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Die libyschen Rebellen wollen als nächstes Gaddafis Geburtsstadt Sirte einnehmen.

Libyen: Vormarsch auf Gaddafis Geburtsstadt

Tripolis/Kairo/Berlin - In Libyen bereiten sich die Rebellen auf die Einnahme von Gaddafis Geburtsstadt Sirte vor. Die Nato soll aus der Luft dabei helfen.

Der Rebellen-Vormarsch auf die Geburtsstadt des bisherigen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi kommt nur langsam voran. Für die Operation in der Küstenstadt Sirte fehlten erfahrene Kämpfer, berichtete eine Korrespondentin des Nachrichtensenders Al-Dschasira am Montag. Die Nato beschoss nach eigenen Angaben zuletzt Radarstationen sowie Abschussbasen für Boden-Luft-Raketen in der Umgebung von Sirte. Derweil hält der Druck auf Außenminister Guido Westerwelle (FDP) wegen seiner Haltung zu dem Nato-Einsatz an. Die Opposition forderte seinen Rücktritt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte sich am Montag hinter ihren Chefdiplomaten. “Die Bundeskanzlerin arbeitet mit ihrem Außenminister vertrauensvoll zusammen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Westerwelle selbst ließ erklären, Berichte über einen möglichen Rücktritt seien “frei erfunden“.

Bei einer Konferenz der deutschen Auslands-Botschafter in Berlin zollte der Außenminister den Nato-Partnern für den Libyen-Einsatz Respekt. “Wir sind froh, dass die Herrschaft des Gaddafi-Regimes zu Ende ist“, sagte Westerwelle gut fünf Monate nach der deutschen Enthaltung bei der Libyen-Resolution im UN-Sicherheitsrat. “Gerade weil wir die Chancen und Risiken anders abgewogen haben, gilt unser Respekt Frankreich und unseren Verbündeten bei der Durchsetzung der Resolution 1973.“

Frankreichs Außenminister Alain Juppé erklärte bei einem Besuch in Berlin die Meinungsverschiedenheiten über die Libyen-Politik für beendet. “Dieses Kapitel ist jetzt abgeschlossen. Jetzt arbeiten wir Seite an Seite mit den Libyern zusammen“, sagte er.

Während die libyschen Rebellen nach eigenen Angaben damit beschäftigt waren, die eingenommene Hauptstadt Tripolis zu befrieden, verhandelte die Übergangsregierung am Montag weiter mit Stammesführern in Sirte über eine friedliche Übergabe der Stadt. Die Rebellen kämpfen sich aber zu der strategisch bedeutenden Hafenstadt vor, um sie notfalls anzugreifen.

Nach Einschätzung der militärischen Führung könnte es noch zehn Tage dauern, bis Sirte erreicht ist. Laut Al-Dschasira haben die Kämpfer eine wichtige Kreuzung beim Ort Nawfalija auf der Straße nach Sirte erreicht. Aber noch mehr als 100 Kilometer liegen vor ihnen.

Einen Tag nach der Entdeckung von bis zu 150 verkohlten Leichen in einem Lagerhaus in Tripolis, bei denen es sich um Opfer der Gaddafi-Truppen handeln soll, appellierte ein Sprecher der Übergangsregierung an die eigenen Anhänger, keine Rache zu nehmen. Gleichzeitig rief er alle Einwohner der Stadt dazu auf, sich am Wiederaufbau zu beteiligen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erhob schwere Vorwürfe gegen Gaddafi-Getreue. Es gebe Beweise für willkürliche Hinrichtungen von Häftlingen, als die Rebellen in die Hauptstadt Tripolis einrückten. Selbst medizinisches Personal sei getötet worden. Auch in Krankenhäusern waren zahlreiche Leichen entdeckt worden.

Unterdessen bleibt die Versorgungslage in der Millionenmetropole kritisch. Die Lebensmittelgeschäfte hätten am Montag wieder geöffnet, die Regale seien aber meist leer, berichtete eine Al-Dschasira-Reporterin. Zudem gebe es kaum Wasser, Strom nur zeitweise.

Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef kämpfen humanitäre Organisationen in Tripolis vor allem mit logistischen Problemen. Zwar kämen Medikamente oder Wasser in der libyschen Hauptstadt an, sagte Sprecher Rudi Tarneden der Nachrichtenagentur dpa. Bei der Verteilung werde aber die Hilfe von Behörden oder örtlichen Organisationen benötigt - und die sei schwer zu organisieren. Am Montag eröffnete die EU in Tripolis ein Büro für humanitäre Hilfe.

Trotz der schlechten Versorgungslage kehren bereits viele Libyer, die nach Tunesien geflohen waren, in ihre Heimat zurück. Anders als in der vergangenen Woche, als täglich Hunderte von Familien über den Grenzübergang Wassan nach Tunesien gefahren waren, bildeten sich nun Warteschlangen in der anderen Richtung, berichtete eine dpa-Reporterin.

Unterdessen wurde bekannt, dass der libysche Lockerbie-Attentäter Abdelbaset al-Megrahi zwei Jahre nach seiner umstrittenen Freilassung aus einem schottischen Gefängnis offenbar im Sterben liegt. Wie der US-Sender CNN berichtete, fand ein Reporter des Senders den Krebskranken am Sonntag in seinem Haus in Tripolis. Dort werde al-Megrahi von seiner Familie versorgt. Er falle immer wieder ins Koma, benötige Sauerstoff und hänge am Tropf.

Bei dem Attentat auf eine PanAm-Boeing 747 waren über dem schottischen Lockerbie 1988 insgesamt 270 Menschen gestorben - darunter viele Amerikaner.

Forderungen nach einer erneuten Inhaftierung al-Megrahis, die in Großbritannien und den USA seit seiner Freilassung immer wieder laut geworden waren, erteilte der schottische Ministerpräsident Alex Salmond am Montag eine Absage. Am Grund für die Freilassung, dem schweren Krebsleiden im Endstadium, habe sich nichts geändert, sagte er dem Sender Sky News. Die schottischen Behörden hätten nicht die Absicht, in Libyen um die Auslieferung des Mannes nachzusuchen.

dpa

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