In Tunesien hat sich die Lage am Sonntagabend wieder zugespitzt.

Aufstände in Tunesien: Deutscher schwebt in Lebensgefahr

Tunis - In Tunesien spitzt sich die Lage weiter zu. In der Nähe des Präsidentenpalasts  fielen Schüsse. Es kam zu Aufständen und zahlreiche Festnahmen.

In Tunesien hat sich die Lage am Sonntagabend wieder zugespitzt. In der Nähe des Präsidentenpalasts rund 15 Kilometer nördlich der Hauptstadt Tunis hätten Streitkräfte und Mitglieder der neu ernannten präsidialen Leibgarde einen Angriff getreuer Milizen des gestürzten Machthabers Zine El Abidine Ben Ali abgewehrt, berichtete einer der neuen Leibgardisten. Schüsse waren auch in der Hauptstadt in der Nähe des Innenministeriums zu hören.

Einem hochrangigen Politiker der stärksten Oppositionskraft, der Demokratischen Fortschrittspartei (PDP), zufolge lieferten sich zudem unbekannte Angreifer mit Sicherheitskräften vor der PDP-Parteizentrale in Tunis ein Feuergefecht. Immer wieder kam es zu Festnahmen von Verdächtigen, die an Schießereien beteiligt gewesen sein sollen.

Medienberichten zufolge, wonach auch vier bewaffnete Deutsche festgenommen worden seien, wurden vom Auswärtigen Amt zunächst nicht bestätigt. Den Berichten zufolge hatten die Deutschen zur Jagd fahren wollen.

Fotograf bei den Unruhen lebensgefährlich verletzt

Ein deutsch-französischer Fotograf wurde bei den Unruhen lebensgefährlich verletzt. Über sein Schicksal gab es am Sonntag widersprüchliche Angaben. Zunächst war er für tot erklärt worden, später hieß es, der 32-Jährige schwebe in Lebensgefahr. Der Fotograf, der am Freitag aus unmittelbarer Nähe von einer Tränengasgranate getroffen wurde, befinde sich in einem “kritischen Zustand“ in einem tunesischen Krankenhaus, erklärte das französische Konsulat in Tunis.

Die Fotoagentur epa, für die der Mann die Lage in dem nordafrikanischen Land dokumentierte, erklärte, ihr Mitarbeiter sei weiter an lebenserhaltende Maschinen angeschlossen. Sie berichtigte damit frühere Angaben, wonach der Fotograf seinen Verletzungen erlegen sei. Weitere Informationen über den Zustand des Fotografen lägen nicht vor, hieß es.

Die Polizei nahm den Leiter der Leibgarde Ben Alis, Ali Seriati, sowie mehrere seiner Mitarbeiter fest. Seriati und seinem Stellvertreter werde unter anderem Verschwörung gegen die nationale Sicherheit vorgeworfen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur TAP. Auch hätten die Leibgardisten Unruhe gestiftet sowie Mord und Plünderung provoziert. Insgesamt wurden nach Angaben aus Polizeikreisen 50 Verdächtige festgenommen, die aus Kranken- und Mietwagen heraus auf Menschen geschossen haben sollen.

Neue Regierung soll “fast sicher“ am Montag bekannt gegeben werden

Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi sagte im staatlichen Fernsehen, eine neue Regierung der nationalen Einheit soll “fast sicher“ am Montag bekannt gegeben werden. Sie werde ein “neues Kapitel in der Geschichte Tunesiens“ schreiben. Es gibt drei legale Oppositionsparteien, die Ghannouchi in seine Regierung aufnehmen könnte. Den Auftrag zur Regierungsbildung hatte er von Interimspräsident Fouad Mebazaa erhalten. Die Verhandlungen liefen gut, sagte Ghannouchi am Sonntagabend.

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