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"Madame, Sie müssen raus!"

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- München - Die Rückholaktion für Tausende deutscher Urlauber aus dem Katastrophengebiet in Thailand läuft auf Hochtouren. Als in der Nacht zum Mittwoch ein LTU-Jet mit über 250 Passagieren aus Phuket auf dem Münchner Flughafen landet, herrscht bei vielen Heimkehrern ein Gefühl der Erleichterung und der Dankbarkeit vor. Keiner, der den Journalisten über traumatische Erlebnisse berichtet, bestätigt Berichte über ein völliges Chaos am Flughafen in Phuket.

Stattdessen sind die Urlauber voll des Lobes für die Arbeit der thailändischen Behörden und der Einheimischen: "Die haben sich sehr schnell und professionell bemüht, uns zu unterstützen", berichtet etwa der aus Graz stammende Urlauber Helmut Herrmann. "Wir sind überall bestens verpflegt und versorgt worden."

Der Grazer hatte zusammen mit einer befreundeten Familie mit insgesamt sechs Kindern einen dreiwöchigen Urlaub in der Bungalow-Siedlung Bangtao-Beach gebucht. "Die Anlage ist zu 80, 90 Prozent zerstört", sagt er. "Da sieht es aus wie nach einem Bombentreffer." Der Mann wurde mit den Kindern im Schlaf von der Katastrophe überrascht. "Leute haben wild an unsere Türen geklopft und nur geschrien: ,Run, run, run!" Als er die Tür aufgemacht habe, sah er die riesige Welle nach eigenen Angaben bereits kommen. "Wir haben die Kinder quasi auf die Dächer geworfen, um schnellstmöglich raus zu kommen."

Auch sein Freund Peter Schimpl, der mit seiner Familie zwei Nächte am Flughafen verbracht hat, bestätigt die Eindrücke: "Die Hilfsbereitschaft der Thais ist gewaltig", betont er. "Die haben uns gleich weggeführt ins Hinterland und uns Getränke und Essen gebracht." Am Flughafen sei sofort ein deutscher Fluglinien-Mitarbeiter da gewesen und habe die Heimflüge organisiert. Eine Münchnerin fügt hinzu, ihr hätten Einheimische sogar mit Bargeld aushelfen wollen.

Eine aus Schottland stammende Touristin berichtet, dass sie ihr Leben thailändischen Hotelangestellten verdanke: "Es war schlimm, ich war auf Phi Phi Island." Sie sei gerade erst in dem Hotel angekommen und wollte ihren Koffer auspacken, als Mitarbeiter an ihre Türe gehämmert hätten: "Madame, Sie müssen raus." Mit ihrem Handgepäck habe sie sich aufs Dach retten können. Von dort aus habe sie mitansehen müssen, wie Einheimische tot in der Schreckensflut trieben.

Auch der aus der Nähe von Ingolstadt stammende Urlauber Fritz Öttinger würdigt die Betreuung durch örtliche Behörden als vorbildlich: "Die Thais haben sich unheimlich bemüht." Der Bayer, der seine restlichen Habseligkeiten in einem Kopfkissenbezug als Beutel bei sich hat, wundert sich allerdings auch, dass am Airport in Phuket zwar italienische Soldaten aufgetaucht seien, um sich um ihre Landsleute zu kümmern, aber niemand von Bundesseite.

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