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Corona: Was gilt es bei Long Covid und Post Covid zu beachten? Bekannter TV-Arzt klärt auf

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Von: Jennifer Battaglia

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Eine Frau hält sich die Stirn und zeigt Erschöpfungssymptome.
Viele Menschen leiden auch Wochen oder Monate nach einer überstandenen Corona-Infektion noch an Langzeitfolgen wie chronischer Müdigkeit oder Erschöpfung (Symbolbild). © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Oliver Killig

Obwohl eine Infektion mit der Omikron-Variante meist milde verläuft, können Betroffene trotzdem unter Spätfolgen leiden. Der bekannte TV-Arzt Doc Esser klärt über Long Covid und Post Covid auf.

München - Aktuell infizieren sich mehr Menschen denn je mit dem Coronavirus. Am Dienstag (22. März) wurden dem Robert-Koch-Institut* deutschlandweit über 220.000 Neuinfektionen gemeldet. Obwohl die Erkrankung mit der Omikron-Variante in den meisten Fällen mild verläuft, können Betroffene dennoch unter Spätfolgen leiden. Der bekannte TV-Arzt Doc Esser klärt über Long Covid und Post Covid auf.

Corona: Von Spätfolgen vor allem Frauen betroffen

Im Interview mit Express erläutert der Lungenfacharzt Dr. Heinz-Wilhelm Esser (48), auf was Genesene nach einer Corona-Infektion achten müssen. Long Covid und Post Covid betreffen laut Doc Esser vor allem jungen Frauen. „Obwohl diese Gruppe einen milden Corona-Verlauf hatte oder sogar gar keine Symptome, stellen sie dann plötzlich fest, dass ihnen zum Beispiel die Brust schmerzt“, sagt er.

Unterschied zwischen Long Covid und Post Covid:

Long Covid bezeichnet Beschwerden, die mindestens vier Wochen nach einer Infektion bestehen.

Post Covid bezeichnet Beschwerden, die mindestens zwölf Wochen nach einer Infektion bestehen.

Oft würden die Betroffenen auch Herzrhythmusstörungen in Form von „Herzstolpern“ oder Luftnot bemerken. Dazu fühlten sich viele stark erschöpft. Solche Symptome könnten zwar auch nach einer Influenza, also der Grippe, auftreten. „Aber mit einer solchen Dauer und in solcher Vielfalt kennen wir das von anderen Erkrankungen nicht“, so Doc Esser.

Wie es einer Frau mit Post-Covid-Syndrom ergeht, lesen Sie hier.

Corona: Wann darf man wieder Sport treiben?

Auf die Frage, wann Erkrankte nach einer Corona-Infektion Sport treiben dürfen, rät der Arzt zur Vorsicht: „Meine dringende Empfehlung ist, erst zehn Tage nach vollständiger Genesung wieder langsam anzufangen.“ Grundsätzlich sollten sich Genesene zunächst schonen und den Terminkalender nicht gleich wieder zu voll packen. „Besser ist es insgesamt alles erst einmal ruhiger angehen zu lassen und vor dem ersten Sport erst einmal nur spazieren zu gehen.“

Wer ganz normal ins Sportprogramm wieder einsteigen möchte, sich aber nicht durch und durch fit fühlt, sollte nach Worten von Doc Esser vorher zum Hausarzt gehen. Dort könnten ein Belastungs-EKG und eine Untersuchung durchgeführt werden. „Wer aber schon wieder richtig auf Leistung gehen und von 0 auf 100 will, der sollte sich umfangreicher untersuchen lassen und sogar eine MRT-Aufnahme des Herzens in Erwägung ziehen, um eine Herzbeteiligung komplett ausschließen zu können.“

Das Post-Covid-Syndrom

Das Post-Covid-Syndrom besteht aus verschiedenen Symptomen, die nach einer Infektion mit dem Coronavirus aufgetreten und mehr als zwölf Wochen nach Erkrankung weiterhin vorliegen. Patienten klagen laut Doc Esser über folgende Beschwerden:

- Fatigue = Erschöpftheit (Müdigkeit und Abgeschlagenheit)

- Lufthunger, eine Form von Atemnot

- Brain Fog = „Hirnnebel“, d.h. Stimmungsschwankungen, Schwindel, Gedächtnisverlust und Konzentrationsschwierigkeiten

- Riech- und Geschmacksstörungen

Corona: Geimpfte erkranken seltener am Post-Covid-Syndrom

Geimpfte und Geboosterte erkranken laut dem Arzt deutlich seltener am Post-Covid-Syndrom oder nur kurzfristig. „Aber: Komplett ausschließen lässt es sich nicht“, sagt er. Um das Risiko einer Langzeiterkrankung so gering wie möglich zu halten, rät Doc Esser jedem dringend dazu, sich impfen zu lassen.

Geplante Lockerungen sieht der Arzt kritisch: Bei Long Covid und Post Covid Betroffenen handele es sich durchgehend um 25- bis 45-Jährige, die alle vorher sehr leistungsstark waren. „Mit Blick auf diese Klientel habe ich schon Sorge, dass wir nochmal einen dramatischen Anstieg verzeichnen und viele Corona-Verläufe haben werden, die zwar als mild gelten, aber ‚Long-Covid‘-Symptome nach sich ziehen“, so der Arzt.

Eine Möglichkeit, Post-Covid-Patienten zu helfen, könnte eine bestimmte Art der Blutwäsche sein. Bisher wird die Therapie jedoch nicht von den Krankenkassen finanziert. Durch Studien könnte sich das in Zukunft aber ändern. (jb)

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