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Vulkanausbruch auf La Palma: Neue Explosion in der Nacht - mächtiger Lavafluss stürzt herunter

  • Martina Lippl
    VonMartina Lippl
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Der Vulkan auf La Palma zeigt keine Schwäche. Ein zweiter Lavastrom stürzt den Nordhang hinunter und zerstört Bananenplantagen. Noch hat der Strom das Meer nicht erreicht.

La Palma - In der vergangenen Nacht hat es eine neue Explosion des Vulkans auf La Palma gegeben. Ein mächtiger Lavafluss stürzte sich daraufhin bei Tacande herunter, wie das kanarische Vulkanforschungsinstitut Involcan berichtet. „Atemberaubender Anblick“ twittert Involcan zu einem Video, auf dem der glutrote Lavastrom zu sehen ist. Die Lava fließt einen Weg hinunter, der durch frühere Ströme geschaffen worden war. Dadurch wird sie dicker und kühlt sich ab, je weiter sie nach unten kommt.

La Palma: Vulkan weiter aktiv

Laut den Vulkan-Forschern ist bei den verschiedenen Lavaströmen, die den Hang der Cumbre Vieja hinunterfließen, eine Phase der „Stabilität und Langsamkeit“ eingetreten. Auch der zweite Strom der am Sonntag nordwestlich des Vulkankegels aufgetaucht ist, habe sich deutlich verlangsamt. Er bewege sich am Rande des Berges La Laguna im Süden La Palmas nur noch mit einer Geschwindigkeit von zwei Metern pro Stunde vorwärts. Die 1270 Grad heiße Lavazunge sei inzwischen noch 160 Meter vom Meer entfernt. Am Sonntag wälzte sich die Lavamasse noch mit etwa 15 Kilometern pro Stunde Richtung Meer.

Sie habe am Montag erneut Bananenplantagen zerstört, wurde die Regionalchefin des Geographischen Instituts IGN, María José Blanco, in der Zeitung El Mundo zitiert. Inzwischen sind nach den Daten des Copernicus-Satelliten, der nur Gebäude ohne Angabe des Typs analysiert, 1.956 zerstörte und 60 teilweise beschädigte oder gefährdete Gebäude eingeordnet. Mehr als 760 Hektar sind von einer meterdicken Schicht Lava bedeckt, davon entfallen 228,09 Hektar auf Anbaufläche (128 Hektar Bananenplantagen, 52 Weinberge und 19 auf Avocados).

Vulkanausbruch auf Kanareninsel La Palma

Ob die Lava mit der aktuellen Strömung und Geschwindigkeit schon Dienstagnacht das Meer erreichen wird, halten Wissenschaftler noch für unsicher. Sicher ist, dass die Masse früher oder später den Atlantik erreichen und eine neue Landzunge bilden wird. Der Hauptstrom ergießt sich schon seit gut zwei Wochen ins Meer und lässt dort eine neue Landzunge entstehen, die am Montag bereits mehr als 36 Hektar groß war. Darauf passen rund 50 Fußballfelder.

Vulkanausbruch auf La Palma

Der Vulkan am der Cumbre Vieja (1.949 Meter) auf der Kanareninsel La Palma ist am 19. September 2021 zum ersten Mal seit 50 Jahren ausgebrochen.
Riesige Lavaströme haben inzwischen mehr als 1800 Gebäude und fast 790 Hektar Land zerstört.
Die Kanaren, zu denen auch die beliebten Ferieninseln Gran Canaria, Teneriffa und Lanzarote gehören, sind vulkanischen Ursprungs. Der Cumbre Vieja galt als schlafender Vulkan.

Vulkan auf La Palma: Kein Flugverkehr am Wochenende

Am Montag wurde unterdessen der Flugbetrieb auf La Palma nach zweitägiger Unterbrechung wieder aufgenommen. Doch nur für einige Stunden. Die Fluggesellschaft Binter musste die letzten vier geplanten Flüge wegen Asche auf der Landebahn streichen. Der Flughafen der Insel war am Wochenende zwar weiter betriebsbereit geblieben, doch die Vulkanasche nahm gefährlich zu. Fluggesellschaften wie Binter sagten Flüge ab.

Vulkanausbruch auf La Palma - Kinder mit Maske und Schutzbrille in die Schule

Trotz der schwierigen Lage auf La Palma versucht die Insel etwas Normalität zu behalten. Seit mehr als einem Monat sind Kinder in einem der am schwersten betroffenen Gebieten aus dem Aridane-Tal erstmals wieder in die Schule gegangen. Der Start für die mehr als 4.500 Schülerinnen und Schüler und 600 Lehrkräfte fand unter schwierigen Bedingungen - im Ascheregen - statt, berichten lokale Medien. Sie waren quasi in ihren Klassenzimmern eingesperrt. Wegen der schlechten Luftqualität mussten Fenster und Türen geschlossen bleiben. Pausen auf dem Schulhof tabu. Beim Verlassen des Unterrichts mussten die Kinder FFP2-Masken, Schutzbrillen und Mütze mit Visier tragen. Wann der Vulkan zur Ruhe kommt, ist unklar. Einmal legte der Vulkan eine gespenstische Pause ein. (ml)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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