Beim Produkt-Rückruf geschlampt?

Listerien-Käse: Lidl muss Millionen-Strafe zahlen

Heilbronn - Hat Lidl beim Rückruf von verseuchtem Käse geschlampt? Ein Gericht entscheidet: Ja - und verhängt hohe Geldstrafen. Der Discounter akzeptiert die Entscheidung und räumt Fehler ein.

Drei Jahre nach einem Skandal um verseuchten Käse muss der Discounter Lidl Geldbußen von insgesamt 1,5 Millionen Euro zahlen. Das Amtsgericht Heilbronn verhängte die Strafe laut einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft vom Dienstag wegen Verstößen gegen das Lebensmittelrecht. Das Unternehmen aus Neckarsulm kündigte an, die Entscheidung anzunehmen und bedauerte, damals die Ergebnisse von routinemäßigen Untersuchungen falsch interpretiert zu haben. Zudem müssen vier Beschäftigte Geldstrafen zahlen.

Die Handelskette hatte am 23. Januar 2010 den Harzer Käse der österreichischen Firma Prolactal zurückgerufen, weil dieser mit Listerien belastet war. Laut Staatsanwaltschaft waren 2010 vier Konsumenten des Käses an Listeriose erkrankt, ein Mensch starb an den Folgen der Lebensmittelvergiftung.

Die Bakterien können bei Menschen schwere Infektionen auslösen und bei Kranken, Geschwächten, Schwangeren oder Neugeborenen lebensbedrohlich werden. Sie werden üblicherweise durch die Pasteurisierung vernichtet, können sich aber vermehren, wenn befallene Lebensmittel eingefroren werden.

Das Unternehmen habe seine gesetzlichen Untersuchungspflichten jederzeit eingehalten, betonte ein Sprecher. Allerdings habe es auf erste Hinweise im Juni 2009 falsch reagiert. Laut Gericht hätte Lidl spätestens Ende 2009 einen Lieferstopp veranlassen müssen.

Zunächst hatte Lidl nach eigenen Angaben bei Prolactal nachgefragt und Untersuchungsergebnisse angefordert, die keinen Keimbefall nachwiesen hätten. Zudem habe Lidl die fraglichen Produkte aus dem Verkauf genommen. Den Rückruf leitete das Unternehmen allerdings erst nach einer behördlichen Warnung aus Österreich ein.

Für die vier Lidl-Mitarbeiter wurden der Staatsanwaltschaft zufolge Geldstrafen zwischen 27 000 und 58 500 Euro festgesetzt sowie zusätzlich gegen zwei von ihnen Geldbußen in Höhe von je 7000 Euro. Eine strafrechtliche Verantwortlichkeit der Beschuldigten für die Erkrankung oder den Tod von Geschädigten lasse sich nicht mit Sicherheit nachweisen, so die Staatsanwaltschaft, die Lidl nicht namentlich nennt. Der Harzer Käse ist laut Lidl seit Januar 2010 nicht mehr im Verkauf.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Hurrikan "Maria" verwüstet Karibikinsel Dominica
Viele Menschen in der Karibik sind noch mit der Beseitigung der Schäden von Hurrikan "Irma" beschäftigt. Da holt sie "Maria" ein und richtet Unheil an. Das …
Hurrikan "Maria" verwüstet Karibikinsel Dominica
Dieser Schamane denkt, er kann mit Krokodilen schwimmen - kurze Zeit später ist er tot
Er hat gedacht, er sei vor ihren Angriffen gefeit: Bei dem Versuch einen vermissten 16-Jährigen durch ein Ritual ausfindig zu machen, wird ein Schamane von Krokodilen …
Dieser Schamane denkt, er kann mit Krokodilen schwimmen - kurze Zeit später ist er tot
Deutsches Weltkriegs-U-Boot bei Ostende entdeckt
Von Belgien aus führte Deutschland im Ersten Weltkrieg seinen berüchtigten U-Boot-Krieg. Etliche Schiffe der kaiserlichen Marine wurden dabei versenkt. Nun entdeckten …
Deutsches Weltkriegs-U-Boot bei Ostende entdeckt
Dreifacher Todesschütze von Villingendorf gefasst
Drei Menschen sind tot, darunter ein kleiner Junge. Tatverdächtig ist der Vater des Sechsjährigen. Jetzt wurde der Mann gefasst.
Dreifacher Todesschütze von Villingendorf gefasst

Kommentare