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Wetter: Seltenes La-Niña-Phänomen wieder da - droht Deutschland jetzt ein sibirischer Kälte-Winter?

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Von: Martina Lippl

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La Niña intensiviert die Zirkulation im tropischen Pazifik, wie die NOAA-Grafik zeigt.
La Niña intensiviert die Zirkulation im tropischen Pazifik, wie die NOAA-Grafik zeigt. Europa ist auf der Grafik kaum zu sehen. © NOAA

Meteorologen sind sich sicher: Ein La Niña-Winter steht bevor. Doch hat das Wetter-Phänomen Folgen für den Winter in Deutschland?

München - Die ersten Prognosen für den Winter 2021/22 in Deutschland sind besonders für den Dezember wohl sehr spannend. Bringt der Winter Schnee und sibirische Kälte? Angesichts der steigenden Strom- und Gaspreise sind die Wetter-Aussichten dieses Jahr für viele Menschen wohl mehr als interessant. Obendrein steht ein sogenannter La Niña-Winter bevor. Wirkt sich das Phänomen auf das Wetter in Europa oder gar Deutschland aus?

La Niña - Wetterphänomen Hinweis auf Rekordwinter

„She‘s baaaaaaaaack!“ (auf Deutsch: Sie ist zurück) - titelt der US-Wetterdienst NOAA über einer Grafik zu La Niña auf Instagram. In einem animierten Computer-Modell ist dargestellt, wie sich die Wasseroberflächentemperatur im tropischen Pazifik schon seit Monaten abkühlt, und zwar überdurchschnittlich. Ein deutliches Indiz für die Forschenden: Das Wetterphänomen La Niña ist wieder aktiv. Die US-Wetterexperten rechnen nun damit, dass es zu einer Wahrscheinlichkeit von 87 Prozent über den ganzen Winter bestehen bleiben wird. La Niña (spanisch für „das Mädchen“) tritt alle zwei bis fünf Jahre auf. Das Phänomen bringt das Wetter durcheinander, und führt oftmals zu einer Zunahme der Regen - und Schneefälle sowie Stürme in verschiedenen Regionen der Welt. La Niña ist die gegenläufige Klimaanomalie zu El Niño, der Gegenspieler ist wegen seiner Hitze und Dürre deutliche gefürchteter.

La Niña sorgt hauptsächlich für kühlere Temperaturen rund um den Äquator. Der Passatwind von Südamerika Richtung Äquator weht stärker als gewöhnlich und drückt das warme Oberflächenwasser weiter nach Westen Richtung Australien und Südostasien. Die normale atmosphärische Zirkulation im tropischen Pazifik wird verstärkt und abgekühlt. Entlang des Äquators bildet sich eine markante Kaltwasserzunge.

La Niña sorgt für Wetterkapriolen in bestimmten Regionen

„Wir haben in diesem Jahr bereits einen wahrscheinlichen Effekt von La Niña gesehen – eine aktivere Hurrikansaison im Atlantik mit fast doppelt so vielen Stürmen wie bisher im Durchschnitt“, ist in einem ENSO-Blog der NOAA zu lesen. Der Blog befasst sich mit den Vorhersagen und Beobachtungen von El Niño sowie La Niña und deren Auswirkungen, vor allem mit Blick auf die USA. ENSO steht für El Niño Southern Oszillation und ist auch der Gradmesser für das Wetterphänomen. Fällt dieser Wert unter 0, kommt der La Niña in Fahrt. Anfang November, liegt dieser Wert bei -1,0.

Winter in Deutschland? Hat La Niña einen Effekt auf unser Wetter?

Von dem Wetter-Phänomen La Niña sind nach dem heutigen Stand der Wissenschaft vor allem die unmittelbar an den Pazifik angrenzenden Regionen betroffen. Doch bringt La Niña Europa und Deutschland tatsächlich einen Rekordwinter? Die Auswirkungen sind sehr umstritten und bisher noch wenig erforscht. Die Prozesse komplex. Schon im vergangenen Winter war La Niña aktiv. Der Winter brachte zwar in Deutschland viel Schnee, jedoch waren am Ende die Temperaturen eher durchschnittlich. Einen Zusammenhang mit La Niña bezweifeln Experten.

„Wissenschaftlich ist es überhaupt nicht belegt, dass La Niña einen Einfluss auf unser Winterwetter hat“, betont Meteorologe Dominik Jung auf Anfrage von Merkur.de*. Es gäbe keine Statistik, die das belegen würde. Von einem „Jahrhundertwinter“ will der Wetterexperte auf keinen Fall sprechen. „Keiner muss Angst haben, dass die Heizkosten explodieren“, beruhigt Jung. Das könnte jetzt für Schneefans enttäuschend sein. Und: „Weiße Weihnachten“ lassen sich seriös zu diesem Zeitpunkt kaum vorhersagen.

Im Jahr 2010 habe es in Mitteleuropa einen schneereichen und auch kalten Winter gegeben. Auf La Niña will das der Meteorologe jedenfalls nicht zurückführen. Natürlich könne es festgefahrene Wetterlagen geben, die zu einer Kältewelle in Deutschland führen könnten, doch mit dem Wetterphänomen La Niña stünden diese nicht im Zusammenhang.

„Kalter Winter und La Niña - das ist an den Haaren herbeigezogen“, sagt auch Andreas Friedrich, Sprecher vom Deutschen Wetterdienst (DWD) im Gespräch mit Merkur.de*. „Signifikante Auswirkungen von La Niña auf Mitteleuropa und damit auch Deutschland gibt es nach meinem Wissensstand keine.“ Das Phänomen habe Einfluss auf Regionen in Südamerika, Afrika und Australien.

Kurz gesagt: Es ist reine Spekulation eine Winterprognose in Deutschland mit einem La-Niña-Ereignis zu verknüpfen.

Einen Zusammenhang von La Niña oder El Nino auf das Wetter in Europa waren schon Gegenstand der Wissenschaft, berichtet in diesem Zusammenhang auch das Wetterportal wetteronline.de. Das Ergebnis: Die Analysen zeigen keinen eindeutigen Trend. (ml) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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