Leichenpräparator startet Online-Shop

Heidelberg - Ein Online-Shop für Leichenteile - das Projekt von Gunther von Hagens löste Empörung bei den Kirchen aus. Jetzt kann jeder bei “Dr. Tod“ einkaufen.

Menschliche Plastinate zum Bestellen im Internet: Der umstrittene Heidelberger Leichenpräparator Gunther von Hagens verkauft seine Produkte seit Mittwoch auch im Internet - zum Entsetzen der Kirchen. Gehärtete Präparate von Menschenleichen und Kadavern geschützter Tierarten würden jedoch weiterhin nur an sogenannte qualifizierte Nutzer wie etwa Ärzte und Wissenschaftler verkauft, versichert der Anbieter.

Der Heidelberger Anatom Gunther von Hagens hat nun einen Online-Shop für Plastinate eröffnet.

Andere Tierpräparate wie Schmuckarmbänder aus Bullenpenis- oder Giraffenschwanz-Scheiben kann jedermann erwerben. “Ich stehe für die Demokratisierung von Anatomie. Jeder, der sich für Körper interessiert, soll kaufen können, was ihn interessiert“, erläuterte von Hagens sein Anliegen. Originalpräparate von Menschen und aussterbenden Tierarten könnten jedoch nur von Institutionen und Privatpersonen gekauft werden, die sie für wissenschaftliche oder Lehrzwecke nutzen.

Die “qualifizierten“ Internet-Käufer müssen einen Fragebogen ausfüllen und an das Plastinarium im brandenburgischen Guben schicken, wo die Präparate hergestellt werden. Auch ein Stempel und eine Unterschrift ihrer Institution müsse vorgelegt werden. Bei Testverkäufen seien bereits etliche Plastinate für etwa 10 000 Euro an qualifizierte Käufer gegangen, erklärte von Hagens. Bei Bekanntwerden der Pläne des 65-Jährigen für den Onlineverkauf waren Bischöfe entrüstet.

Sie sprachen von “Leichenfledderei“ und rügten den “Tabubruch“. Der evangelische Landesbischof von Baden, Ulrich Fischer, und der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch riefen die Politiker auf, den Handel zu verhindern. Deutschland dürfe nicht “scheibchenweise zu einer Drehscheibe des Leichenhandels werden“. Der Tübinger Professor am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Urban Wiesing, hat dagegen keine Einwände gegen käufliche Plastinate, sofern sie in der Lehre oder Ausbildung verwendet werden.

Eine Voraussetzung gibt es allerdings: “Die Betroffenen müssen zu Lebzeiten ihr Einverständnis auch zur kommerziellen Verwendung gegeben haben“, sagte Wiesing, der Vorsitzender der Zentralen Ethikkommission bei der Bundesärztekammer ist. Kritisch sieht der Wissenschaftler die Eingrenzung des “qualifizierten Nutzers“. Dies sei ein Bereich, in dem von Hagens womöglich in eine Grauzone vorstoßen wolle. Bei der Herkunft der menschlichen Leichen müsse man den Plastinator an seinen eigenen Maßstäben messen: “Wenn er für Transparenz in der Wissenschaft stehen will, muss er ganz klar benennen, woher er die Leichen für die Plastinate bekommt.“

Es müsse ganz klar sein, dass die Menschen dieser Nutzung ihrer sterblichen Überreste freiwillig zugestimmt haben. “Wenn die Leichen aus einer zweifelhaften Quelle stammen, darf von Hagens sie weder ausstellen noch verkaufen“, meinte Wiesing. Von Hagens widersprach Vorwürfen, er beziehe die Leichen aus dunklen Quellen: “Sie kommen aus unserem Spendenprogramm, da kommen jede Woche zwei Körper“, sagte der Anatom.

In China und den USA könne man Präparate wie die seinen ohne jede Restriktion kaufen. “Ich lege mir selbst diese Grenzen auf - nicht weil es eine gesetzliche Vorgabe dafür gibt, sondern weil ich es für ethisch nötig halte.“ Präparate, die man in China und den USA kaufen könne, kämen von “herrenlosen Leichen, von Menschen, die das nie gewusst haben“, erklärte der Plastinator. “Da rege ich mich natürlich drüber auf, das wissen die Bischöfe aber offenbar nicht.“ Der Ethik-Professor Wiesing hat gegen von Hagens' Anliegen der “Demokratisierung der Anatomie“ keine Einwände - sofern es seriös geschieht. “Ich wage zwar zu bezweifeln, dass man einen Online-Shop braucht.

Aber allein das Medium, über das so etwas angeboten wird, ist kein hinreichendes Kriterium, um den Verkauf abzulehnen“, sagte Wiesing. Von Hagens ist mit sich im Reinen. Auch gegen seinen medialen Beinamen “Dr. Tod“ hat er nichts einzuwenden. Er sagte: “Ich mache den Tod ästhetisch und wandele Leichensondermüll in ein Lehrpräparat um. Das ist eine ehrenvolle Aufgabe und deswegen bin ich gerne Dr. Tod.“ 

Von Catherine Simon

Rubriklistenbild: © dpa

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