Fremde Lorbeeren

Litauische Tourismus-Kampagne sorgt für Lacher im Netz

Vilnius - Weil ihre Behörde mit Fotos aus anderen Ländern für Reisen nach Litauen warb, hat die Tourismus-Chefin des Landes ihren Hut nehmen müssen. Im Netz spottet sogar der Premierminister.

Ausgerechnet unter dem Werbeslogan "Real is Beautiful" (Echt ist schön) waren bei der Online-Kampagne nicht nur Bilder von eindrucksvollen Landschaften in Litauen, sondern auch von Sehenswürdigkeiten in Finnland und der Slowakei gezeigt worden. Im Internet erntete die Kampagne viel Spott. Die Tourismusbehörde hatte die Werbung verteidigt und erklärt, auch Fotos aus anderen Ländern könnten "Emotionen transportieren". Wirtschaftsminister Mindaugas Sinkevicius bestellte daraufhin am Freitag Behördenchefin Jurgita Kazlauskiene ein. Diese habe ihren Rücktritt eingereicht, sagte ein Ministeriumssprecher der Nachrichtenagentur AFP.

Viel Spott im Netz

Um sich über die Werbekampagne lustig zu machen, stellten am Freitag zahlreiche Facebook-Nutzer Fotos von Sehenswürdigkeiten in anderen Ländern online und gaben sie unter dem Schlagwort #Realisbeautiful scherzhaft als litauische Attraktionen aus.

Ein Nutzer präsentierte beispielsweise ein Bild des Sydney-Opera-House und schrieb dazu: „Vilnius Siemens Concert Hall“. Dass dieses Gebäude eindeutig in Sydney steht und nicht in der Litauischen Hauptstadt Vilnius, ist wohl jedem klar.

Ein Anderer versteckte seine Ironie schon etwas besser: Zunächst einmal ist der Berg auf dem Foto eben nur ein Berg. Warum sollte es sich also nicht um Mount „Aukstojas“, den höchsten Berg Litauens, handeln, wie auf dem Bild behauptet? Nun ja, man kann sich durchaus denken, dass die litauischen Berge nicht ganz so monumental sind, wie es das Bild vermuten lässt. Denn natürlich: Der Berg auf dem Bild ist der Mount Everest! Der höchste Berg Litauens ist gerade mal knapp 3.000 Meter hoch.

Sogar Premierminister macht sich lustig

Auch Regierungschef Saulius Skvernelis machte sich einen Spaß daraus. Er veröffentlichte ein Foto des Sitzes der EU-Kommission in Brüssel und schrieb dazu versehen mit einem Smiley: "Von morgen an arbeiten wir in dem neuen Regierungsgebäude in Karoliniskes", einem Vorort der litauischen Hauptstadt Vilnius. 

Ein paar Stunden später schien dem Ministerpräsidenten das Lachen aber vergangen zu sein: Er bezeichnete die Werbekampagne als "betrügerisch" und forderte eine Untersuchung. In Litauen gibt es kilometerlange Sandstrände an der Ostsee. Außerdem verfügt das Drei-Millionen-Einwohner-Land über riesige Wälder, die ein Drittel seines Territoriums ausmachen.

afp

Rubriklistenbild: © Facebook/Lithuania. Real is beautiful

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