So leben die superreichen Deutschen

Berlin - Wer richtig viel Asche auf dem Konto hat, lebt wie ein König und schmeißt mit Geld um sich: Dieses Klischee mag für einen Teil der Superreichen dieser Welt stimmen.

Klirrende Champagnergläser, funkelnder Schmuck an gebräunten Handgelenken und ein sonniges Leben auf Luxus-Jachten - viele kennen dieses Klischee vom exklusiven Club der Superreichen. Doch deutsche Milliardäre sind meist gar nicht so protzig und leben in der Regel auch nicht so völlig abgeschottet wie andere. “Im Vergleich zu anderen Ländern leben deutsche Milliardäre relativ bescheiden“, sagt Reichen-Experte und Journalist Christian Rickens.

“Natürlich hat man eine schöne Villa, ein Auto von Mercedes oder Porsche, aber da hört der Luxus meist schon auf“, erklärt Rickens. Große Luxus-Jachten oder ein Rolls-Royce seien unüblich und eher etwa bei Milliardären aus Schwellenländern wie Russland oder aus dem Nahen Osten verbreitet, wo auffällige Statussymbole eine größere Rolle spielten.

Die reichsten Deutschen

Das sind die reichsten Deutschen

Warum die meisten Superreichen auf das Prahlen verzichten, erklärte Vermögensforscher Thomas Druyen mal in einem “Stern“-Interview: “Diese Superreichen - im Gegensatz zu den Neureichen, die oft ohne Kultur sind -, brauchen zur Steigerung ihres Selbstwertgefühls keine Protzereien mehr. Sie sind jenseits vom Gehabe so vieler Neureicher.“

55 Deutsche schafften es in die jüngste Liste der reichsten Menschen der Welt des US-Magazins “Forbes“ - sie gehören demnach zu den weltweit 1226 Dollar-Milliardären. Der Gründer der Aldi-Süd-Supermärkte, Karl Albrecht, ist sogar unter den Top Ten gelistet - mit einem geschätzten Vermögen von etwa 19,4 Milliarden Euro.

Der 92-jährige Albrecht ist eine Ausnahme unter den reichen Deutschen, kaum einer ist so medienscheu wie er, nur wenig dringt über sein Leben in die Öffentlichkeit. “Viele sind aber relativ öffentliche Personen wie Michael Otto, der im gesellschaftlichen Leben seiner Heimatstadt Hamburg als Mäzen eine wichtige Rolle spielt“, sagt Rickens. Regionale Verbundenheit sei eine Besonderheit deutscher Reicher. Der Versandhauskönig zählt mit rund 13,4 Milliarden Euro ebenfalls zu den Schwerreichen Deutschlands.

Deutsche Milliardäre seien in ihrer Mehrzahl nicht besonders öffentlichkeitsscheu. “Aber sie sind auch keine Rampensäue“, sagt Rickens. Ausnahmen bestätigen die Regel: Vergangenes Jahr zog ein Multimillionär in München vor Gericht, er wollte nicht mit Namen und Vermögen in einer Reichen-Liste des “Manager Magazins“ stehen. Seine Klage blieb erfolglos. Es gebe ein öffentliches Interesse an Vermögen, die mehrere hundert Millionen oder gar Milliarden Euro umfassten, entschieden die Richter.

Ob deutsch oder nicht, allen Reichen sei gemein, dass sie sich ihrer Macht bewusst seien. “Sie wissen, ihren Einfluss in der Gesellschaft geltend zu machen, zugunsten des eigenen Unternehmens oder anderer Anliegen, die sie haben“, sagt Rickens. “Sie sind machtbewusst, aber nicht protzig.“

dpa

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