Malerisch gelegen ist die Burg von Vianden - und versprüht mittelalterliches Ambiete
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Die Burg Vianden eine der größten touristischen Attraktionen von Luxemburg

Großherzogtum in Europas Mitte

Luxemburg: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

Luxemburg ist ein kleines, ausgesprochen wohlhabendes Land zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien. Das Festhalten an der eigenen Kultur drückt die Bevölkerung des Großherzogtums mit seinem Wahlspruch aus: „Mir wëlle bleiwe wat mir sinn.“

  • Luxemburg wurde erst 1890 ein vollkommen unabhängiger Staat.
  • Staatsoberhaupt ist seit 2000 Großherzog Henri.
  • Luxemburg gilt als reichstes Land der Welt.

Luxemburg – Bei der Erwähnung des kleinen Landes an der Westgrenze fällt den meisten Menschen nicht viel ein. Sie kennen das Großherzogtum als Sitz von Radio Luxemburg und als Paradies für günstiges Tanken. Doch Luxemburg ist ein bedeutendes Finanzzentrum und Sitz wichtiger EU-Institutionen.

Luxemburg: Die frühe Geschichte

Das spätere Luxemburg war bereits in der Frühzeit besiedelt und wurde im 1. Jahrhundert n. Chr. Teil des Römischen Reiches. Mit dem Zerfall des Imperium Romanum drangen fränkische Stämme aus Germanien in das Gebiet ein. Zur gleichen Zeit erfolgte die Christianisierung der Region durch Missionare wie Willibrord, der 698 das Kloster Echternach gründete.

963 wurde erstmals die Burg Lucilinburhuc (Lützelburg) auf dem Bockfelsen erwähnt, der sich heute im Zentrum der Hauptstadt Luxemburg befindet: Der Ardenner Graf Siegfried I. hatte den Felsen im Tal der Alzette bei der Abtei St. Maximin in Trier gegen Ländereien in Feulen getauscht. Sein Nachfahre Konrad I. legte sich 1059 als Erster den Titel Graf von Luxemburg zu. Im 11. Jahrhundert zogen die Herren von Vianden aus der Eifel ins Tal der Our und erbauten dort eine imposante Burg, der sie ihren Namen gaben. Heute ist die Burg Vianden eine der größten touristischen Attraktionen von Luxemburg.

Luxemburg im Mittelalter und in der Neuzeit

In den folgenden Jahrhunderten wechselten sich mehrere Dynastien ab, ehe Luxemburg nach dem Zerfall des Burgundischen Reiches 1477 an das Haus Habsburg kam und somit Teil des Heiligen Römischen Reiches wurde. Die Truppen des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. annektierten das Herzogtum für eine Weile, ehe es gemeinsam mit Belgien als österreichische Niederlande wieder den Habsburgern zugesprochen wurde.

Von 1795 bis 1814 war Luxemburg noch einmal französisch, ehe es im Wiener Kongress 1815 neu aufgeteilt wurde. Der östliche Teil um Bitburg kam zu Preußen, der westliche Teil sollte ein eigenständiges Großherzogtum werden, das vom Haus Nassau-Oranien zusammen mit dem neuen Königreich der Vereinigten Niederlande regiert werden sollte. Als Belgien 1839 seine Unabhängigkeit von den Niederlanden erklärte, erhielt der neue Staat einen Teil des luxemburgischen Gebietes um Bastogne und Arlon zugesprochen.

Luxemburg wird unabhängig

Als selbstständiges Großherzogtum blieb nur noch ein recht kleines Gebiet um die Festungsstadt Luxemburg übrig, das der Verwaltung des Deutschen Bundes unterstellt war. Als dieser nach dem preußisch-österreichischen Krieg 1866 aufgelöst wurde, besaß Preußen kein Recht mehr, preußische Truppen in der Festung Luxemburg zu stationieren. Napoleon III. wollte die Chance nutzen, sich Luxemburg einzuverleiben. Die Luxemburger selbst wollten jedoch weder zu Frankreich noch zu Preußen gehören. Sie wandten sich mit der Petition „Mir wëlle bleiwe wat mir sinn“ (wir wollen bleiben, was wir sind) an ihren Großherzog. 1867 erhielten sie mit dem zweiten Londoner Vertrag ihren Willen. Luxemburg sollte ein neutrales unabhängiges Großherzogtum werden. Die mächtigen Festungen der Hauptstadt wurden geschleift und die letzten preußischen Truppen zogen ab.

Nominell unterstand Luxemburg zu diesem Zeitpunkt noch dem niederländischen Königshaus. In diesem folgte 1890 Prinzessin Wilhelmina von Nassau-Oranien ihrem Vater auf den Thron. In Luxemburg galt jedoch das französische „salische Erbfolgerecht“, das nur männliche Thronerben vorsah. Der Titel des Großherzogs ging damit an Adolph von Nassau-Weilburg, der die eigenständige luxemburgische Dynastie begründete.

Luxemburg im 20. Jahrhundert

Das ohnehin umstrittene salische Erbfolgerecht musste in Luxemburg schon bald abgeschafft werden, denn Großherzog Wilhelm IV. von Luxemburg war mit einer Schar von sechs Töchtern gesegnet. Mit Zustimmung des Parlaments wurde die älteste Tochter Marie-Adelheid zur Thronfolgerin ernannt. Als Großherzogin brachte sie die Luxemburger im Ersten Weltkrieg mit ihrer pro-deutschen Haltung gegen sich auf.

1919 kam es kurz zu einer Revolte, bei der die Luxemburgische Republik ausgerufen wurde. Da die Revolutionäre beim Volk keine Unterstützung fanden, war der Aufstand nach sechs Tagen vorbei. Großherzogin Marie-Adelheid verzichtete zugunsten ihrer jüngeren Schwester Charlotte auf den Thron. Bei einem Referendum entschieden sich 77,8 Prozent der Bevölkerung für den Erhalt der Monarchie und 60,13 Prozent für den wirtschaftlichen Anschluss an Frankreich.

Im Zweiten Weltkrieg floh Großherzogin Charlotte mit ihrer Familie ins Exil nach London. Die Bemühungen der Nazis, Luxemburg wieder „deutsch“ zu machen, bewirkten das Gegenteil und ließen das luxemburgische Nationalgefühl erstarken. So wurde die eigene Sprache Lëtzebuergisch erst recht gepflegt.

Luxemburg heute

Nach dem Zweiten Weltkrieg schloss sich Luxemburg mit Belgien und Niederlanden zu einer Zoll- und Wirtschaftsunion (Benelux) zusammen und wurde 1952 Sitz der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion). In den folgenden Jahren trat der Staat zahlreichen weiteren Organisationen bei und war 1957 Gründungsmitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Seither spielte Luxemburg eine wichtige Rolle in der europäischen Einigung. Die Hauptstadt Luxemburg ist Sitz mehrerer EU-Institutionen wie der EU-Kommission, des Europäischen Gerichtshofes und des EU-Ministerrates. Die luxemburgische Grenzgemeinde Schengen an der Mosel stand Pate für das Schengener Abkommen, mit dem die EU auf interne Grenzkontrollen zwischen den Mitgliedsstaaten verzichtete.

Als internationaler Finanzplatz wurde Luxemburg zu einem wohlhabenden Staat und gilt (mit Ausnahme der Zwergstaaten Monaco und Liechtenstein) als reichstes Land der Welt. Der Kaufkraftstandard eines Luxemburgers liegt bei 253 Prozent des EU-Durchschnitts. Allerdings steht das Großherzogtum aufgrund seiner Politik als europäische Steueroase zunehmend in der Kritik.

Luxemburg und seine Politik

Nominelles Staatsoberhaupt von Luxemburg ist der Großherzog, der seine Rechte heute weitgehend formal ausübt. 2008 wurde ihm durch eine Verfassungsänderung auch das Vetorecht genommen. Aktueller Herrscher im Staat ist seit 2000 Großherzog Henri von Nassau, der mit seiner Familie auf Schloss Berg lebt.

Die eigentliche Politik wird von der Regierung und der Abgeordnetenkammer (Chambre des Députés) bestimmt. Der Regierung steht seit 2013 Premierminister Xavier Bettel von der liberalen Demokratesch Partei (DP) vor, die in Koalition mit den luxemburgischen Grünen und der Lëtzebuerger Sozialistesch Aarbechterpartei (Luxemburger Sozialistische Arbeiterpartei) regiert.

Luxemburg – die wichtigsten Fakten:

  • Fläche: 2.586 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 626.108
  • Staatsform: parlamentarische Monarchie
  • Hauptstadt: Luxemburg
  • Amtssprachen: Lëtzebuergisch, Deutsch, Französisch

Luxemburg: Bevölkerung und Sprache

Luxemburg nimmt eine demografische Sonderstellung in Europa ein: Der Ausländeranteil an der Bevölkerung beträgt 47,9 Prozent. Die wichtigsten Gruppen im Überblick:

RangHerkunftslandAnzahl
1Portugal96.554
2Frankreich\t45.822
3Italien\t21.962
4Belgien\t20.212
5Deutschland\t13.146

Dazu pendeln täglich rund 167.000 Grenzgänger aus den benachbarten Ländern zur Arbeit nach Luxemburg.

Die eigene Sprache besitzt im Staat einen hohen Stellenwert: Lëtzebuergisch gehört zu den moselfränkischen Dialekten und wurde früher als Mundart des Deutschen wahrgenommen. Durch den Einfluss französischer Lehnwörter erlangte sie den Status einer eigener Sprache. 73 Prozent der Bevölkerung von Luxemburg geben Lëtzebuergisch als Muttersprache an.

Daneben sind Französisch und Deutsch offizielle Amtssprachen, wobei Französisch durch die wirtschaftliche Nähe zu Frankreich und Belgien eine größere Bedeutung hat. So werden alle Gesetze und offizielle Regierungsmitteilungen auf Französisch veröffentlicht, aber nicht auf Deutsch.

Luxemburg: Geografie und Städte

Die Geografie des kleinen Landes im Herzen Europas wird von bewaldeten Bergen, Hügeln und Flusstälern geprägt. Im Süden liegt das fruchtbare Gutland (Pays Bon), das intensiv landwirtschaftlich genutzt wird. Das Ösling im Norden ist Teil der Ardennen und steht teilweise unter Naturschutz. Eine große Bedeutung für den Staat haben seine Flüsse: Die bei Esch gestaute Sauer versorgt Luxemburg mit Trinkwasser und an der Our bei Vianden steht das größte Pumpspeicherkraftwerk Europas.

Die größten Städte von Luxemburg im Überblick (Stand 2019):

RangStadtEinwohner
1Luxemburg119.215
2Esch-sur-Alzette35.382
3Differdange26.796
4Dudelange21.154
5Pétange19.154

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