1. Startseite
  2. Welt

London verbietet jetzt Touristen-Hobby an der Themse

Erstellt:

Von: Victoria Krumbeck

Kommentare

Auf den Spuren der Londoner Geschichte sind die sogenannten „Mudlarker“. Sie suchen an der Themse nach Schätzen. Neue Genehmigungen werden dafür jedoch nicht mehr ausgeteilt.

München/London - Als Tourist in London werden so manche Sehenswürdigkeiten auf dem Programm stehen. Etwa die Residenz der britischen Monarchie, der Big Ben, das London Eye und bei dem ein oder anderen auch „Mudlarking“. So nennt sich ein beliebtes Hobby, dem nicht nur Touristen nachgehen. Dabei wird am Ufer der Themse nach Schätzen aus der Vergangenheit gesucht. Doch damit ist bald Schluss. Wer noch keine Genehmigung dafür hat, der wird auch vorerst keine mehr bekommen.

London: Touristen müssen auf beliebtes Hobby verzichten

Tonscherben aus dem Mittelalter, alte Stecknadeln oder Dachziegel: Die Themse, die durch die Hauptstadt Englands fließt, ist voll mit wahren Schätzen. Wenn die Ebbe kommt, kommen auch die Menschen, die im Schlamm buddeln. Doch nicht jeder darf einfach ans Ufer und anfangen zu suchen. Bei der Londoner Hafenbehörde „Port of London Authority“ (PLA) muss zunächst eine Genehmigung für das „Mudlarking“ eingeholt werden.

Als „Mudlarking“ wird die Suche nach alten Gegenständen an der Themse bezeichnet. Die Londoner Hafenbehörde gibt dafür keine neuen Lizenzen mehr aus.
„Mudlarking“ am Ufer der Themse. © Silvia Kusidlo/dpa

Mit dem Buddeln ist für neue „Mudlarker“ vorerst Schluss. Die Londoner Hafenbehörde gab in einer Meldung bekannt, dass die Möglichkeit, neue Genehmigungen zu beantragen, erst mal ausgesetzt wurde. Grund dafür sei, dass die „einzigartige historische Integrität des Themse-Vorlandes“ geschützt werden muss. Zu viele Genehmigungen wurden in den letzten Jahren vergeben. Mittlerweile leidet die Themse unter einem „Besucherdruck“, wie die PLA bekannt gab.

London: Die Schätze an der Themse - „Mudlarking“ wird immer beliebter

Im Jahr 2020 hatte die Hafenbehörde fast 1400 Lizenzen ausgestellt, wie Deutschlandfunk Nova berichtete. Ganze 300 mehr als im Jahr 2019. „Derzeit sind zu viele Genehmigungen im Umlauf“, sagte James Trimmer, Leiter für Planung und Entwicklung der Londoner Hafenbehörde, der Zeitung Evening Standard. „Der historische Vorrat an Schätzen des Küstenvorlandes, selten und banal, droht einfach zu verschwinden. Wir haben auch einen großen Anstieg der Verkäufe von Küstenvorlandfunden erlebt, was nicht erlaubt ist“, so Trimmer weiter.

Die für umgerechnet etwa 100 Euro erworbene Lizenz verpflichtet die Sammler dazu, Funde, die von besonderem archäologischen Interesse sein könnten, zu melden. Solche Funde schaffen es sogar manchmal ins Museum. „Mudlarking“ ist dabei nur in bestimmten Gebieten des Vorlandes erlaubt.

Archäologie an der Themse wird durch „Mudlarking“ bedroht

Der Name „Mudlarking“ stammt aus der viktorianischen Zeit. Damals suchten vor allem ärmere Menschen und Kinder nach Schätzen am Ufer der Themse, um diese dann zu verkaufen. Heutzutage ist es zu einem Hobby geworden. „Der jüngste Anstieg des Interesses gefährdet das Vorland und seine Archäologie“, sagte ein Sprecher der Denkmalpflegebehörde „Historic England“ der Evening Standard.

Die Hafenbehörde will die Auswirkungen der Aussetzungen zunächst einmal bewerten und anhand der Ergebnisse ermitteln, wann neue Genehmigungen wieder vergeben werden können. Menschen, die noch eine aktuelle Genehmigung haben, dürfen dem „Mudlarking“ weiterhin nachgehen.

Nicht am Ufer, sondern unter Wasser, wurden in der Ostsee gleich drei Schiffswracks entdeckt. Obwohl die Wracks schon mehrere Hunderte Jahre unter Wasser liegen, konnten die Forscher viele Details erkennen. (vk)

Auch interessant

Kommentare