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Die Delta-4-Rakete auf dem Weg ins All.

Lauschangriff: USA schicken größten Satelliten ins All

Washington - Um “NROL-32“ in den Weltraum zu schaffen, muss  die stärkste Rakete ran - so groß ist der jüngste US-Spionagesatellit. Die USA frischen ihre veraltete Technik für Lauschangriffe aus dem All auf.

Die USA verstärken mit einer gigantischen Abhörwanze im All die Schlagkraft ihrer Geheimdienste: An Bord einer Delta-4-Rakete hob am Sonntagabend (Ortszeit) der US- Spionagesatellit “NROL-32“ ab - nach Abgaben des verantwortlichen National Reconnaissance Office (Nationales Amt für Aufklärung/NRO) der größte Satellit der Welt. Sein Auftrag ist streng geheim, doch dürfte es sich um massive Abhörmissionen auf einer geostationären Umlaufbahn in rund 36 000 Kilometern Höhe handeln.

“Der Satellit besteht wahrscheinlich aus empfindlichen Funkempfängern und einer Antenne, deren Durchmesser auf bis zu 100 Meter geschätzt wird“, sagte Raumfahrt-Experte Ted Molczan dem Online-Fachmagazin “space.com“. Mitte September hatte NRO-Direktor Bruce Carlson in einer Rede erklärt, die Delta-4-Heavy-Rakete werde “mit dem größten Satelliten der Welt“ starten. Die 72 Meter hohe Rakete ist der größte und stärkste Typ für unbemannte Weltraum-Missionen, der derzeit in den USA zur Verfügung steht. Zum Vergleich: Als der bislang größte kommerzielle Satellit gilt “TerreStar1“, der im Sommer 2009 mit einer Ariane-Rakete gestartet wurde. Er wiegt 7 Tonnen und verfügt über eine 18-Meter-Antenne.

Selber beschreibt das NRO - zuständig für Bau und Betrieb der US-Spionagesatelliten und zugleich eine der größten der über ein Dutzend Geheimdienstbehörden - seinen Auftrag so: “Stets wachsam, liefern die Augen und Ohren des NRO Amerikas Politikern, Geheimdienstanalytikern und Heimatschutz-Spezialisten die entscheidenden Informationen, damit Amerika sicher und frei bleibt.“

Die Behörde ist in jüngster Zeit ungewöhnlich rege: Den Angaben zufolge ist es schon das zweite Mal in zwei Monaten, dass das NRO, einen Trabanten in den Orbit schießt. Am 20. September schickte sie bereits ihren Aufklärungssatelliten “NROL-41“ auf die Reise. Mit Blick auf die Aktivität bei den Satelliten-Missionen seiner Behörde sprach Carlson von der “entschlossensten Reihe von Starts, die das National Reconnaissance Office in 20 Jahren erlebt hat“.

In der Tat: Bis Ende März schießt die Geheimdienstbehörde laut “space.com“ noch mindestens drei weitere ihrer High-Tech-Wanzen ins All, entweder von Cape Canaveral oder vom kalifornischen Luftwaffenstützpunkt Vandenberg. Von dort startete im September auch “NROL-41“, der Radaraufnahmen besorgen soll.

Carlson nennt die Serie von Starts “sehr wichtig“, weil dadurch “rapide alternde“ Trabanten ersetzt werden. “Wir haben die meisten unserer Satelliten für eine Lebensdauer von drei, fünf oder acht Jahren gekauft, und wir habe sie zehn, zwölf oder sogar bis zu zwanzig Jahre im All“, erläutert er. Vieles an Technik sei noch für die Zeit des Kalten Krieges ausgelegt, aber man sammelt damit weiterhin täglich taktische Geheimdienstinformationen. “Und wir machen das mit Ausrüstung, die 15, 18 oder 20 Jahre alt ist.“ Mit dem Austausch der altersschwachen Technik im All dürfte für US-Geheimdienste und Pentagon nun eine neue Abhör-Ära beginnen.

dpa

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