Länder bereiten sich auf Pockenimpfung vor

- Berlin - Angesichts der steigenden Gefahr bioterroristischer Anschläge prüfen die Bundesländer derzeit, wie ein Vorsorgeprogramm im Fall eines Pockenangriffs aussehen könnte. Die Bundesregierung will nach Angaben des Gesundheitsministeriums bis Ende dieses Jahres über 100 Millionen Impfdosen gegen Pockenerreger verfügen. Auf eine komplette Pockenimpfung der Bevölkerung rüsten sich bereits einige Länder, in anderen gibt es dazu noch keine Pläne. Das hat eine dpa-Umfrage ergeben.

 In Mecklenburg-Vorpommern werden nach Angaben des Sozialministeriums derzeit die logistischen Möglichkeiten einer Massenimpfung geprüft. Gleiches gilt auch für Schleswig-Holstein. Das Land erarbeite derzeit eine Infrastruktur, um Lagermöglichkeiten für den Impfstoff zu schaffen. Konkrete Pläne gebe es noch nicht, hieß es aus dem Ministerium. Auch Niedersachsens Innenminister Heiner Bartling prüft derzeit auf Anweisung des Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel (SPD), ob das Land für einen Pockenangriff ausreichend gewappnet sei.<P>In anderen Ländern sind die Verantwortlichen bereits einen Schritt weiter. Mit einem Vorsorgeplan will sich das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium schützen. "Die Rahmenbedingungen werden in zwei bis drei Wochen festgelegt", sagte die Sprecherin des Gesundheitsministeriums, Angelika Wahrheit. Danach könnten die Ärztekammern, Gesundheitsämter und das Institut für den öffentlichen Gesundheitsdienst den Vorsorgeplan umsetzen. Für NRW seien derzeit 720 Impfstellen vorgesehen.</P><P>In Rheinland-Pfalz beschäftigt sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums die Arbeitsgruppe "Gesundheitsschutz" mit der Frage, wie ein möglicher Pockenangriff abgewehrt werden könnte. Dazu solle ein Konzept entwickelt werden, sagte ein Ministeriumssprecher. Landesweit sollten rund 160 Impfstellen gefunden werde, bundesweit seien fast 3300 nötig.</P><P>Auch in Sachsen beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit möglichen Vorsorgemaßnahmen. Die Zahl der Ärzte, die auf Massenimpfungen vorbereitet werden sollen sowie die Impfstoffmenge, die eingelagert werden müsste, stehen nach Angaben des Gesundheitsministeriums noch nicht fest. Thüringen führt derzeit mit den Kassenärztlichen Vereinigungen und Gesundheitsämtern Gespräche, hieß es aus dem Gesundheitsministerium. Ein "Durchimpfen" der Bevölkerung sei aber innerhalb weniger Tage möglich, meinte ein Ministeriumssprecher.</P><P>Auch Bayern bereitet sich auf mögliche Massenimpfungen vor. Im Notfall müssten rund 500 Impfstellen im Freistaat eingerichtet werden, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. "Wir müssten dann gerüstet sein, innerhalb weniger Tage sehr viele Menschen zu impfen." Obwohl eine vorbeugende Impfung der gesamten Bevölkerung auf Grund der Nebenwirkungen nicht sachgerecht sei, solle in Kürze mit der Schulung von Ärzten und Helfern begonnen werden.</P><P>Hessen will nach Aussage von Regierungssprecher Dirk Metz noch in diesem Monat beginnen, die Amtsärzte für eine eventuell nötige Massenimpfung im Falle ein Pockenangriffes zu schulen. Nach Metz' Worten komme es jetzt nur zu einer bundesweiten Vollversorgung mit Pockenimpfstoff, weil Hessen Druck auf die Bundesregierung ausgeübt hatte.</P><P>Der Berlin Senat hat bereits im Sommer vergangenen Jahres Vorbereitungen getroffen. Um eine Impfung der Bevölkerung innerhalb von drei Tagen zu ermöglichen, würden 3000 Ärzte benötigt, sagte eine Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung. Sie sollten in 135 öffentlichen Stützpunkten tätig werden. Eine spezielle Pocken- Schulung für die Ärzte sei nicht erforderlich. "Wir gehen davon aus, dass Ärzte impfen können", sagte die Sprecherin.</P><P>Das Saarland sieht derzeit keinen akuten Handlungsbedarf. Erst bei einer tatsächlichen Bedrohung solle geimpft werden, da die Pockenimpfung ein hohes Nebenwirkungsrisiko habe, sagte Gesundheits- Staatssekretär Josef Hecken. "Für diesen Fall ist Vorsorge getroffen."</P><P>Auch Hamburg bereitet sich nach Angaben eines Behördensprechers auf entsprechende Maßnahmen zur Gefahrenabwehr vor. Genauere Informationen wurden allerdings nicht bekannt. "Alle Aktivitäten der Stadt, die der Vorsorge und der Sicherheit der Bürger dienen, werden nicht kommentiert", sagte Behördensprecher Michael Mrozek.</P>

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