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Zwei Frauen umarmen sich am Dienstag (22.02.2011) nach ihrer Rückkehr aus Tripolis (Libyen) auf dem Flughafen von Frankfurt.

Libyen-Heimkehrer berichten von blutigen Protesten

Frankfurt - Sie sind überglücklich zurück in Sicherheit: Mit einer Sondermaschine hat die Lufthansa zahlreiche Deutsche aus Libyen ausgeflogen. Die Heimkehrer berichten von Schüssen, Angst und Hamsterkäufen.

Die sieben Jahre alten Zwillinge mit den blond gelockten Haaren strahlen und fallen ihrer Tante in die Arme. “Wir sind wieder da“, rufen sie. Gerade sind die beiden Jungs aus der Sondermaschine aus Libyen gestiegen und stehen sicher in der Halle des Flughafens Frankfurt. Ihre Tante wischt sich mit einem Taschentuch die Tränen aus den Augenwinkeln. “Wir hatten Angst und wollten nur noch raus“, berichtet der Vater Christian Treusch. Die letzten Tage in dem von blutigen Protesten geprägten Land seien “schlimm“ gewesen.

Seit 8.00 Uhr morgens hatte die Familie am Flughafen Tripolis ausgeharrt, bis sie die erlösende Nachricht erreichte: Sie bekommen vier der rund 300 Plätze in der Lufthansa-Maschine von Tripolis nach Frankfurt. “Wir haben zwar keine Toten gesehen, aber viele Schüsse gehört“, schildert Treusch die letzten Tage in dem von bürgerkriegsähnlichen Unruhen erschütterten Land. Die Supermärkte seien wie leergefegt und die Lebensmittelvorräte der Familie aufgebraucht gewesen. “Jetzt sind wir gerade einfach erleichtert, wieder zurück zu sein.“ Treusch war beruflich nach Libyen gezogen und hatte vor sechs Wochen Frau und Kinder nachgeholt.

Blutige Proteste in Libyen

Blutige Proteste in Libyen

Rund drei Stunden später als erwartet war die Sondermaschine der Lufthansa in Frankfurt gelandet. Normalerweise setzt die Lufthansa auf der Strecke einen A 320 ein, der nur rund 150 Passagieren Platz bietet. Wegen der zu bewältigenden doppelten Passagierzahl habe das Einchecken länger als üblich gedauert, begründete ein Lufthansa-Sprecher die Verspätung der Maschine. Zudem sei die Anfahrt zum Flughafen schwierig gewesen.

Auch Eva King-Leonhard ist die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Gerade hat sie ihre Tochter umarmt: “Das ist ein Riesen-Aufstand da drüben, die Bevölkerung bewaffnet sich und viele machen Hamsterkäufe“, erzählt die Angestellte eines Bauunternehmens. Ihrer Meinung nach werde die Lage in Libyen verharmlost. Alle Libyer vor Ort sagten ihr, sie solle sich keine Sorgen machen. “Ich wünsche jedem, der noch dort ist, dass er raus kommt.“

Schockierende SMS: Es werden schon Bomben geworfen

Lockerer sieht dagegen Wolfgang Beißwenger die Situation. Er war als Tourist in Libyen und hat zu Fuß eine Tour durch die Wüste gemacht. “In kleinen Ortschaften habe ich von Unruhen nichts gespürt“, erzählt er. “In der Hauptstadt ging es natürlich chaotisch zu, aber wir Deutsche haben ja das Glück, ausreisen zu können.“

Eine schockierende SMS erhielt das Ehepaar Rosenau um 3.00 Uhr in der Nacht zum Dienstag von ihrem Sohn aus Libyen. “In Tripolis werden schon Bomben geworfen“, schrieb er. Aber er werde am nächsten Tag ausreisen können. Weniger als 24 Stunden später ist er zurück in Deutschland. “Wir sind so dankbar, dass er sicher zurück ist“, sagt seine Mutter mit Tränen in den Augen.

Nach früheren Schätzungen halten sich noch etwa 400 Bundesbürger in Libyen auf. Erwartet wurde, dass der Großteil von ihnen ausreisen will.

dpa

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