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Nach mutmaßlichen sexuellen Übergriffen unter Kindern hat die katholische Kirche die Kindertagesstätte vorübergehend dicht gemacht. Foto: Fredrik von Erichsen

Kritik an Mainzer Kita wegen sexueller Gewalt unter Kindern

Immer mehr Details kommen ans Tageslicht: In einer kleinen Mainzer Kita soll es über längere Zeit zu sexuellen Übergriffen unter Kindern gekommen sein. Das Bistum zieht Konsequenzen.

Mainz (dpa) - Wegen sexueller Übergriffe unter Kindern in einer katholischen Kita hat das Bistum Mainz dem kompletten Personal gekündigt.

"Wir sind nicht nur angesichts des Ausmaßes und der Vielzahl der Fälle, sondern auch im Hinblick auf jeden Einzelfall tief betroffen", schrieb der Mainzer Generalvikar, Prälat Dietmar Giebelmann, am Donnerstag den Eltern der Kindertagesstätte in Mainz-Weisenau. Die Mitarbeiter hätten Berichte der Eltern über Übergriffe nicht ernst genommen.

Aufgrund von Elterngesprächen gebe es für die Vorfälle keine andere plausible Erklärung als "schwere und schwerste Aufsichtspflichtverletzungen".

In der Kita soll es über längere Zeit sexuelle Übergriffe gegeben haben, die in ihrem Ausmaß deutlich über alterstypisches Verhalten wie Doktorspiele hinausgingen. Dabei soll es auch zu einer Verletzung im Genitalbereich gekommen sein. Nicht wenige Kinder seien traumatisiert, heißt es im Brief an die Eltern. Bis zum neuen Kita-Jahr im September bleibt die Einrichtung laut Bistum geschlossen. Die Staatsanwaltschaft Mainz ermittelt wegen möglicher Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflichten.

Erste Hinweise an die Erzieherinnen und Erzieher gab es nach Worten des Generalvikars bereits vor etwa fünf Monaten. Die Kita hatte sieben Mitarbeiter. Anfang vergangener Woche erfuhr die zuständige Pfarrei nach eigenen Angaben von Eltern von den Übergriffen und machte die Kita vorübergehend dicht. Zwei Tage später trat die Kita-Leitung zurück. Erst am Mittwoch wurden die Vorfälle öffentlich. Auch Kardinal Karl Lehmann sei tief bestürzt, heißt es in dem Brief. In der Kita wurden nach Angaben der Pfarrei zuletzt rund 55 Kinder betreut. Das Bistum will den Eltern helfen, Plätze in anderen katholischen Einrichtungen zu finden.

Das Landesjugendamt kritisierte die Verantwortlichen. "Man hat zu lange gewartet, bis man sich professionelle Hilfe geholt hat", sagte Präsident Werner Keggenhoff. Das Amt entscheidet in Rheinland-Pfalz auch über die Betriebserlaubnis von Kindertageseinrichtungen. Aktuell gebe es noch keinen Anlass, sie der Kita zu entziehen. Mittlerweile werde dort verantwortlich gehandelt.

Oberstaatsanwalt Gerd Deutschler sagte, möglicherweise seien Fürsorge- und Erziehungspflichten verletzt worden. Je nach dem Verlauf der Ermittlungen könnten weitere Tatbestände in den Fokus rücken - etwa fahrlässige Körperverletzung. Die Kinder sind wegen ihres Alters davon nicht betroffen. Die Behörde geht von schwierigen Ermittlungen aus, weil sie sich möglicherweise auf eine große Zahl sehr junger Zeugen stützen muss. Die Kita-Leitung hatte sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert.

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