Kommentar

Loveparade-Klage abgewiesen: Justizbankrott?

  • schließen

Bei der Loveparade 2010 in Duisburg starben 21 Menschen. Strafrechtlich verantworten muss sich trotzdem niemand, beschloss das Landgericht Duisburg. Dazu ein Kommentar von Alexander Weber.

Bei einer genehmigten Veranstaltung kommen in einer Massenpanik 21 Menschen zu Tode, 652 werden verletzt, manche so traumatisiert, dass sie auch fast sechs Jahre nach der Katastrophe nicht in ein geregeltes Leben zurückgefunden haben. Man muss kein Angehöriger der Opfer sein, um sich zu fragen: Und für dieses Leid soll niemand verantwortlich sein, der für die Planung und Durchführung der Loveparade Verantwortung trug?

Die Entscheidung des Landgerichts Duisburg, die Klage gegen zehn Beteiligte nicht zuzulassen, ist für die Opfer-Familien ein weiterer Tiefschlag. Und doch unterscheidet sich der Rechtstaat ja gerade durch die Unabhängigkeit der Justiz von jenen Systemen, in denen der Volkszorn oder die politisch Mächtigen nach Schuldigen rufen und sie eilfertig bekommen. Es müssen eben handfeste Beweise oder überzeugende Indizien vorhanden sein, bevor Menschen auf die Anklagebank gesetzt werden. Diese zu ermitteln hat die Staatsanwaltschaft in den Augen der Richter nicht geschafft. Gut, dass die Klage-Abweisung vom Oberlandesgericht noch einmal überprüft wird.

Wem werden die Oberrichter wohl Versagen nachweisen: dem Landgericht – oder der Staatsanwaltschaft?

Rubriklistenbild: © mzv-mm

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fünf Verletzte bei Explosion in Londoner U-Bahn-Station - kein Terror-Verdacht
Aufregung im Norden von London am Dienstagabend. In einer U-Bahn-Station sind am Dienstagabend bei einer Explosion fünf Menschen verletzt worden.
Fünf Verletzte bei Explosion in Londoner U-Bahn-Station - kein Terror-Verdacht
Eltern mit wenig Bildung: Kinder landen vor Bildschirmen
Wenn die Eltern lesen, lesen auch die Kinder. Wenn die Eltern auf Bildschirme starren, tun es ihnen die Kleinen gleich. Besonders in bildungsfernen Familien kommt es …
Eltern mit wenig Bildung: Kinder landen vor Bildschirmen
Transsexualität soll keine psychische Erkrankung mehr sein - Videospielsucht schon
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will Transsexualität von der Liste psychischer Erkrankungen streichen. Videospielsucht soll dagegen aufgenommen werden.
Transsexualität soll keine psychische Erkrankung mehr sein - Videospielsucht schon
„Wunderwaffe der Nazis“: Neues Ufo-Spielzeug sorgt für heftige Reaktionen
Ein merkwürdiges Spielzeug hat in den vergangen Tagen für Aufregung gesorgt. Der Hersteller musste viel Kritik einstecken – und macht nun einen Rückzieher.
„Wunderwaffe der Nazis“: Neues Ufo-Spielzeug sorgt für heftige Reaktionen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.