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Lauterbach warnt vor „Monster-Welle“ - Lockdown „nur durch zwei Maßnahmen zu verhindern“

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Von: Markus Hofstetter

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Experten streiten sich darüber, mit welchen Maßnahmen die vierte Corona-Welle gebrochen werden kann. Einen Lockdown sehen jedoch alle als nicht sinnvoll an.

Berlin - Deutschland steckt mitten in der vierten Corona-Welle. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf einen neuen Höchstwert, die Intensivstationen füllen sich mit Covid19-Patienten.

In Politik und Wissenschaft wird darüber diskutiert, wie man dieser dramatischen Situation begegnen kann: 2G, 1G oder Lockdown für Ungeimpfte? Wie üblich sind sich die Experten uneins. Einig sind sie sich jedoch, dass die von Jens Spahn und der Konferenz der Gesundheitsminister (5. November) vorgeschlagenen Maßnahmen nicht ausreichen.

Lauterbach warnt vor „Monster-Welle“ - Lockdown nur durch zwei Maßnahmen zu verhindern

So setzt Karl Lauterbach vor allem auf 2G, also dass nur Geimpfte und von Corona Genesene an weiten Teilen des öffentlichen Lebens teilhaben dürfen. „Es wird davon abgelenkt, wie sinnvoll 2G ist, indem man plötzlich von 1G spricht“, sagte der SPD-Gesundheitsexperte in einem Interview mit dem Fernsehsender RTL. Es sei wahr, dass sich Geimpfte auch mit Corona infizieren und andere damit anstecken könnten, doch das Risiko dafür sei sehr unwahrscheinlich.

Karl Lauterbach bei einer Fraktionssitzungen im Bundestag
Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht eine Corona-Monster-Welle auf Deutschland zukommen © Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Doch auch er sieht immer mehr „Fälle mit schwerem Verlauf, leider auch nach der Impfung“. Und weiter mahnt er am Montag: „Wir stehen vor Monster Welle wenn nicht schnell bundesweit die 2G-Regel kommt, mit Kontrollen. Parteipolitik oder Ausspielen Geimpfter gegen Ungeimpfte hilft nicht. 2G ist nicht gegen Ungeimpfte, sondern für alle“, so der SPD-Mann.

Über einen Lockdown sagte Lauterbach schon zuvor bei RTL, dass dieser nur durch zwei Maßnahmen verhindert werden kann: die konsequente Umsetzung von 2G in allen Bereichen, die nicht wie Lebensmittelgeschäfte oder Drogerien zum täglichen Bedarf gehören, und die Kontrolle dieser Maßnahme. „Die beste Regelung nutzt nichts, wenn es keine Kontrollen gibt“, so Lauterbach.

Zudem rät Lauterbach von größeren Weihnachts- und Karnevalsfeiern ab. Die wahrscheinlich letzte große Welle der Pandemie könne noch sehr viele Menschenleben kosten. „Daher ist es wichtig, dass die Menschen vorsichtiger werden“, sagte er der Rheinischen Post. „Dazu gehört, möglichst auf betriebliche Weihnachtsfeiern in Innenräumen zu verzichten, an Weihnachten in kleineren Gruppen zu feiern und nicht zum Karneval zu gehen.“

Maßnahmen gegen die vierte Corona-Welle: Virologe sieht nur 1G als sinnvoll an

Widerspruch kommt von zwei Virologen. Jonas Schmidt-Chanasit von der Universität Hamburg warnte am Samstag im Deutschlandfunk davor, die Wirkung der 2G-Regel zu überschätzen. 2G gebe nur eine „Scheinsicherheit“, da auch Geimpfte sich infizieren und das Virus übertragen könnten, auch wenn die Wahrscheinlichkeit geringer sei.

Coronavirus Schnelltest
Virologen fordern, dass auch Geimpfte und Genesene Corona-Tests machen sollen © Julian Stratenschulte/dpa/picture alliance

Doch im Gegensatz zu Lauterbach zieht Schmidt-Chanasit daraus eine andere Konsequenz. Für eine wirkliche Sicherheit hilft seiner Ansicht nach nur 1G weiter, also alle zu testen, egal ob geimpft, ungeimpft oder genesen. Das sollte vor allem für problematische Bereiche gelten, wo vulnerable Menschen gefährdet seien.

Maßnahmen gegen die vierte Corona-Welle: Streeck sieht die Gefahr von unkontrollierten Ausbrüchen

Auch Hendrik Streeck sieht die 2G-Regel skeptisch, allerdings aus einem anderen Grund. „Die Geimpften haben das Gefühl, sie sind nicht mehr Teil der Pandemie und verhalten sich auch entsprechend risikoreich“, sagte Streeck am Samstag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Das zweite Problem sei, dass die Ungeimpften ausgeschlossen würden und sich noch weniger testen ließen. Das könne zu unkontrollierten Ausbrüchen führen, wenn sie zum Beispiel private Feiern zu Hause organsierten. Streeck forderte daher die rasche Wiedereinführung kostenloser Corona-Tests.

Maßnahmen gegen die vierte Corona-Welle: Amtsärzte für deutliche Ausweitung der Tests für Geimpfte

Unterstützung für die beiden Virologen kommt von den Amtsärzten. Sie dringen auf eine deutliche Ausweitung der Schnelltests bei Geimpften. „Je höher die Inzidenzen jetzt werden, desto notwendiger ist es, dass grundsätzlich neben den Ungeimpften auch Geimpfte getestet werden“, sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, den Funke-Zeitungen (Samstag). Ein Test sei keine Bestrafung für Geimpfte, sondern ein zusätzliches Mittel, um neue Infektionen zu verhindern.

Sie verwies darauf, dass Impfen und Testen völlig unterschiedliche Dinge seien. „Wer geimpft ist, kann das Virus trotzdem in sich tragen und es weitergeben, auch wenn er selbst nicht erkrankt.“

Vierte Corona-Welle in Deutschland: Sachsen führt 2G ein

In Deutschland setzt seit Montag (8. November) als erstes Bundesland Sachsen die 2G-Regel in Teilen des öffentlichen Lebens flächendeckend und verpflichtend um. Damit haben nur noch Genesene und Geimpfte Zutritt etwa zur Innengastronomie, Diskotheken oder Freizeit- und Kultureinrichtungen. Auch Großveranstaltungen wie Fußball im Stadion sind betroffen, der Einzelhandel oder Gottesdienste nicht.

In Bayern ist am Nachmittag des gleichen Tages die Klinik-Ampel auf Rot gesprungen. Damit treten verschärfte Regeln in Kraft, zum Beispiel ist nun an vielen Arbeitsplätzen die 3G-Regel verpflichtend.

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