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Muss man einen Lottogewinn versteuern? In Deutschland und Österreich nicht. In der Schweiz schon.

So ist die Rechtslage

Lotto & Co: Wann muss ich Gewinne versteuern?

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München - Muss man einen Lottogewinn versteuern? Wie sieht es aus mit Gewinnen aus TV-Shows und Preisgeldern? Hier erfahren Sie, ob und wann Sie etwas an das Finanzamt zahlen müssen.

Wer im Lotto gewinnt, hat doppelt Glück. Der Gewinner räumt einen Batzen Geld ab – und muss keinen Cent an den Fiskus abtreten. Bei Gewinnen aus TV-Shows und Preisgeldern verdient das Finanzamt dagegen oft kräftig mit. Wann muss man den Gewinn versteuern?

Ob ein Gewinn versteuert werden muss oder nicht hängt oft vom Einzelfall ab. Man könnte sagen: Es zählt der Glücksfaktor des jeweiligen Gewinnspiels. Entscheidet alleine das Glück (wie beim Lotto) bleibt der Gewinn steuerfrei. Hat sich der Gewinner seinen Gewinn dagegen quasi erarbeitet (zum Beispiel durch richtige Antworten in einer Quiz-Show) wird Einkommensteuer fällig. Dabei kommt es nicht selten zu Streitfällen. Ein Überblick für alle, die gerne ihr Glück versuchen:

Darum muss man Lottogewinne nicht versteuern?

Wer den Lottojackpot knackt, darf in Deutschland den kompletten Gewinn behalten. „Lottogewinne beim staatlichen Lotto oder auch bei Renn- und Sportwetten gleich welcher Größenordnung müssen in Deutschland prinzipiell nicht versteuert werden“, informiert die Steuerberaterkammer München. Der Grund: Die Vermögensteuer wurde in Deutschland 1997 abgeschafft. Ein Lottogewinn fällt außerdem unter keine der Einkunftsarten, die im Einkommensteuergesetz (EStG) aufgeführt sind. Der Gewinner erhält die volle Gewinnsumme ausgezahlt und muss keine Abzüge durch das Finanzamt fürchten. Steuern fallen erst an, wenn der Lottokönig große Summen verschenkt oder Zinsen versteuert werden müssen.

Schenkungsteuer: Wer an Freunde und Verwandte einen Teil des Gewinns verschenkt, sollte darauf achten, unterhalb der Freibeträge zu bleiben – sonst fällt Schenkungsteuer an. In der Familie sind die Freibeträge, die für einen Zeitraum von zehn Jahren gelten, relativ hoch: „500 000 Euro sind bei Schenkungen an Ehe- und eingetragene Lebenspartner frei. Für Kinder gelten 400 000 Euro, für Enkel 200 000. Bei Schenkungen an entferntere Verwandte oder Freunde liegt der Freibetrag bei 20 000 Euro“, erklärt Erkan Elden von der Kanzlei SSW in München, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht und Familienrecht.

Kapitalertragsteuer:  In der Regel bringen Lottogewinner ihr Geld (zumindest zum Teil) zur Bank. Sie wollen von der Verzinsung profitieren – auch wenn diese derzeit relativ niedrig ist. „Bei Zinseinkünften wird im Regelfall die sogenannte Kapitalertragsteuer durch die Banken einbehalten und abgeführt. Diese beträgt 25 Prozent der Zinseinnahmen“, erklärt Elden. Allerdings gilt auch hier ein Freibetrag – der sogenannte Sparerpauschbetrag. „Bei den Zinseinkünften wird der Sparerpauschbetrag in Höhe von jährlich 801 Euro und bei Zusammenveranlagung von Ehegatten in Höhe von jährlich 1602 Euro berücksichtigt“, so Elden.

Preisgelder und Co. versteuern: So ist die Rechtslage

Es gibt sowohl steuerpflichtige als auch nicht steuerpflichtige Einnahmen aus Preisen, heißt es bei der Steuerberaterkammer München. Dabei gilt folgende Regel: Besteht ein Zusammenhang zwischen dem Preisgeld und einer Einkunftsart gemäß EStG, fällt Einkommenssteuer an. Zwei Beispiele: Preisgeld bei einem Architekturwettbewerb oder ein Filmpreis. Einnahmen aus Preisen, deren Verleihung in erster Linie dazu bestimmt sind, das Lebenswerk des Empfängers zu würdigen oder die Persönlichkeit des Preisträgers zu ehren, sind dagegen steuerfrei – zum Beispiel ein Nobelpreis.

Ob Steuern fällig werden oder nicht, ist im Einzelfall allerdings oft umstritten – vor allem wenn es um Gewinne aus Reality- oder Casting-Shows im Fernsehen geht. Éinige solcher Fälle landeten bereits vor Gericht. Im Fall eines Big-Brother-Teilnehmers hat zum Beispiel der Bundesfinanzhof entschieden, dass der Gewinn in Höhe von einer Million Euro einkommensteuerpflichtig ist (Az.: IX R 6/10). Bei Quiz-Shows wie „Wer wird Millionär?“ ist die Sachlage dagegen meist klar. „Wenn sich Teilnehmer in einer Fernsehshow durch ihr Auftreten und Talent präsentieren, ist das nicht als steuerfreies Glücksspiel zu sehen“, erklärt unlängst Wolfgang Wawro, Sprecher des Deutschen Steuerberaterverbandes (DStV). Heißt also konkret: Gewinne aus Quiz-Shows muss man in der Regel versteuern.

Lottogewinne im Ausland versteuern?

Spezielle Regeln müssen Spieler beachten, die an ausländischen Glücksspielen teilnehmen. Grundsätzlich sei dabei Vorsicht geboten, warnt die Steuerberaterkammer München. „Es gilt hier unter anderem die Regelung, dass der Staat, in dem die Lotterie ansässig ist, auch die Steuern für die Gewinne festsetzt.“ Spieler sollten sich vorab genau informieren. In Österreich gelten die gleichen Gesetzte wie in Deutschland. Ein Lottogewinn muss grundsätzlich nicht versteuert werden. In der Schweiz muss ein Lottogewinn versteuert werden. Lottogewinne zählen laut Schweizer Steuergesetz zum Einkommen und müssen daher versteuert werden.

Beliebt bei Bundesbürgern, die in Grenznähe zu Österreich oder der Schweiz wohnen, ist die sogenannte EuroMillionen (in Österreich), beziehungsweise EuroMillions (in der Schweiz). Die Lotterie wird seit 2004 in mehreren europäischen Ländern gespielt – allerdings nicht in Deutschland. Der Deutsche Lotto- und Totoblock, die Gemeinschaft der 16 selbstständigen Lotteriegesellschaften in den Bundesländern, hat sich nicht an der Lotterie beteiligt. „Bundesbürger können aber über die Grenze fahren und zum Beispiel in einer österreichischen Annahmestelle einen Lotterieschein kaufen“, erklärt Rainer Holmer von der Staatlichen Lotterieverwaltung in Bayern. „Im Gegenzug kommen auch Spieler aus Nachbarländern nach Deutschland, um am Eurojackpot teilzunehmen.“ Der Eurojackpot ist ebenfalls eine europäische Lotterie, die in Deutschland und 16 weiteren Ländern gespielt wird – allerdings nicht in Österreich und der Schweiz.

Während es kein Problem ist, in Deutschland den Eurojackpot auch online zu spielen, rät Holmer dringend davon ab, einen Tippschein für die EuroMillionen im Internet zu kaufen. „Wer die EuroMillionen im Internet spielt, muss seinen Wohnsitz in einem Land haben, das die EuroMillionen anbietet“, erklärt er.

Online-Glücksspiel

Ob Poker, Roulette oder Lotto: Internet-Glücksspiele versprechen schnelles Geld mit wenigen Klicks. Doch wer von Deutschland aus daran teilnimmt, sollte sich vorher vergewissern, dass der Anbieter eine behördliche Genehmigung besitzt – sonst drohen empfindliche Strafen.

So verurteilte das Amtsgericht München kürzlich einen Spieler, der im Jahr 2011 Black Jack gespielt und viel Geld gewonnen hatte (Az.: 1115 Cs 254 Js 176411/13). Das Internet-Kasino des Anbieters aus Gibraltar war in Deutschland nicht zugelassen. Die Folge: Der Mann musste eine Geldstrafe von 2100 Euro zahlen – sein Gewinn von 63 490 Euro wurde eingezogen. In den Nutzungsbedingungen sei darauf hingewiesen worden, dass das Spiel in einigen Ländern verboten sei, hieß es zur Begründung. Die Teilnehmer sollten selbst prüfen, welche Gesetze für sie gelten.

Der Hintergrund: Seit 2012 gilt in Deutschland ein neuer Glücksspielstaatsvertrag. Mit der Novelle wurde der deutsche Glücksspielmarkt liberalisiert. Das Lottomonopol des Staates blieb zwar bestehen, auch die Veranstaltung öffentlicher Glücksspiele wie Poker und Casino-Spielen im Internet ist weiter grundsätzlich verboten. Allerdings können jetzt Online-Lotterien und -Sportwetten ausnahmsweise erlaubt werden.

Entscheidend ist, ob der Anbieter eine Zulassung in Deutschland hat. Ob eine gültige deutsche Lizenz vorliegt, sei für Laien allerdings oft schwer zu beurteilen, warnt Rainer Holmer. „Illegale Anbieter versuchen meist, die Spieler zu täuschen.“ Grundsätzlich sei das Lotterieangebot im Internet ein nicht ganz leicht zu überschauender Markt, warnt Holmer. Er rät deshalb Spielern zum Gang in die nächste Annahmestelle – oder bei Internetspielteilnahme zumindest einen Blick ins Impressum des jeweiligen Anbieters zu werfen. „Dort ist vielfach ersichtlich, ob eine deutsche Genehmigungsbehörde den Anbieter geprüft hat.“

Von Manuela Dollinger

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