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Letzte Chance für Diplomatie

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- Jerusalem/Beirut - Israel will mit der angekündigten Ausweitung seiner Bodenoffensive im Libanon noch einige Tage warten. Ministerpräsident Ehud Olmert habe den geplanten Vormarsch der israelischen Truppen bis zum Fluss Litani vorerst auf Eis gelegt, verlautete aus Regierungskreisen. Kabinettsminister Rafi Eitan bestätigte dies. Es gebe diplomatische Erwägungen, sagte er. "Es besteht noch eine Chance, dass eine internationale Truppe in der Region eintreffen wird."

Die Aussichten auf eine rasche Einigung des Weltsicherheitsrats, der die Entsendung einer solchen Truppe beschließen müsste, waren am Donnerstag jedoch weiter ungewiss. Es gebe noch Differenzen, erklärte der französische UN-Botschafter Jean-Marc de La Sablié´re. Auch US-Botschafter John Bolton sprach von anhaltenden Meinungsverschiedenheiten.

Bei den jüngsten Beratungen schlug Frankreich einem Diplomaten zufolge Änderungen vor, bei einem Stopp der Kampfhandlungen sollten libanesische Soldaten die Kontrolle über den Landessüden übernehmen. Währenddessen solle Israel beginnen, sich in Koordination mit den im Libanon stationierten Blauhelmen hinter die von den UN anerkannte Grenzlinie zurückzuziehen.

Israel flog am Donnerstag erneut Luftangriffe auf die Hauptstadt Beirut. Ein Kampfhubschrauber zerstörte mit Raketen die Spitze eines alten Leuchtturms, auf dem sich ein Sendemast des staatlichen libanesischen Fernsehens befand. Die Luftwaffe drohte erstmals auch mit Angriffen im Nordlibanon. Dort wurden nach Angaben von Bewohnern Flugblätter abgeworfen, auf denen gewarnt wurde, nach 20 Uhr dürften keine Lastwagen mehr auf der Küstenstraße Richtung Syrien fahren.

Im Südlibanon kam es wieder zu heftigen Gefechten. Israelische Soldaten rückten in die Stadt Mardschajun acht Kilometer nördlich der Grenze vor, berichteten Anwohner. Anschließend hätten sie eine strategisch wichtige Position auf einem Hügel bei dem Dorf Blatt eingenommen. Die Hisbollah erklärte, sie habe bei Gefechten im Südlibanon 13 israelische Panzer zerstört.

Bei einem Raketen-Angriff der Hisbollah am Donnerstag wurden in dem nordisraelischen Dorf Deir al Aassad zwei israelische Araber getötet, teilte der örtliche Rettungsdienst mit. Im Libanon kamen bei den jüngsten Gefechten nach libanesischen Angaben mindestens zwei Zivilisten ums Leben.

Die seit vier Wochen andauernde Libanon-Offensive kostete Israel nach Angaben des Finanzministeriums in Jerusalem bislang umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro. Zur Finanzierung des Einsatzes werde er seine Kabinettskollegen um Einsparungen von etwa 500 Millionen Euro in ihren Ressorts bitten, sagte Finanzminister Hirchson.

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