Virologe in Sorge

Drosten fürchtet „schmerzhafte Eingriffe“ im Winter und drängt: „Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit ...“

  • Marc Dimitriu
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Seit einigen Wochen nimmt die Impfgeschwindigkeit in Deutschland ab. Virologe Christian Drosten macht das Sorgen.

Berlin - Die Impfgeschwindigkeit sinkt in Deutschland seit Wochen. Am Donnerstag, dem 22. Juli wurden nur 565.235 Corona-Impfungen gemeldet. Im Mai und Juni wurden an Wochentagen noch häufig deutlich über 1 Million Menschen geimpft. Der 7-Tagesschnitt ist sogar auf 481.028 gefallen und liegt damit erstmals seit dem 13. April unter 500.000. Dabei liegen mittlerweile Millionen von Impfdosen auf Halde, während es zu Beginn der Impf-Kampagne zu wenig Dosen gab. Nun scheint das Interesse in der Bevölkerung langsam ausgeschöpft zu sein.

Corona in Deutschland: Virologe Drosten kritisiert Impf-Geschwindigkeit

Auch dem Virologen Christian Drosten geht das Impfen derzeit nicht rasch genug. Er sei „zunehmend besorgt über den Impffortschritt“, sagte der Leiter der Virologie der Berliner Charité in einem schriftlich geführten Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Hier kommen wir nicht schnell genug voran, obwohl genug Impfstoff zur Verfügung steht.“

Die derzeitige Impf-Quote in Deutschland liegt bei 60,6 Prozent Erst- und 48,5 Prozent Zweitimpfungen. Kein schlechter Wert, jedoch in Anbetracht der ansteckenderen Delta-Variante, die auch hierzulande dominiert, noch zu niedrig. Das RKI fordert eine Impf-Quote von mindestens 85 Prozent. Auch die Inzidenz in Deutschland steigt seit Wochen wieder.

Corona: Impf-Geschwindigkeit sinkt nicht nur in Deutschland - Drosten warnt vor falschem Sicherheitsgefühl

Allerdings scheint das Problem nicht nur hier zu existieren. Auch in den lange vorbildlichen Ländern wie dem Vereinigten Königreich und Israel nahm das Impf-Tempo ab, als in etwa eine Quote von 60 Prozent bei den Erstimpfungen erreicht wurden. In Israel war das schon Ende März der Fall, seitdem kamen nur 6,5 Prozent dazu. Das Vereinigte Königreich erreichte den Wert Anfang Juni und legte seit dem nur 8,4 Prozent dazu. Die Impfbereitschaft in der Bevölkerung scheint im Moment wohl Länderübergreifend nur bei 60-70 Prozent zu liegen.

Laut Drosten wähnten sich viele Menschen angesichts einer niedrigen Inzidenz in Deutschland in einem falschen Sicherheitsgefühl. „Es ist wichtig, jetzt sehr viel mehr Informationsarbeit zu leisten - auch im privaten Umfeld, damit die Impfquote schneller ansteigt. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit von erneuten schmerzhaften Eingriffen im Winter“, erklärte Drosten. Auch der Virologe wünsche sich, dass nicht noch einmal Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens notwendig werden. (md)

Rubriklistenbild: © Jürgen Heinrich/Imago

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