Streit über Führung im Libyen-Krieg

Brüssel - Nur zwei Tage nach Beginn des Militäreinsatzes in Libyen droht Uneinigkeit über das Kommando die Intervention zu gefährden. Die USA starteten am Montag eine neue Angriffswelle, wollen ihre Führungsrolle aber so schnell wie möglich loswerden.

Eine Steuerung durch die NATO blockiert bislang allerdings die Türkei. Am Abend wurde dem libyschen Fernsehen zufolge die Hauptstadt Tripolis zum Ziel neuer alliierter Luftangriffe.

In der Stadt war nach Einbruch der Dunkelheit das Feuer von Flugabwehrgeschützen zu hören. Damit begann die dritte Nacht alliierter Luftangriffe gegen Libyen. Zuvor hatten die USA nach Militärangaben zwölf Marschflugkörper auf Luftabwehrstellungen, Kommandozentralen und Abschussbasen in Libyen abgefeuert. In der Nacht hatte ein Marschflugkörper eine Residenz al Gaddafis in Tripolis zerstört.

Militärschlag gegen Libyen: Die Bilder

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Die Führung im Libyen-Krieg wollte ursprünglich Frankreich an sich reißen, inzwischen will die Regierung in Paris aber die NATO mit ins Boot holen. Auch der italienische Außenminister Franco Frattini forderte in Brüssel: “Wir müssen von einer Koalition der Willigen zu einem koordinierteren Ansatz unter der NATO kommen.“

Dies blockiert allerdings der Bündnispartner Türkei aus Ärger darüber, dass Ankara von Frankreich nicht zum Libyen-Gipfel am Wochenende eingeladen wurde. Ohne Zustimmung der Türkei kann die NATO weder das Oberkommando des Einsatzes übernehmen noch die Durchsetzung der Flugverbotszone über Libyen in die Hand nehmen.

Washington will Hauptverantwortung abgeben

US-Verteidigungsminister Robert Gates erklärte, Washington erwarte, “innerhalb weniger Tage den Fall in die hauptsächliche Verantwortung anderer zu legen.“ Die USA, die seit Samstag die meisten Angriffe gegen Stellungen Gaddafi-treuer Truppen geflogen haben, wollten die Koalition weiterhin militärisch unterstützen. Sie würden “aber nicht die Hauptrolle spielen“, sagte Gates.

US-Präsident Barack Obama sprach sich für eine Entmachtung Gaddafis aus. Das militärische Vorgehen der USA sei dennoch ausschließlich darauf ausgerichtet, die Zivilbevölkerung zu schützen und eine humanitäre Katastrophe in Libyen zu verhindern, sagte Obama während eines Aufenthalts in Chile.

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin äußerte scharfe Kritik an dem Militäreinsatz gegen Gaddafi. Die den Angriffen vorausgegangene UN-Resolution erinnere ihn an einen “mittelalterlichen Aufruf zum Kreuzzug“, sagte Putin. Russland hatte sich bei der Abstimmung im Weltsicherheitsrat enthalten.

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin äußerte scharfe Kritik an dem Militäreinsatz gegen Gaddafi. Die den Angriffen vorausgegangene UN-Resolution erinnere ihn an einen “mittelalterlichen Aufruf zum Kreuzzug“, sagte Putin. Russland hatte sich bei der Abstimmung im Weltsicherheitsrat enthalten.

Von Richard Lardner und Tobias Schmidt

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