Steigerung des Impfanreiz

Lauterbach äußert Befürchtung für den Herbst und stellt Zeitpunkt für Corona-Ende in Aussicht

Die Corona-Inzidenzen steigen, während die Impfkampagne stockt. Trotzdem macht SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach Hoffnung auf ein Corona-Ende.

Köln – Überall stehen sie seit diesem Montag (13. September): die Impfstationen. Das Ziel: Möglichst viele Menschen zum Impfen zu bewegen. Denn die Impfquote stockt, während die vierte Welle langsam Fahrt aufnimmt. Beunruhigende Entwicklungen, denen seit Montag mit einer einwöchigen Sonderimpfaktion unter dem Motto #HierWirdGeimpft entgegengesteuert werden soll.

Bisher sind lediglich 62 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft, Experten zufolge sind jedoch mindestens 75 Prozent nötig, um die vierte Welle noch zu brechen. Zuletzt stieg die Impfquote allerdings nur stockend. Die Impfaktion soll jetzt Abhilfe schaffen. Dabei soll Menschen die Möglichkeit gegeben werden, sich an alltäglich besuchten Orten gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Corona-Virus: Aktionswoche soll Impf-Anreize schaffen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärt in einem Interview mit WDR 5: „Es gibt immer noch diejenigen, die eigentlich gar nichts gegen das Impfen haben, die vielleicht sogar schon mal einen Termin hatten, den haben sie verpasst und sie haben sich einfach keinen neuen gemacht.“ Im Supermarkt, auf dem Baumarkt, im Zoo oder auch auf dem Herbstfest des Heimatvereins würden die Menschen dann die Möglichkeit wahrnehmen.

Wie Spahn vergangene Woche erwähnt hatte, strebe die Regierung bei den Über-60-Jährigen eine Quote von über 90 Prozent an, bei den 12- bis 59-Jährigen von 75 Prozent. Nötig seien dafür noch rund fünf Millionen Impfungen.

Experten betonten derweil die Notwendigkeit, Ungeimpfte mit guter Aufklärung zu erreichen. In einem Pressebriefing erklärte Cornelia Betsch, Expertin für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt, dass Informationen, die bei Zögernden und Unentschlossenen Vertrauen für eine Impfung schaffen könnten, auch für Menschen, deren erste Sprache nicht deutsch sei, gut verständlich sein müssten. Vor allem mit Blick auf die Impfung Minderjähriger seien gute Informationsangebote entscheidend, aber auch mit der Stiko-Impfempfehlung für Schwangere, Frauen mit Kinderwunsch und Stillende ergebe sich die Chance, diese wichtige Gruppe anzusprechen.

Impfungen gegen das Corona-Virus: Karl Lauterbach (SPD) sieht ein Ende der Pandemie

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht in der Steigerung der Impfquote die einzige Lösung im Kampf gegen die Pandemie. „Der Herbst wird noch einmal schwierig werden“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Köln. „Wir werden noch einmal steigende Fallzahlen haben. Im Winter könnte es dann aber besser werden, wenn die Zahl der Ungeimpften abgenommen hat.“ Neben der derzeit laufenden Sonderimpfaktion sieht er die Notwendigkeit in der Durchsetzung der 2G-Regel, wonach in Innenräumen nur Geimpfte und Genesene zugelassen wären. Seiner Einschätzung nach, könnte es nach der Bundestagswahl zunehmend zu einer solchen Regelung kommen: „Das wird viele dazu bewegen, sich impfen zu lassen.“ Er prognostiziert, dass die Pandemie bei erfolgreich steigender Impfquote im Frühjahr weitestgehend überstanden sein könnte, „wenn es keine neuen Mutationen gibt“.

Auch auf Twitter setzt sich der Epidemiologe für die 2G-Regelung ein. Mit Referenz zu dem Tweet eines britischen Kollegen der London School of Hygiene & Tropical Medicine ergänzt er: „Die Zahl der Kontakte dürfte auch in Deutschland noch wesentlich unter dem Niveau vor Covid liegen. Wenn wir zurück zur Normalität wollen, müssen wir noch mindestens 20 Prozent der Bevölkerung impfen. Ohne 2G Regeln wird das schwer werden.“ Stand Dienstag sind 62,0 Prozent der Gesamtbevölkerung voll geimpft, 66,4 Prozent haben mindestens eine Impfdosis – die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 81,1.

Corona-Pandemie: 2G-Regel als Weg durch die Krise?

Doch was bringt die 2G-Regel wirklich? Immerhin haben die letzten Wochen gezeigt, dass sich auch Geimpfte deutlich öfter mit Corona anstecken als vorerst angenommen. Unter den Experten scheiden sich die Gemüter. Und während Bundesländer wie Baden-Württemberg 2-G-Regelungen bei steigender Belegung der Krankenhausbetten verbindlich einführen wollen, denken Experten anderswo über andere Konzepte, wie das zusätzliche Vorlegen von negativen Tests durch Geimpfte und Genese, nach. (dpa/klb)

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