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Loveparade 2006: Eine Raverin tanzt ausgelassen vor der Siegessäule in Berlin.

Als die Raver kamen

Loveparade-Nachlass in Berlin aufgetaucht

Berlin - Loveparade in Berlin, das ist lange her. In den 90er Jahren zog das Massenspektakel Techno-Fans aus aller Welt an. Jetzt ist ein riesiger Nachlass aufgetaucht, der an schillernde Zeiten erinnert.

Tanzende und glückliche Menschen, soweit das Auge reicht: Die Loveparade war einmal eine fröhliche Veranstaltung. Nach dem Unglück in Duisburg vor zwei Jahren mit 21 Toten haben das viele vergessen. Aber nun könnte ein überraschender Fund dafür sorgen, dass die Erinnerung an die ausgelassenen Jahre des Techno-Spektakels neu auflebt. Er steht seit kurzem im Archiv der Jugendkulturen in Berlin-Kreuzberg, verpackt in 50 braunen Umzugskartons.

Enthalten ist der Nachlass aus elf Berliner Loveparade-Jahren, manches reicht bis 1993 zurück: Unzählige Transparente und Flyer, VIP-Pässe, tausende Fotos und Videos, bunter Merchandising-Kram bis hin zu Ordnerwesten und Lageplänen vom Tiergarten, wo in Spitzenzeiten bis zu 1,5 Millionen Raver feierten. Beim Archiv der Jugendkulturen ist man begeistert und spricht von einem „kulturellen Schatz“. „Die Sammlung hat einen unschätzbaren Wert“, sagt Kulturwissenschaftler und Archivmitarbeiter Daniel Schneider.

Die 50 Pappkartons hatten nicht auf einem Dachboden gelegen, sondern in einem Seecontainer auf dem Gelände des ehemaligen Techno-Clubs „E-Werk“ in Berlin-Mitte. Eigentümer war Ralf Regitz, einst Loveparade-Organisator und „E-Werk“-Mitgründer. Regitz starb überraschend im Januar 2011 im Alter von 46 Jahren. Und als dieses Jahr der Mietvertrag für das „E-Werk“-Gelände auslief, musste der Container mit den Reliquien der Loveparade weg. Über Ecken landete das illustre Erbe beim Archiv der Jugendkulturen.

Die Kreuzberger haben schon manch andere Kultursammlung übernommen. Für eine weitere fehlt aber der Platz, erst recht für 50 Umzugskartons. „Wir wollen das Ganze einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen“, sagt Archivmitarbeiter Christopher Kruit, der den Nachlass einer ganzen Feiergeneration als Erster gesichtet hat.

Möglich wäre etwa eine Dauerausstellung über die Loveparade. Auch ein „Archiv für Rave- und Clubkultur“ können Kruit und Schneider sich vorstellen, mit weiteren Abteilungen. Denn Techno lebt in Berlin ja weiter. In jedem Fall brauchen sie viel Platz. Unterstützer und Spendengelder wären auch nicht schlecht. Davon hatte das überwiegend ehrenamtlich geführte Archiv der Jugendkulturen nie besonders viel. 2010 stand man finanziell vor dem Aus, bis prominente Musiker wie Jan Delay beisprangen.

Im Juli soll es in der Hauptstadt eine neue Raver-Parade geben, zwei Jahre nach dem Desaster in Duisburg. Die Veranstalter der „B-parade“ rechnen mit 350 000 Besuchern. Die Technoszene ist skeptisch. „Wir sehen einfach nicht, dass hier irgendeine Unterstützung besteht“, erklärte die Berliner Clubcommission im März. Daran hat sich offenbar nicht viel geändert. „Die "B-Parade" geht völlig an der Szene vorbei, reiner Kommerz“, meint Christopher Kruit und legt eine buntes Transparent aus dem Jahr 2000 in die Pappkartons zurück. Überschrift: „One World One Loveparade“.

dpa

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