+
Der Linienbus, in dem der Fahrgast Mitreisende mit einem Messer angriff, wird vom Tatort abgeschleppt. Foto: Markus Scholz

Kein Terror-Hintergrund

Lübecker Messerangreifer in U-Haft

Nach der Gewalttat in einem Lübecker Linienbus sitzt der mutmaßliche Täter wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft. Über das Motiv rätseln die Ermittler weiter - für einen terroristischen Hintergrund gebe es aber keine Hinweise.

Lübeck (dpa) - Der mutmaßliche Messerangreifer von Lübeck sitzt seit Samstag in Untersuchungshaft. Ein Haftrichter am Lübecker Amtsgericht erließ auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen den 34-Jährigen - unter anderem wegen versuchten Mordes.

Der Mann, ein Deutscher iranischer Herkunft, schweigt nach Justizangaben weiterhin hartnäckig zu seinem Motiv. Ihm werden auch gefährliche Körperverletzung, Körperverletzung und versuchte besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am frühen Samstagnachmittag mit. Er soll am Freitag in einem Linienbus in Lübeck zehn Menschen zum Teil schwer verletzt haben. Zunächst habe der Mann in dem mit vielen Fahrgästen besetzten Bus einen Rucksack angezündet und anschließend mit einem Messer wahllos um sich gestochen haben. Fahrgäste überwältigten den Mann schließlich und übergaben ihn der Polizei.

"Der Verdacht des versuchten Mordes hat sich aus den Videoaufzeichnungen der Überwachungskameras in dem Bus ergeben, die noch am Freitagabend ausgewertet wurden", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Ulla Hingst. Demnach habe der Beschuldigte den Bus in Brand setzen und dadurch möglichst viele Menschen verletzen wollen.

"Es besteht der Verdacht, dass er auch den Tod von Fahrgästen billigend in Kauf genommen hat, so dass wir von versuchtem Heimtückemord mit gemeingefährlichen Mitteln ausgehen", so Hingst. Zahlreiche Zeugenaussagen erhärteten diesen Verdacht. Auch die schwere Stichverletzung eines 21 Jahre alten Fahrgastes spricht nach Ansicht der Staatsanwaltschaft für versuchten Heimtückemord. Der junge Mann aus den Niederlanden wurde durch eine mehrstündige Notoperation gerettet, aktuell bestehe keine Lebensgefahr, hieß es.

Die Ermittler gehen indes weiterhin nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. "Wir haben keine Hinweise darauf, schließen aber weiterhin nichts aus und ermitteln in alle Richtungen", sagte Hingst. Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) hatte in einer Pressekonferenz am Freitagabend einen Terror-Hintergrund bereits ausgeschlossen.

Das Motiv des mutmaßlichen Messerstechers war auch am Samstag noch unklar. "Er hat sich bislang nicht zu den Tatvorwürfen geäußert", so die Staatsanwältin. Anhaltspunkte für verminderte Schuldfähigkeit aufgrund einer psychischen Erkrankung habe man bislang nicht. Es sei aber ein psychiatrischer Sachverständiger beauftragt worden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

22-Jährige sorgt mit Schal für Unfall: Radler prallt gegen Auto
Im westfälischen Münster gibt es mehr Fahrräder, als Einwohner. Fahrradunfälle kommen deshalb regelmäßig vor. Doch dieser hier war ganz besonders unglücklich. 
22-Jährige sorgt mit Schal für Unfall: Radler prallt gegen Auto
Brandanschlag in Hamburg: 28-Jähriger zündet mehrere Menschen an - eine Person stibt 
Bei einem Brandanschlag in Hamburg hat ein 28-Jähriger sich selbst und zwei Mitarbeiter des Bezirksamts angezündet. Dabei kam eine Person ums Leben, ein weiterer sowie …
Brandanschlag in Hamburg: 28-Jähriger zündet mehrere Menschen an - eine Person stibt 
Wegen Sturmtief „Fabienne“: Fahrgeschäfte auf Oktoberfest standen still
Am Sonntagabend zog das Sturmtief „Fabienne“ durch große Teile Bayerns. Auf dem Oktoberfest standen zeitweise sogar Fahrgeschäfte still. 
Wegen Sturmtief „Fabienne“: Fahrgeschäfte auf Oktoberfest standen still
Forscher filmen Aal mit Riesenmaul
Honolulu (dpa) - Wissenschaftlern sind seltene Filmaufnahmen eines aufgeblasenen Pelikanaals gelungen: Auf dem Video ist zu sehen, wie der Aal sein Maul aufreißt, eine …
Forscher filmen Aal mit Riesenmaul

Kommentare