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Expertin erklärt gravierende Long-Covid-Symptome - meist realisieren wir es erst viel später

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Von: Patrick Huljina

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Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, spricht nach dem Rundgang mit Sozialminister Heil durch die Reha-Klinik Seehof der Deutschen Rentenversicherung (DRV).
Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, berichtet über die Symptome einer Long-Covid-Erkrankung. (Archivbild) © Soeren Stache/dpa

Long Covid setzt Betroffenen auch noch Monate nach ihrer Corona-Infektion schwer zu. Dabei gibt es „bei Weitem nicht nur ein Krankheitsbild“, erklärt eine Expertin.

Berlin - Die Gefahren einer Infektion mit dem Coronavirus sind vielfältig. Einige sind offensichtlich, andere werden zunächst gar nicht als solche wahrgenommen. Neben den Symptomen, die unmittelbar nach einer Corona-Infektion auftreten, kann Long Covid den Erkrankten auch noch Monate später Probleme bereiten. Betroffene werden teilweise vollständig aus ihrem Berufsleben gerissen.

Long Covid: „Bei Weitem nicht nur ein Krankheitsbild“

Long-Covid-Kranke sind nach aktuellen Erfahrungen aus der Reha mit völlig unterschiedlichen gravierenden Symptomen konfrontiert. Dabei gebe es „bei Weitem nicht nur ein Krankheitsbild“, sagte Gundula Roßbach. „In unseren Einrichtungen haben wir es mit einer ganzen Menge verschiedener Symptome zu tun“, erklärte die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund der Deutschen Presse-Agentur.

„Wir merken verstärkt, dass die Menschen nicht nur aktuell an Covid-19 erkranken, sondern viele später das Post- oder Long-Covid-Syndrom entwickeln“, führte Roßbach weiter aus. „Viele Patientinnen und Patienten müssen erst realisieren, dass es sich um Long Covid handelt“, erklärte sie.

Long Covid: Herzprobleme, Luftnot, Angst, Depression – verschiedenste Symptome

Im Dezember veröffentlichte die Mainzer Universitätsmedizin eine Studie zum Thema Long Covid. Demnach haben rund 40 Prozent der Corona-Infizierten mehr als ein halbes Jahr später immer noch Symptome. Wie die Ergebnisse der Studie zeigen, trifft das Syndrom auch Infizierte mit milden oder asymptomatischen Corona-Verläufen. 

„Die Beschwerden sind unspezifisch – darunter Herzprobleme, Konzentrationsprobleme, Luftnot, Angststörungen, Depression oder chronische Müdigkeit“, so Roßbach. Manche Betroffene seien aus ihrem Berufsleben herausgerissen worden. Sie könnten sich teils Monate nach der eigentlichen Erkrankung nicht mehr richtig konzentrieren und beispielsweise Texte nicht mehr verstehen.

Long-Covid-Behandlung: „Vielfach betreten wir hier Neuland“

Bei der Behandlung der Long-Covid-Betroffenen kämen je nach Symptomen Reha-Kliniken etwa speziell für Kardiologie, Neurologie oder Psychosomatik infrage. „Vielfach betreten wir hier Neuland, weil fundierte Erfahrungswerte bislang fehlen“, so Roßbach. „Aber wir helfen bei der Erforschung mit, und wir merken, dass die Rehabilitation der Rentenversicherung mit all ihren Instrumenten den Menschen bei Long Covid hilft.“

Nach rund 10.000 Fällen im vergangenen Jahr erwartet die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund einen weiter steigenden Anteil. Angesichts von fast einer Million Reha-Leistungen im Jahr handele es sich aber nicht um eine beunruhigende Größenordnung. Roßbach berichtete, dass die Rentenversicherung derzeit auch private Reha-Kliniken mit mehreren hundert Millionen Euro im Jahr unterstützt. „Dadurch können wir die Reha-Landschaft in der Corona-Zeit stabilisieren und konsolidieren.“ Die Unterstützung laufe nach aktuellem Stand bis März.

Die Studie der Mainzer Universitätsmedizin zeigte im Hinblick auf Long Covid auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Dass auch Kinder und junge Menschen an dem Syndrom leiden können, zeigt unter anderem das Beispiel einer Achtjährigen aus Österreich. Eine 21-jährige Frau aus dem Landkreis Erding sitzt wegen Long Covid im Rollstuhl. (ph mit dpa)

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