„Impf-Strategie kann in sich zusammenfallen“

Astrazeneca-Stopp in Deutschland: Lauterbach fürchtet schwere Auswirkungen: „Hätte ich nicht gemacht“

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Karl Lauterbach kann die Aussetzung der Corona-Impfungen mit AstraZeneca in Deutschland nicht verstehen. Der Regierungs-Berater urteilt harsch.

München/Berlin - Es ist die nächste schlechte Nachricht in der Coronavirus-Pandemie: Deutschland setzt vorerst die Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca aus. Fälle von „Thrombosen“ hätten sich europaweit zuletzt gehäuft, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montagnachmittag (15. März) und bekräftigte: „Wir setzen aus.“

Entscheidend sei, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) in den kommenden Tagen zu ihrer Entscheidung komme. Er warb dafür, „fachlichen Empfehlungen zu folgen“.

Coronavirus-Pandemie: Deutschland setzt Corona-Impfungen mit AstraZeneca aus

Eine fachliche Empfehlung gab sogleich SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ab, Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Coronavirus-Krise. „Das hätte ich nicht gemacht. Eine Prüfung bei laufenden Impfungen wäre angesichts der Seltenheit der auftretenden Fälle besser gewesen“, erklärte Karl Lauterbach auf Nachfrage von Merkur.de: „Ich hätte es angesichts dessen, dass die Fälle bei Geimpften wie bei nicht-Geimpften gleich hoch sind, weiterlaufen lassen. Jetzt haben wir einen erheblichen Vertrauensverlust.“

Mehr noch: Lauterbach übte scharfe Kritik an Impfstoff-Management von Bundesregierung und Europäischer Union (EU). „Unsere Impf-Strategie fällt in sich zusammen, wenn der Impfstoff nicht wiederverwendet werden würde. Ich schätze aber, wir setzen nur für kurze Zeit aus, was aber bedeuten würde, dass der Impfstoff in den Praxen nicht verimpfbar wäre“, sagte der Bundestagsabgeordnete aus Köln.

Als erstes Bundesland reagierte am Montag Rheinland-Pfalz - und sagte unverzüglich 12.000 bereits vergebene Impftermine mit AstraZeneca ab. Diese sollen verschoben werden. Aber bis zum 21. März wird rund um Mainz vorerst nicht mehr mit AstraZeneca gegen Corona geimpft. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) meinte dagegen in der ARD zu den Diskussionen: „Ich kenn so viele Leute, die sich mit AstraZeneca impfen lassen würden. Auch ich würde mich sofort hinstellen.“

Pause mit Astrazeneca-Impfungen in Deutschland: Karl Lauterbach fürchtet mehr Corona-Tote

Lauterbach fordert jetzt: „Die Impfreihenfolge muss nun umso strenger eingehalten werden, um Sterbefälle zu verhindern. Es zeigt sich nun immer stärker, dass es ein Fehler vonseiten der EU war, nicht mehr Kapazitäten für Moderna, Johnson & Johnson und Biontech zur Verfügung zu stellen.“ Damit nicht genug.

Bei Twitter schrieb Lauterbach zudem von „einem Fehler“, Impfungen mit AstraZeneca auszusetzen - und warnte eindringlich: „In der jetzt Fahrt aufnehmenden dritten Welle wären Erstimpfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff Lebensretter.“ (pm)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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