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Wirbel um Layla-Bann: Malle-Star sieht „bodenlose Frechheit“ – Expertin weist „Cancel Culture“-Wut zurück

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Partylied "Layla" debatte mallorca stars
Zahlreiche Gäste feiern in der Partylocation Megapark an der Playa de Palma. Nun äußern sich Mallorca-Stars zur Debatte über das Lied Layla (Archivbild, 2016). © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Kalaene

Auf das Verbot des Schlagersongs „Layla“ auf zwei Veranstaltungen folgt eine deutschlandweite Debatte. Nun melden sich auch Ballermann-Stars und die „Layla“-Sänger selbst zu Wort.

Palma de Mallorca - Die Aufregung um das Verbot des Ballermann-Hits Layla von DJ Robin & Schürze auf dem Volksfest in Würzburg und einer Kirmes in Düsseldorf ist groß. Es geht wohlgemerkt nicht um eine deutschlandweite Indexierung, sondern um ein lokales Verbot der Veranstalter, denen der Liedtext zu sexistisch ist. Nun melden sich Ballermann-Stars zu Wort - und zeigen wenig Verständnis für die Entscheidung.

DJ Robin über das „Layla“-Verbot in Würzburg: „In jedem Deutsch-Rap-Lied sind die Texte schlimmer!“

Der Schlagersong „Layla“ war schon vor dem Verbot in Würzburg und Düsseldorf auf Platz eins der deutschen Charts gestanden, doch die aktuelle Debatte dürfte den Musikern DJ Robin & Schürze zu noch mehr Bekanntheit verhelfen. „Alles, was verboten wird, wird ja irgendwann interessant. So war es auch bei den ,Zehn nackten Frisösen‘ im Jahr 1999“, erinnert Ballermann-Star Mickie Krause und merkt an: „Die Friseur-Innung Hamburg wollte den Titel verbieten lassen und ich stand groß in der Bild-Zeitung. Genau aufgrund dieser Titelzeile bin ich um 20 Plätze in den Charts gestiegen“, sagte Krause der Bild.

Trotz der „gratis Werbung“ ärgert die Argumentation seiner Kritiker DJ Robin. Wenn schon „Layla“ zu sexistisch sei, „müsste in Zukunft die Hälfte der Lieder gestrichen werden“ sagte der Musiker der Bild. „In jedem Deutsch-Rap-Lied sind die Texte schlimmer. Da regt sich kein Mensch auf.“

Die Musikwissenschaftlerin Marina Forell findet, dieses Argument greift zu kurz: Ein Unterschied sei, wie die Musik genutzt werde. Rapmusik mit extrem krassen Texten habe nicht so viel Airplay. Es sei ein Unterschied, ob man Musik mit Freunden oder einer kleinen Gruppe höre. Oder ob man damit Tausende Menschen auf einem Volksfest beschalle. Wo dann auch Frauen seien, die sich vielleicht in einer aufgeheizten, alkoholisierten Atmosphäre und bei einem solchen Song, den Männer mitgrölten, unwohl fühlten. Die Entscheidungen in Würzburg und Düsseldorf halte sie für richtig, sagte Forell der dpa.

„Layla“-Verbot: Musikwissenschaftler zeigen Verständnis – „50 Prozent der Menschheit mit Respekt behandelt“

Der Schlager-Star Tobee wiederum hält das Verbot von „Layla“ für „eine bodenlose Frechheit“. Die Frage sei, ob das überhaupt rechtlich haltbar sei, nur weil einem das Lied nicht passe, erklärte der Sänger der Bild. „33 Millionen Mal wurde das Lied bei Spotify geklickt. Wahnsinn! Das ist das, was Deutschland hört, und wenn dann jemand vom Rathaus eingreift, muss man sich fragen, ob es ein Eingriff in das freie Entfaltungsrecht der künstlerischen Tätigkeiten ist.“

Die Musikwissenschaftlerin Forell wundert sich hingegen, dass in der aktuellen Debatte manchmal mit der Kunstfreiheit argumentiert wird. „Meiner Meinung nach ist es nicht Cancel Culture, wenn man versucht, 50 Prozent der Menschheit mit Respekt zu behandeln und nicht wie ein Stück Fleisch“, sagte sie. Der Song sei nicht allgemein verboten und werde auch nicht verboten werden. Privat und auf Mallorca könne ihn jeder anhören. Das Lied werde nur in einigen Kontexten nicht mehr gespielt.

Der Song ist nicht allgemein verboten und wird auch nicht verboten. Privat und auf Mallorca kann ihn jeder anhören. Das Lied wird nur in einigen Kontexten nicht mehr gespielt.

Marina Forell, Musikwissenschaftlerin

Funk, das Content-Netzwerk von ARD und ZDF, teilte auf Instagram diese Gegenüberstellung der Schlagersongs „Layla“ aus dem Jahr 2022 und „Joana“ aus dem Jahr 2007:

Die Stimmen unter dem Beitrag könnten unterschiedlicher nicht ausfallen. Manche mögen zwar das Lied nicht, sprechen sich aber klar gegen ein Verbot aus. Andere halten die Reaktion der Veranstalter in Würzburg und Düsseldorf für gerechtfertigt. Wieder andere fragen sich, weshalb Deutschland überhaupt über dieses Thema diskutiert. „Als hätten wir nicht andere Probleme“, schreibt ein User etwa.

Eine Kommentatorin sieht in der Gegenüberstellung der beiden Lieder aus den Jahren 2007 und 2022 allerdings auch etwas Positives: „Diese Gegenüberstellung zeigt doch, dass sich endlich etwas getan hat in der Gesellschaft“, schreibt sie. „Long way to go, aber gute Schritte in eine schöne Richtung.“

„Layla“-Verbot bei zwei Festen: „Absoluter Wahnsinn, aber jeder Veranstalter kann sich seine Lieder ja selber aussuchen“

Ein Song möge rechtlich einwandfrei sein, aber „ich finde schon, dass der Träger einer Veranstaltung wie die Stadt Würzburg auch das Recht oder vielleicht schon die Pflicht hat zu sagen: Wir wollen das nicht“, erklärte der Musikexperte Michael Fischer von der Universität Freiburg der dpa zur „Layla“-Debatte. „Das ist eine ethische Frage“. Man könne entscheiden, dass man nicht wolle, „dass so über Frauen gesprochen wird.“

Der „Layla“-Sänger DJ Robin räumt ein, dass die Veranstalter durchaus das Recht hätten zu entscheiden, was sie spielen wollen. „Diese Entscheidung ist absoluter Wahnsinn, aber jeder Veranstalter kann seine Lieder ja selber aussuchen“, findet der Musiker. Er ergänzt aber: „Nur dann müsste in Zukunft die Hälfte der Lieder gestrichen werden, wenn ‚Layla‘ schon sexistisch sein soll. Und wenn sich dann noch der Justizminister einschaltet und kein Problem sieht, können wir doch einfach weiterfeiern!“

Man muss Schlagertexte nicht mögen. Man kann sie sogar doof oder geschmacklos finden. Sie aber behördlich zu verbieten, finde ich, ist eins zu viel.

Marco Buschmann, Bundesjustizminister (FDP)

(dpa/bme).

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