Künstler in London bilden die Wirklichkeit ab

„Das nackte Leben“ faszinierte die Künstler in London nach dem Zweiten Weltkrieg. In ihren Gemälden bilden sie ihr persönliches Umfeld ab. In einer Ausstellung hängen jetzt die Bilder von Francis Bacon und David Hockney zum ersten Mal nebeneinander. Den Katalog dazu präsentiert der Hirmer Verlag.

Geometrische Aktbilder

Eine nackte Frau sitzt auf der Vorderkante eines gelben Klappstuhls. Ihre Beine sind ausgestreckt, Kopf und Schultern ruhen auf der Stuhllehne. Vor einer orangefarbenen Wand bildet ihr Körper eine Diagonale, die von der oberen linken Bildhälfte in die untere rechte Leinwandecke reicht.

Sechs Jahre lang arbeitet der Londoner Künstler Euan Uglow an seinem Öl-Gemälde „The Diagonal“. Jetzt schmückt eine Kopie davon den Katalog „Das nackte Leben“, der im Hirmer Verlag erschienen ist. Der Katalog begleitet die gleichnamige Ausstellung im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster. Zum ersten Mal sind Uglows Bilder gemeinsam mit den Gemälden von Frank Auerbach, Francis Bacon, Lucian Freud und David Hockney zu sehen.

Künstler in London beeinflussen sich gegenseitig

Genauso wie Euan Uglow beschäftigen sich auch seine Kollegen mit wirklichkeitsgetreuen Motiven. Sie suchen in ihrem eigenen Lebensumfeld nach Inspiration und malen Personen oder Orte, die für sie selbst eine wichtige Rolle spielen. Trotz dieser Gemeinsamkeit lassen sich die Künstler in London zwischen 1950 und 1980 nicht unter einer einzigen Kunstrichtung zusammenfassen.

Da sie alle in der britischen Hauptstadt verwurzelt sind, führt der amerikanische Künstler Ronald B. Kitaj den Begriff „School of London“ ein. Kitaj hat selbst in den 1950er-Jahren in London gelebt und gearbeitet. Wie seine Zeitgenossen studiert auch Kitaj für seine Kunstwerke den menschlichen Körper genau und arbeitet mit Modellen.

Ausstellung und Katalog zeigen die Vielfältigkeit

Zwar ähneln sich die Künstler in London nach dem Zweiten Weltkrieg in ihrer Arbeitsweise und beeinflussen sich gegenseitig. Gleichzeitig entwickeln sie jedoch ganz eigene Stile und erzielen völlig unterschiedliche Ergebnisse. Euan Uglow malt seine Modelle zum Beispiel so, dass sie geometrische Formen wie ein Dreieck oder eine Diagonale nachbilden. Ronald B. Kitaj hingegen fertigt bunte Collagen an, in denen die einzelnen Körperteile zusammengesetzt wirken.

Aktbilder hängen in einem Raum mit Porträts, Landschaftsgemälden oder Stillleben. Ausstellung und Katalog geben einen guten Überblick über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der 15 Künstler – von Euan Uglows realitätsnahen und sorgfältig komponierten Gemälden über Frank Auerbachs abstrakte Bilder bis hin zu David Hockneys plakatähnlichen, flächigen Pop-Art-Werken.

Der Katalog „Das nackte Leben“ bietet mit seinen 117 farbigen Abbildungen und gut recherchierten Fachartikeln einen tiefen Einblick in die Londoner Kunstszene.

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