Gibt es ein „nach der Pandemie“?

Wann endet die Pandemie? Corona-Expertin gesteht bei Lanz: „Ich bin sehr skeptisch“

  • Elisabeth Urban
    vonElisabeth Urban
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Bei Markus Lanz spricht Virologin Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff Fragen zur Pandemie-Bewältigung und Impf-Wirkung an. Sie blickt kritisch in die Zukunft.

Hamburg - Wenn Markus Lanz zurzeit in seiner Talk-Show über aktuelle Ereignisse diskutiert, kommt er um das Coronavirus kaum herum. Neben politischen Affären und Umfrage-Tiefs für CSU und CDU waren deswegen auch verschiedene Strategien im Kampf gegen Covid-19 ein Thema der ZDF-Sendung am 6. April. Professor Helga Rübsamen-Schaeff war als Expertin eingeladen - die erfolgreiche Virologin und Pharma-Unternehmerin zeichnete ein eher düsteres Bild.

Corona-Pandemie in Deutschland: „Exzellente Impfstoffe“ - trotzdem könnte das Virus bleiben

„Was ist unser Ziel in Deutschland?“, darüber müsse man sich im Kampf gegen das Virus klar werden, diese Frage stellt Rübsamen-Schaeff in den Raum. „Was ist denn die Definition von ‚nach der Pandemie‘, und „schaffen wir das, Deutschland Corona-frei zu machen?“ damit müsse man sich auseinandersetzen. Dass das Virus, das die Welt seit über einem Jahr fest im Griff hat, endgültig besiegt werden kann, glaubt die Professorin nicht. Aktuell sei das Ziel der Regierung also vor allem, eine möglichst hohe Impf-Quote zu erreichen. „Die Epidemiologen sagen, wir brauchen 60-70 Prozent Durchimpfung, um die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen“. Es sei ein „großes Wunder“, dass in kürzester Zeit „hochwirksame“ Präparate entwickelt worden seien - ein Allheilmittel sind die Impfungen aber nicht. Ihre Wirksamkeit könnte mit der Zeit abnehmen, außerdem drängen immer neue Mutationen des Virus nach.

„Diese durchgängige Immunität - die Pocken sind heute ausgerottet, da hat man das geschafft. Ich bin sehr skeptisch, dass man das bei Corona hinkriegt, obwohl wir exzellente Impfstoffe haben.“ Rübsamen-Schaeff sieht die Enttäuschung der Menschen, auch Moderator Markus Lanz fragt im Hinblick auf einige gescheiterte Ankündigungen von Gesundheitsminister Jens Spahn in der Vergangenheit: „Ist das die Pandemie der gebrochenen Versprechen?“. Um noch mehr Enttäuschungen möglichst vorzubeugen, gebe es eben zahlreiche Fragen, deren Antworten man schon jetzt überdenken müsse, plädiert die Virologin und Unternehmerin.

Coronavirus: Privilegien nach der Impfung?

„Nach der Pandemie - ja wann ist denn das? Viele denken das ist im Juni der Fall, oder im Juli, wenn alle mal durchgeimpft sind“. Was würde es bedeuten, geimpft zu sein - bekommen Geimpfte tatsächlich wie bereits vielfach diskutiert Privilegien, und wie lange sollen diese bestehen, falls klar wird, dass die „Impfstoffe vielleicht nicht ewig durchhalten“? Was passiert mit Menschen, die zwar infiziert waren, aber nicht geimpft sind? Sie können sich schon relativ kurze Zeit nach ihrer Erstinfektion erneut anstecken.

Wird für die sichere Zulassung Nicht-Geimpfter beispielsweise bei Veranstaltungen eine ausführliche Test-Strategie ausreichen? Auch wenn die Politik sich um Antworten auf diese Fragen bemühen wird, sei dennoch mit weiteren Erkrankungen zu rechnen, so Rübsamen-Schaeff. Ihr Appell dazu: „Wir brauchen unbedingt auch Therapie-Entwicklung“. Hygiene-Maßnahmen wie das Tragen von Masken schätzt sie auch mit umfangreichem Impf-Erfolg weiterhin als relevant ein.

Corona-Virus in Deutschland: Könnte durch die Mutationen „alles wieder von vorne“ beginnen?

Die Wirkung der Impfungen, die jetzt seit 6 Monaten beobachtet werden kann, nehme im Laufe der Zeit leicht ab - trotzdem sei der Impfschutz „sehr ordentlich“. Die Ansteckung mit den mittlerweile aufgetauchten Mutationen wird jedoch auch durch die momentan verwendeten Präparate nicht unbedingt verhindert - die Impfung vermeide hauptsächlich die tatsächliche Erkrankung an der ursprünglichen Variante.

„Das Virus ändert sich auch weiter, das wird hier nicht stehen bleiben“ so die Professorin, „umso mehr muss man damit rechnen, dass eben auch irgendwann die Geimpften nicht mehr so gut geschützt sind wie sie es jetzt sind“. Rübsamen-Schaeff verweist auf andere Länder, in der Mutationen wie beispielsweise die Variante P1 eine „neue Epedemie“ ausgelöst hätten. „Das ist eben schwer einzuschätzen, wie schnell kann sowas wieder zu uns kommen“ - dann könnte „alles wieder von vorne“ beginnen. (eu)

Auf eine massive Impf-Offensive setzt man auch in Österreich - hier soll es für Mai Hoffnung auf Öffnungen geben.

Rubriklistenbild: © Screenshot/ZDF

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