SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach steht im Juni 2021 mit Mund-Nasen-Schutz in der Westlobby des Bundestags in Berlin.
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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach

Zwischenanalyse zum Corona-Impfstoff

Karl Lauterbach erklärt ernstes Problem am Curevac-Ausfall – „Es ist eine Tragödie“

  • Franziska Schwarz
    VonFranziska Schwarz
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In der ARD erläutert der SPD-Gesundheitsexperte außerdem, warum Deutschland und Großbritannien in Bezug auf die Delta-Mutation schwer vergleichbar sind.

Berlin - Der Curevac-Ausfall bringt die deutsche Impfkampagne nicht zu Fall, glaubt Karl Lauterbach. Doch für ärmere Länder sei er eine „Tragödie“. Das sagte der SPD-Gesundheitsexperte im Gespräch mit der ARD. „Dieser Impfstoff hatte das noble Anliegen, ein preiswerter, sehr wirksamer Impfstoff zu sein, den man ohne große Kühlbedingungen überall einsetzen könnte“, erläuterte er Journalistin Carmen Miosga in den „Tagesthemen“ vom Donnerstag.

Das Serum wäre damit gerade für ärmere Länder prädestiniert gewesen. „Das ist in der Tat eine Tragödie“, bewertete Lauterbach die negativen Nachrichten in Bezug auf den Curevac-Impfstoff.

Delta-Mutation in Deutschland und Großbritannien — Lauterbach zieht Vergleich

Aber was ist dann in Großbritannien los, wo schon viele Menschen eine Corona-Impfung haben, aber zuletzt mehr als 10.000 Neuinfektionen an einem Tag gemeldet wurden, hakte Miosga nach. Das Problem betreffe fast ausschließlich Nicht-Geimpfte, oder jene, die nur einmal geimpft sind, antwortete Lauterbach.

Auf Deutschland bezogen sagte er: „Die Geimpften werden mit der Delta-Variante keine Probleme haben. Sie kommt nicht gegen die Impfstoffe an, die wir hier eingesetzt haben.“

„Wenn die Delta-Variante jetzt schneller nach Deutschland käme, dann hätten wir ein Riesenproblem“, fuhr er fort. „Denn wir haben ja weniger Impffortschritt als die Briten. Zu uns kommt Delta zu einem Zeitpunkt, wo schon ein größerer Teil der Menschen doppelt geimpft ist.“ Die Delta genannte Mutation des Erregers gilt als besonders ansteckend. Sie macht in Deutschland aktuell schätzungsweise sechs Prozent bei den Proben aus.

Lauterbach zur deutschen Impfkampagne: „Werden Herdenimmunität erreichen“

Das Impfversprechen der Regierung, bis Ende des Sommers allen Erwachsenen ein Impfangebot zu machen, werde nun aber nicht gefährdet. „Wir werden die Herdenimmunität Mitte September erreichen“, sagte der SPD-Politiker und verwies auf die stabilen Lieferungen anderer Hersteller und die niedrigen R-Werte für das Virus im Sommer. Spätestens Ende September dürften alle Erwachsenen, die dies wollen, vollständig geimpft sein. Das seien schätzungsweise 80 Prozent. Die Kinder fehlten allerdings.

Der Corona-Impfstoff von Curevac hatte einer Zwischenanalyse zufolge nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine Corona-Erkrankung „jeglichen Schweregrades“ erzielt und damit nicht die vorgegebenen statistischen Erfolgskriterien erreicht, wie das Unternehmen mitteilte. (frs mit Material der dpa)

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