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Die beiden Schläger (18) kamen wieder auf freien Fuß.

Kritik an Haftverschonung für Berliner U-Bahn-Schläger

Berlin - Die Haftverschonung für zwei Berliner U-Bahn-Schläger nach einem brutalen Angriff auf einen Mann am Osterwochenende stößt bei Politikern und Kriminalexperten auf Unverständnis.

Die Berliner Staatsanwaltschaft verteidigte ihr Vorgehen und verteidigte den Haftbefehl wegen versuchten Totschlags damit, dass keine Mordmerkmale vorlägen. Da der Tat ein Streitgespräch vorausging, sei beispielsweise keine Heimtücke gegeben, sagte Sprecher Holger Freund. Das Vorliegen von Mordmerkmalen werde aber weiter geprüft.

Zur Haftverschonung sagte der Sprecher, die Anklagebehörde habe für den 18-Jährigen ursprünglich Untersuchungshaft beantragt. Sie werde aber keine Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Ermittlungsrichters einlegen. Freund betonte, die Untersuchungshaft diene lediglich der Verfahrenssicherung.

Zwar schließe der Richter eine Fluchtgefahr nicht aus, daher müsse sich der Schüler drei Mal in der Woche bei der Polizei melden. Aber es gebe eine Vielzahl von Gründen, dass der Verdächtige nicht “untertauchen“ werde. Er habe sich gestellt, sei geständig und reumütig, lebe bei seinen Eltern und gehe zur Schule. Auch sei der junge Mann bislang nicht polizeilich in Erscheinung getreten.

Wie der “Tagesspiegel“ berichtet, will der Anwalt des 29-Jährigen gegen die juristische Einstufung der Straftat vorgehen.

Nach dem Überfall auf einen 29-Jährigen hatten sich am Wochenende beide mutmaßliche Täter gestellt und die Tat gestanden. Der 18-jährige mutmaßliche Haupttäter erhielt Haftbefehl, kam aber unter Auflagen auf freien Fuß. Gegen ihn wird wegen versuchten Totschlags ermittelt. Er soll das Opfer verprügelt und bis zur Bewusstlosigkeit getreten haben. Gegen seinen gleichaltrigen mutmaßlichen Komplizen wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Kriminologe Pfeiffer sieht Fluchtgefahr

Kritik kam vom Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer, sagte, er sei überrascht über die Entscheidung des Richters. Da der Täter mit einer Freiheitsstrafe rechnen müsse, gebe es “sehr wohl“ eine Fluchtgefahr. Er bezweifelte zudem, dass der junge Mann tatsächlich unbescholten ist: “Angesichts einer Aufklärungsquote von nur 60 Prozent in Berlin, die niedrigste bundesweit, mit der Gewalttaten aufgeklärt werden - wer weiß denn, was der Täter wirklich auf dem Kerbholz hat.“

Politiker reagieren

Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sprach von einer “abscheulichen Tat“, die angemessen gesühnt werden müsse. Den sogenannten Warnschussarrest halte er in diesem Fall aber nicht für angemessen. Der Täter gehöre in Haft. Er müsse spüren, was er getan habe. Zur Haftverschonung sagte Körting, diese Entscheidung liege im Ermessen des Richters. GdP-Chef Witthaut betonte, es sei kein Wunder, wenn jugendliche Täter den öffentlichen Raum mittlerweile als rechtsfreien Raum betrachten, da es “kaum noch jemanden gibt, der sie zur Ordnung ruft, und Verstöße gegen Recht und Gesetz, Sicherheit und Ordnung nur lapidar geahndet werden.“

Der Generalsekretär der CDU Berlin, Bernd Krömer, sagte, der “grauenhafte Gewaltvorfall“ zeigt erneut, wie sehr der Berliner Senat in Fragen der Inneren Sicherheit versage. Es sei an der Zeit, die Bilanz des Innensenators zu diskutieren. Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Björn Jotzo, forderte vom rot-roten Senat ein integriertes Sicherheitskonzept für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Berlin.

Tourist rette Opfer vermutlich das Leben

Medienberichten zufolge erlitt das Opfer ein Schädel-Hirn-Trauma, konnte die Klinik aber mittlerweile wieder verlassen. Ein Tourist hat den Mann möglicherweise vor Schlimmerem bewahrt. Der 21-Jährige aus Bayern schritt ein, erhielt aber vermutlich vom Komplizen einen Tritt in den Rücken. Der junge Mann sagte der “Berliner Morgenpost“: “Niemand hat etwas getan, alle haben nur zugeschaut oder sich demonstrativ abgewandt.“

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert nach der Attacke auf dem U-Bahnhof Friedrichstraße mehr öffentliche Aufmerksamkeit für die Opfer von Gewalttaten. Es entstehe sonst der Eindruck, man mache sich über die Zukunft der Täters mehr Gedanken als über das weitere Schicksal des Opfers, sagte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut am Dienstag.

In Berlin war es in den vergangenen Wochen wiederholt zu brutalen Übergriffen im ÖPNV gekommen.

dapd

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