Ein Leben hinter Gittern: Gnade nach 35 Jahren Haft?

Madrid - Miguel Montes ist kein Mörder und kein Terrorist. Dennoch befindet er sich seit 35 Jahren in Haft. Die Regierung will nun entscheiden, ob Spaniens Gefangener mit der längsten Haftdauer begnadigt wird.

Miguel Montes hat mehr als die Hälfte seines Lebens hinter Gittern verbracht. Der 61-Jährige ist in Spanien bekannt als der Gefangene mit der längsten Haftdauer. Er verbrachte - von kurzen Unterbrechungen abgesehen - fast 35 Jahre im Gefängnis oder auf der Flucht vor der Polizei. Dabei hat der Mann mit dem hageren Gesicht, den weißen Haaren und dem Schnurrbart keine Bomben gelegt und niemanden umgebracht. Er sitzt im Gefängnis wegen Raubüberfällen und Diebstählen, die er als Freigänger oder als flüchtiger Strafgefangener verübt hat.

Politiker aller Parteien - von den Konservativen bis hin zu den Kommunisten - haben sich dafür eingesetzt, dass der gesundheitlich angeschlagene Andalusier begnadigt wird. An diesem Freitag will die Regierung von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero auf ihrer letzten Kabinettssitzung über ein Gnadengesuch entscheiden. In der kommenden Woche will der künftige Regierungschef Mariano Rajoy, der die Wahlen am 20. November gewann, sein Amt antreten.

Nach Informationen des staatlichen Rundfunks RNE will die Zapatero-Regierung den Gefangenen in einer ihrer letzten Amtshandlungen begnadigen. “Normalerweise würde ich im Jahr 2021 freigelassen, aber so lange werde ich nicht mehr leben“, sagte Montes der Zeitung “El País“. Er leidet an einer chronischen Hepatitis, drei Hungerstreiks haben seine Gesundheit zusätzlich geschwächt. “Ich kann nicht verstehen, dass in einem Land, das keine lebenslangen Haftstrafen kennt, jemand so lange im Gefängnis sitzen muss, der keine Bluttat verübt hat“, sagt seine Schwester Encarnación.

Zum ersten Mal kam Montes, ein ausgebildeter Klempner, 1976 in Haft. Er war damals beim Militär fälschlicherweise beschuldigt worden, ein Gewehr gestohlen zu haben. Als der Irrtum sich herausstellte, schlug der Soldat aus Wut einen Vorgesetzten nieder und wurde später wegen “Fahnenflucht“ verurteilt. Seither verlief sein Leben nach dem Zyklus: Montes floh aus der Haft, stahl und raubte, wurde gefasst und zu neuen Haftstrafen verurteilt.

Er entkam fünfmal aus dem Gefängnis. Die letzt Flucht liegt zwei Jahre zurück. Montes durfte damals an der Beerdigung seiner Mutter teilnehmen und nutzte eine Unaufmerksamkeit der Wachbeamten aus. In den 90er Jahren lernte er nach einer Flucht aus der Haft eine Frau kennen und bekam mit ihr zwei Töchter, die heute 13 und 16 Jahre alt sind.

Montes ist überzeugt davon, in Freiheit sich seinen Lebensunterhalt als Bildhauer verdienen zu können. In der Haft hat er mehrere Büsten des Flamenco-Sängers Camarón de la Isla (1950-1992) geschaffen und verkauft.

dpa

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