, ist von einem Gericht in London zu 15 Haft verurteilt worden.
London: 20-jähriger Bombenbastler zu 15 Jahren Haft verurteilt
Versuchte Kindesentführung - Verdächtiger nach fünf Jahren geschnappt
Marburg - Fast fünf Jahre nach der versuchten Entführung eines Kindes in Hessen hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen.
Versuchte Kindesentführung - Verdächtiger nach fünf Jahren geschnappt
Kitas müssen Impfmuffel künftig melden
Wer sein Kind in einer Kita unterbringen möchte, muss den Nachweis einer Impfberatung vorlegen. Wer diesen Nachweis nicht hat, dem droht künftig die Meldung beim Amt.
Kitas müssen Impfmuffel künftig melden
Ausbruch aus Psychiatrie: Polizei warnt vor geflüchtetem Straftäter
Kleve - In Kleve ist ein 35-Jähriger aus der psychiatrischen LVR-Klinik ausgebrochen. Möglicherweise ist er bewaffnet. Die Polizei NRW fahndet und bittet um HInweise aus …
Ausbruch aus Psychiatrie: Polizei warnt vor geflüchtetem Straftäter

Kommentare