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Laos: Alles über den einzigen Binnenstaat in Südostasien

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Der Tempelbezirk von Wat Phu ist eine von drei Weltkulturerbestätten in Laos
Der Tempelbezirk von Wat Phu ist eine von drei Weltkulturerbestätten in Laos © Olaf Schubert / IMAGO

Laos ist ein Land auf der Indochinesischen Halbinsel, der auf eine wechselhafte Geschichte zurückblickt. Seit der Öffnung des kommunistisch geprägten Landes zur Marktwirtschaft hin, nimmt auch der Tourismus langsam an Fahrt auf.

Vientiane – Das eine Fläche von 236.800 Quadratkilometer umfassende Laos gilt als der einzige Binnenstaat in Südostasien. Die demokratische Volksrepublik, durch die der Mekong fließt, beeindruckt nicht nur landschaftlich. Auch die buddhistischen Klöster sowie Gebäude aus der französischen Kolonialzeit geben dem Land ein Gesicht, wie aus einer anderen Zeit. Dennoch ist das Laos im Gegensatz zu seinen Nachbarstaaten vom Tourismus noch weitgehend unberührt.

Laos: Frühgeschichte und das Königreich Lan Xang

Archäologische Funde belegen, dass auf dem Gebiet des heutigen Laos bereits vor 40.000 Jahren erste menschliche Aktivitäten nachzuweisen sind. Die ältesten Volksgruppen von Laos sind die Lua und Khmu. Erst später wanderten die Tai-Völker in das Gebiet, zu denen auch die Lao gehörten. Die Lao bildeten bis zum Mittelalter Stammesfürstentümer, die sogenannten Müang. Im 12. und 13. Jahrhundert gehörten viele Gebiete des heutigen Laos zum Machtbereich des Khmer-Reichs von Angkor.

Das Jahr 1353 wird als eigentlicher Anfangspunkt der laotischen Geschichtsschreibung angenommen, als Fa Ngum (der Herrscher von Müang Sua) das Königreich Lan Xang Hom Khao (übersetzt „Das Reich der Millionen Elefanten unter einem weißen Schirm“) gründete. Unter König Sulinyavongsa erreichte Lan Xang im 17. Jahrhundert seine Blütezeit: Nicht nur Handel und Bildung, sondern auch Kulturgüter wie Literatur und Dichtung erreichten ein bemerkenswertes Niveau.

Laos: Der Einfluss der französischen Kolonialmacht

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kam es immer wieder zu verschiedenen Machtansprüchen der Nachbarländer auf das laotische Gebiet. Dabei mussten die jeweiligen Lao-Herrscher gerade zwischen Vietnam und Siam (Thailand) die sich überschneidenden Interessen ausbalancieren. 1827 stellte sich König Anuvong von Vientiane gegen die siamesische Oberherrschaft. Er wurde in Bangkok hingerichtet. Sowohl das Königreich Vientiane als auch die Hauptstadt wurden zerstört und ein Großteil der Bevölkerung in den Westen verschleppt.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gewann die französische Kolonialmacht zunehmend Einfluss auf südostasiatischen Länder. 1893 eroberten die Franzosen die linke Uferseite, wodurch Siam die Mekong-Grenze anerkennen musste. Laos wurde als Protektorat ein Teil der französischen Kolonie Französisch-Indochina. Doch bereits im frühen 20. Jahrhundert sorgten Widerstandsbewegungen gegen die Kolonialherrschaft dafür, dass erste Bestrebungen einer laotischen Nation erkennbar waren.

Laos im 20. Jahrhundert

Nachdem Japan im Zweiten Weltkrieg Laos besetzt hatte und sich am Ende des Krieges geschlagen geben musste, erklärte Laos am 12. Oktober 1945 seine Unabhängigkeit. Auch Frankreich verlor in den Folgejahren seinen Einfluss auf das Land und gab am 21. Juli 1954 in der Indochinakonferenz alle Ansprüche auf. Laos erlangte dadurch seine vollständige Souveränität.

Obwohl Laos im Vietnamkrieg offiziell neutral war, errichtete hier die USA in den 1960er und 1970er Jahren eine geheime Guerilla-Armee, um einen bis heute eher unbekannten Krieg gegen die kommunistische Widerstandsbewegung Pathet Lao zu führen. Die Operation endete in einem Desaster und brachte dem Land den traurigen Rekord ein, eines der am schwersten bombardierten Länder zu sein.

Nach Ende des Vietnamkrieges wurde Laos am 2. Dezember 1975 durch die kommunistisch geprägten Kräfte des Pathet Lao als Demokratische Volksrepublik Laos ausgerufen. Die Laotische Revolutionäre Volkspartei kam an die Macht, welche bis heute die Regierung stellt. Lange Jahre war das Land aufgrund politischen wie wirtschaftlichen Repressionen instabil. Ab Mitte der 1980er Jahre begann Laos, den Übergang von einer Plan- zur Marktwirtschaft zu realisieren und seine Beziehungen mit dem Ausland zu stärken. In der Sonderzone von Saysomboun nordöstlich von Vientiane gibt es heute immer noch Konflikte zwischen der kommunistischen Regierung und bewaffneten Widerstandsgruppen.

Laos: Das „unfreie“ politische System

Die Staats- und Regierungsform von Laos weist seit der Machtergreifung der marxistisch-leninistischen Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP) eine Volksrepublik mit einem Einparteiensystem aus. Damit gilt das Land weltweit als einer der fünf Staaten unter der Führung einer kommunistischen Einheitspartei, welche die Auflösung realsozialistischer Diktaturen überdauert hat. Die staatlichen Amtsträger sind auch Funktionäre der Partei, was dem der LRVP uneingeschränkt Macht verleiht.

Das Staatsoberhaupt ist daher in der Regel auch Parteivorsitzender. Der Präsident ernennt seine Minister, muss seine Personalentscheidungen aber auch vom Parlament (Einkammernparlament mit 132 Sitzen) bestätigen lassen. Die Nationalversammlung von Laos ist nicht nur höchstes Organ, sondern auch die gesetzgebende Körperschaft. Die Exekutive liegt beim Staatspräsidenten und dem Ministerrat. Die Staats- und Parteistrukturen sind stark von Korruption durchdrungen. Dies liegt unter anderem daran, dass es keine Strafverfolgung korrupter hochrangiger Partei- und Staatsfunktionäre gibt.

Laos: Fakten im Überblick

Laos: Sprachen und Bevölkerung

Die größte Bevölkerungsdichte der rund sieben Millionen Einwohner von Laos lässt sich vorwiegend an den Ebenen es Mekong sowie in der Region um die Hauptstadt Vientiane ausfindig machen und ist somit ungleichmäßig über das Land verteilt. 2015 lebte weit über ein Drittel der Bevölkerung in den Städten. Der wirtschaftliche Aufschwung des Landes sorgte zudem für einen Anstieg der Urbanisierung.

Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung gilt bis heute als umstritten. Die französische Kolonialmacht hatte aufgrund phänotypischer Merkmale die Einwohner in „Lao“, „Kha“ und „Thai“ unterteilt. Mit der Machtübernahme der Kommunisten von 1975 wurde diese Klassifizierung staatlicherseits vor dem Hintergrund der vietnamesischen Nationalitätenpolitik modifiziert. Bei einer Volkszählung im Jahr 2000 wurden zuletzt 49 ethnische Gruppen unterschieden.

Amtssprache ist Laotisch. Daneben gelten noch Thai und Vietnamesisch als gängige Fremdsprachen. Dennoch werden in den abgeschiedenen Regionen noch weitere Tai-Sprachen gesprochen sowie Lolo-birmanische Sprachen, Miao-Yao-Sprachen und Mon-Khmer-Sprachen. Bislang geht man von etwa 70 bis 120 weiteren Sprachen aus, weswegen Laos gemessen an seiner Einwohnerzahl als Land mit einer außerordentlichen linguistischen Vielfalt gilt.

Laos: Geografie und Städte

Laos grenzt an die Länder China, Vietnam, Kambodscha, Thailand und Myanmar. Der schmale Südteil des Landes liegt auf der Indochinesischen Halbinsel, während der Nordteil sich auf dem eigentlichen südostasiatischen Festland befindet. Etwa 50 Prozent des Landes ist bewaldet und weist aufgrund des tropischen Klimas sowie der hohen Luftfeuchtigkeit sowohl tropische Regenwälder als auch Monsunwälder auf – davon werden rund 8 Prozent sogar als Urwald eingestuft.

Der bedeutendste Fluss des Landes ist der Mekong, der in Tibet entspringt. Er bildet auf einer Länge von 1.000 Kilometern auch die natürliche Grenze zu Thailand und auch Myanmar. Laos gliedert sich in 17 Provinzen (zuzüglich einer Präfektur). Diese sind wiederum in 140 Distrikte mit über 11.000 Dörfern unterteilt.

Die größten Städte von Laos im Überblick

Laos: Wissenswertes zum Land

Im Gegensatz zu Thailand, Kambodscha und Vietnam ist in Laos der Tourismus immer noch sehr verhalten. Die Gründe liegen unter anderem an den sich häufig ändernden Sperrstunden, die schlechten Gesundheitsbedingungen und der schlecht ausgebauten Infrastruktur im Land – eine Ausnahme bildet die Stadt Luang Prabang. Für Pauschaltouristen ist das Land daher eher unattraktiv. Dennoch wird der Tourismus als einer der aufstrebenden Wirtschaftszweige gesehen. Laos setzt eher auf sanften Öko- und Kulturtourismus. Daher wird der südostasiatische Staat gerade bei Rucksackreisenden zunehmend populär.

Laos ist zudem mit gleich drei Stätten auf der UNESCO-Welterbliste vertreten. Dazu zählt die Stadt Laung Prabang, der Tempelbezirk von Wat Phu mit der Kulturlandschaft Champasak und die Meghalithischen Krüge in Xieng Khouang (auch bekannt als „Ebene der Steinkrüge“).

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