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Bittere Long-Covid-Studie: Neurologe enthüllt, wie oft Corona schlimme Langzeitfolgen hat

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Von: Markus Hofstetter

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Ein Schild mit der Aufschrift Long Covid
Laut einer Studie der Universität Essen lassen sich bei 90 Prozent der von Long Covid Betroffenen keine organische Ursachen feststellen © Michael Bihlmayer/imago

Laut einer Studie der Uni Essen haben Long-Covid-Symptome meistens psychologische und psychosomatische Gründe. Impfungen als Auslöser sind sehr unwahrscheinlich.  

Essen - In der Medizin spricht man von Long Covid, wenn Patienten nach einer überstandenen Corona-Infektion über einen längeren Zeitraum hinweg noch unter Beschwerden leiden. Die bisher gewonnenen Daten zu Long Covid sind noch nicht eindeutig.

So ist ein Ergebnis einer im Dezember 2021 veröffentlichten Studie der Mainzer Universitätsmedizin, dass rund 40 Prozent der Corona-Infizierten mehr als ein halbes Jahr später noch Symptome haben. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informiert, dass schätzungsweise zwei bis 20 Prozent der an Corona erkrankten Erwachsenen noch nach zwölf oder mehr Wochen an Beschwerden leiden. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge spüren zehn bis 20 Prozent der Menschen auch noch Monate danach die Auswirkungen der Erkrankung.

Long-Covid-Studie der Universität Essen: Schwere des Krankheitsverlaufs spielt keine Rolle

In einem Interview mit der Welt berichtet nun Christoph Kleinschnitz, Leiter der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Essen, über die Ergebnisse seiner Long-Covid-Studie. Diese basiert auf Daten von über 500 Patienten, die in der Long-Covid-Ambulanz der Klinik vorstellig wurden. Am Uniklinikum Essen selbst wurden über 3000 Akut-Covid-Patienten behandelt 

Laut Kleinschnitz führen zehn bis 15 Prozent aller Infektionen mit dem Coronavirus zu Long-Covid-Symptomen. Seinem Eindruck zufolge ist die Wahrscheinlichkeit nicht sehr hoch, dass das Eintreten von Langzeitfolgen von der Schwere des Krankheitsverlaufs abhängig ist. Allerdings geht er davon aus, dass diese Wahrscheinlichkeit bei einem milden Verlauf ein wenig geringer ist.

Die Studie zeigt, so Kleinschnitz, dass das häufigste Symptom pathologische Müdigkeit ist, auch Fatigue genannt. 60 Prozent der Long-Covid-Patienten sind davon betroffen. Mit etwa 40 Prozent folgen Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Unter Problemen bei der Wortfindung leiden 20 bis 30 Prozent der Patienten. Ebenso häufig sind Schwindel und Kopfschmerzen. Seltener berichten die betroffenen Personen von Schlaflosigkeit, innerer Unruhe, Angst und depressiven Verstimmung. Von einer länger andauernden Störung des Geruchssinns dagegen sind weniger als zehn Prozent betroffen.

Long-Covid-Studie der Universität Essen: 90 Prozent ohne organische Auffälligkeiten

Zu den Ursachen für Long Covid sagt Kleinschnitz der Welt: „Unsere Daten zeigen in 90 Prozent der Fälle keinerlei organische Auffälligkeiten. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Ursache für die meisten Symptome im psychologischen und psychosomatischen Bereich zu suchen ist. “ Dabei sei es ihm wichtig zu betonen, dass diese Menschen tatsächlich einen Leidensdruck hätten und die Symptome real und nicht eingebildet seien. Dort sehe ich mithin den wichtigsten Ansatzpunkt für die Behandlung der Patienten.

Ob auch noch Entzündungs- und Immunphänomene oder Mikrotrombosen eine Rolle bei Long Covid spielen, könne er allerdings nicht hundertprozentig ausschließen. Er halte dies aber nicht für sehr plausibel.

Long-Covid-Studie der Universität Essen: Impfungen als Auslöser sehr wenig wahrscheinlich

Ein Zusammenhang von Long Covid und Demenz hält Kleinschnitz für wenig wahrscheinlich, bei keinem einzigen Patienten habe man Sars-CoV-2-Viren im Nervenwasser nachweisen können. Allerdings will er zum gegenwärtigen Zeitpunkt einen Zusammenhang nicht komplett ausschließen. Sollte dies der Fall sein, rechnet er allerdings nicht mit einem Massenphänomen.

Impfungen sieht Kleinschnitz nicht als einen Auslöser für Long Covid. „Durch Studien ist aber gut belegt, dass Impfungen die Wahrscheinlichkeit für Long Covid verringern“, sagt er. Allerdings gebe es tragische Einzelfälle, etwa Sinusvenenthrombosen, akute Lähmungen und schwere Gehirnentzündungen. „Der große gesellschaftliche Nutzen der Corona-Impfungen hat diese seltenen Nebenwirkungen indes um ein Vielfaches aufgewogen“, so Kleinschnitz weiter.

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