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Österreichs Mediziner wollen Lockdown für alle: „Haben jetzt den Tsunami und brauchen einen Wellenbrecher“

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Von: Julia Volkenand, Franziska Schwarz

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Österreich verschärft seine Corona-Regeln massiv - es kommt der Lockdown für Ungeimpfte. Wegen weiterer Verschärfungen gibt es nun aber Chaos. Der News-Ticker

Update vom 17. November, 9.35 Uhr: In Österreich sprechen sich immer mehr Experten für einen Lockdown für alle aus. „Es geht sich sonst nicht mehr aus“, sagte Rainer Thell, leitender Oberarzt der Notfallaufnahme in der Klinik Donaustadt, ehemals SMZ Ost, im Gespräch mit der österreichischen Presseagentur APA, wie das ORF berichtet. „Es kann nicht sein, dass in Salzburg Menschen sterben, keine mutigen Entscheidungen getroffen werden, die auf der Hand liegen“, kritisiert der Anästhesist und Intensivmediziner.

„Jetzt kann man Salzburg noch entlasten und Patienten nach Wien und Niederösterreich ausfliegen.“ Denn dort gebe es beispielsweise noch Betten für Covid-19-Patienten. Der Oberarzt fordert einen kompletten Lockdown für das ganze Land. Sämtliche regionale, partielle oder Pseudo-Lockdowns würden seiner Auffassung nach das Problem nur in die Länge ziehen und nicht nach unten drücken. Virologe Nobert Nowotny bezweifelt im ORF, dass die aktuellen Corona-Maßnahmen ausreichen. „Leider haben wir jetzt bereits den Tsunami, und wir brauchen einen Wellenbrecher, damit dieser Tsunami nicht zu zerstörerisch wirkt“, sagt Virologe Nowotny. Maßnahmen wären strikte Homeoffice-Regelungen sowie die Auffrischungsimpfung. Einen strikten Lockdown für alle hält Nowotny derzeit aus politischen Gründen für ausgeschlossen.

Österreich meldet neuen Höchstwert bei Neuinfektionen

In Österreich sind in den vergangenen 24 Stunden 14.416 Coronavirus-Neuinfektionen und 41 Todesfälle gemeldet worden, teilt das Gesundheits- und das Innenministerium am Mittwoch mit. Ein neuer Höchstwert. Die Inzidenz in Österreich liegt bei 925,0 (Stand: 15. November).

Lockdown-Chaos in Österreich: Erste Lockerung nach nur einem Tag - doch Krankenhäuser stehen vor dem Kollaps

Update vom 16. November, 16.55 Uhr: Die Krankenhaus-Versorgung im österreichischen Bundesland Salzburg steht auf der Kippe. Die Behandlung aller Patienten nach geltenden Standards könne schon bald nicht mehr garantiert werden. Das gaben die Salzburger Landeskliniken bekannt. Deshalb werde nun ein Triage-Team zusammengestellt. Es wird entscheiden, welchen Patienten zuerst geholfen wird und wer in den kommenden Tagen intensivmedizinisch behandelt werden kann und wer nicht.

In Reaktion auf den Hilferuf des Klinikbetreibers mit seinen vier Krankenhäusern kündigte Salzburgs Landeschef Wilfried Haslauer (ÖVP) Entlastungsmaßnahmen an. „Die Situation ist besorgniserregend“, sagte er während einer Pressekonferenz. Unter anderem sollen manche Corona-Patienten in Zentren für medizinische Rehabilitation untergebracht werden. Außerdem wurde die Bevölkerung aufgefordert, sich bereits vier Monate nach der zweiten Corona-Impfung eine dritten Injektion als Auffrischung zu holen. Laut Haslauer sind mehr als ein Drittel aller neu Infizierten doppelt geimpft.

Lockdown-Chaos in Österreich: Erste Lockerung nach nur einem Tag - Kanzler kassiert Minister-Plan ein

Update vom 16. November, 10.30 Uhr: Erst am Montag war ein landesweiter Lockdown für Ungeimpfte in Österreich in Kraft getreten, nun gibt es bereits die erste Lockerung. Die Beschränkungen gelten bundesweit für alle Menschen ab zwölf Jahren, die weder über einen Impfnachweis noch über den Nachweis einer in den vergangenen 180 Tagen überstandenen Corona-Infektion verfügen. Am Arbeitsplatz gilt in Österreich nun allgemein die 3G-Regel, Ungeimpfte dürfen hier einen Antigen-Test vorweisen. In manchen Bereichen gilt für Ungeimpfte am Arbeitsplatz jedoch die 2,5G-Regel. Betroffen sind die Bereiche Krankenhäuser, Pflege- und Altenheime. Ungeimpfte müssen hier einen PCR-Test vorlegen und eine FFP2-Maske tragen. Doch genau an diesem Punkt tritt nun die erste Lockerung in Kraft.

Wie oe24 unter Berufung auf Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein berichtet, könne von diesen testpflichtigen Personen für den Arbeitsplatz im Notfall auch nur ein Antigen-Test verlangt werden. Wie das Portal eine Mitteilung des Gesundheitsministers zitiert, ist dies jedoch nur möglich „aus Gründen der mangelnden Verfügbarkeit“.

Kanzler Schallenberg gegen generelle Ausgangsbeschränkung

Update vom 15. November, 10.40 Uhr: Der österreichische Bundeskanzler Schallenberg (ÖVP) erteilte Gesundheitsminister Mückstein am Montag eine Absage. Dieser hatte eine generelle nächtliche Ausgangsbeschränkung als weitere Maßnahme in Aussicht gestellt. Schallenberg dagegen möchte keine neuen Maßnahmen in der Nachtgastronomie. Er möchte vielmehr den Lockdown für Ungeimpfte als Motivation für Bürger nutzen, sich impfen zu lassen. Er denke vielmehr über eine Erweiterung der FFP2-Masken-Pflicht und ähnliche Maßnahmen nach.

Update vom 14. November, 22.40 Uhr: Nach dem Lockdown für Ungeimpfte (siehe Erstmeldung) denkt die österreichische Bundesregierung auch an nächtliche Ausgangsbeschränkungen für alle Bürger. Dieser Vorschlag liege auf dem Tisch und darüber werde am kommenden Mittwoch entschieden, sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Sonntagabend in der ORF-Nachrichtensendung „ZiB2“.

Österreich: Minister will Ausgangssperre auch für Geimpfte

„Wir sitzen alle im gleichen Boot“, sagte Mückstein. Wenn ein allgemeiner Lockdown verhindert werde solle, sei eine Verringerung der Kontakte zwischen den Menschen zwingend erforderlich, so der Minister weiter. Die Beschränkungen würden ab 22.00 Uhr gelten und auch eine erneute Schließung der Nachtgastronomie bedeuten. Mitte der Woche werde man sehen, ob schon der Lockdown für Ungeimpfte gewirkt habe, so Mückstein weiter.

Corona: Österreich beschließt Lockdown für Ungeimpfte ab morgen - Nur aus dringenden Gründen auf die Straße

Corona-Maske liegt auf dem Gehweg
Österreich denkt über neue nächtliche Ausgangsbeschränkungen nach © Christoph Hardt/Imago

Erstmeldung: Wien - Die Entscheidung wurde erwartet, jetzt steht sie: In Österreich gilt ab Montag (15. November) ein Lockdown für Corona-Ungeimpfte. Das haben Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) und die Regierungschefs der Länder am Sonntag in Wien beschlossen. Die Maßnahme gilt dem Kampf gegen die Pandemie. „Wir setzen den Schritt nicht leichten Herzens“, sagte Schallenberg. Die Zahlen sprächen aber eine eindeutige Sprache.

Die neuen Restriktionen sollen für Bürger gelten, die weder über einen Impfnachweis noch über den Nachweis einer in den vergangenen 180 Tagen überstandenen Corona-Infektion verfügen. Die Einhaltung der Vorschrift soll mit Stichproben überprüft werden. Ziel ist, die Impfbereitschaft zu erhöhen und die sozialen Kontakte deutlich zu verringern. Die weitreichenden Ausgangsbeschränkungen sind laut dpa zunächst auf zehn Tage befristet. Betroffen seien etwa zwei Millionen Menschen.

Ungeimpften-Lockdown in Österreich: Heim nur noch aus dringenden Gründen verlassen

Ungeimpfte dürfen dann nur noch ihr Zuhause verlassen, um Lebensmittel oder andere unerlässliche Waren einkaufen zu gehen, zur Arbeit oder Ausbildung zu gehen, Sport zu treiben oder wenn sie medizinische Hilfe benötigen.

Der Lockdown muss zwar am Sonntagabend noch vom Hauptausschuss des Nationalrats - also des österreichischen Parlaments - gebilligt werden. Eine Mehrheit gilt dort laut der Nachrichtenagentur APA aber als gesichert. Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) kündigte zudem eine Impfpflicht im Gesundheits- und Pflegesektor an.

In Österreich lag die 7-Tage-Inzidenz bei Corona zuletzt bei mehr als 800, unter den Ungeimpften laut Schallenberg zuletzt sogar bei 1700. Das Land liegt bei der Corona-Impfrate unter dem EU-Durchschnitt, und liegt mit 65 Prozent auch hinter Deutschland zurück. Bereits seit Anfang November gelten Verschärfungen, die auch Wirkung zeigen. Die Zahl der Impfungen stieg sprunghaft an und liegt nun wieder auf dem Niveau von Juli.

Lockdown für Ungeimpfte in Österreich: Corona-Impfrate unter EU-Durchschnitt

Als erste Region in der EU will die Landeshauptstadt Wien indes ab Montag auch mit der Impfung von Kindern zwischen fünf und elf Jahren beginnen. Und die Bewohner Wiens können schon vier Monate nach ihrer zweiten Impfung eine Booster-Impfung erhalten.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) veröffentlichte am 12. November eine neue Einschätzung zur Corona-Lage. Österreich zählt die Behörde zu den 13 EU-Ländern, in denen sie „besorgniserregend“ ist. Auch Deutschland, Dänemark, Finnland und Luxemburg sind auf dieser Liste.

Als „sehr besorgniserregend“ gelten laut ECDC unter anderem Belgien, die Niederlande (die bereits seit Samstag einen Lockdown für Ungeimpfte haben), Polen und Tschechien. Die Behörde wies darauf hin, dass die Länder mit geringerer Impfrate weiterhin am stärksten betroffen seien. (AFP/dpa/frs)

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