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Ein Feuerwehrfahrzeug für die Wasserversorgung steht vor einem Lübecker Krankenhaus.

Lübeck stundenlang ohne Trinkwasser

Lübeck - Sieben Stunden lang kein oder kaum Wasser: Die stolze Hansestadt Lübeck saß am Sonntag auf dem Trockenen - der größte Versorgungsausfall seit dem Zweiten Weltkrieg. Während Krisenstäbe gebildet wurden, halfen sich die Lübecker mit Humor über den Tag.

Und heute schon geduscht? Wer am Sonntagmorgen in Lübeck seinen Wasserhahn aufdrehte, erlebte eine unangenehme Überraschung. Teilweise tröpfelte nur ein Rinnsal heraus, oft kam gar nichts mehr. Die stolze Hansestadt mit ihren mehr als 200 000 Einwohnern und rund 130 000 Haushalten saß plötzlich auf dem Trockenen. Bis zum Nachmittag war die gesamte Trinkwasserversorgung zusammengebrochen. Krisenstäbe wurden eingerichtet und Notfallpläne ausgearbeitet. Die Lübecker suchten derweil pragmatische Lösungen.

“Das ist der größte Versorgungsausfall in Lübeck seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Lars Hertrampf, Sprecher der Stadtwerke. Die Mitarbeiter suchten mit Hochdruck nach der möglichen Fehlerquelle. Die Stadtwerke, Feuerwehr und das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein richteten sich auf den Notfall ein.

Das Universitätskrankenhaus stellte die Leitungen ganz ab und pumpte Wasser aus den Brunnen. Drei Feuerwehren waren vor dem Großklinikum stationiert, um die Wasserversorgung zu gewährleisten. Es hätten aber keine Operationen abgesagt werden müssen, sagte Sprecher Oliver Grieve.

In den Sana-Kliniken im Stadtteil St. Jürgen gab es gar kein Wasser mehr. “Ich habe es probiert, da kam gar nichts raus“, sagte Sprecherin Sibylle Beringer. Die Feuerwehr lieferte Nutzwasser über Hydranten und brachte Trinkwasser. Alle geplanten Operationen wurden auch durchgeführt. Im Krankenhaus Rotes Kreuz auf Marli floss auf manchen Stationen kein Wasser mehr. Einige Patienten dort wurden mit Selterwasser gewaschen, auf den Toiletten standen Eimer mit Wasser bereit.

So manchem Besucher in der Marzipanstadt dürfte der Wassermangel das Touristen-Pflichtprogramm vermasselt haben: Ein Besuch in den Cafés des bekannten Marzipanherstellers Niederegger in der Altstadt fiel aus; sie hatten schließen müssen. Wer aber unbedingt eine Marzipantorte verzehren wollte, konnte auch in den 15 Kilometer entfernten Stadtteil Travemünde an der Ostsee fahren, da floss nicht nur das Meerwasser den ganzen Tag.

Viele Bürger waren äußerst besorgt: Ab 9.00 Uhr standen bei Polizei und Feuerwehr die Telefonen nicht mehr still, hunderte Anrufe gingen ein und überlasteten die Telefonleitungen. Viele besorgten sich bei Tankstellen Trinkwasser, bei wem das Wasser noch floss, der legte Vorräte in Eimern an. So mancher nahm es auch mit Humor: “Na, zum Zähneputzen geht ja auch Selter“, schrieb Micha in den Leserkommentaren auf LN-Online. Ernie bekannte sich: “ Ich wasch mich eh nicht so oft.“ Und Anna schlug vor: “Alle ab in die Trave.“

In dem Fluss, der durch Lübeck fließt, war möglicherweise auch die Problemstelle, ein Leck in einer Leitung. Nachdem zwei Ventile im Rohrnetz geschlossen wurden, ließ sich das Leck zumindest umgehen. Am Nachmittag schoss das Wasser wieder mit gewohnten Druck aus den Hähnen.

dpa

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