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Miguel Ángel Treviño Morales ist gefasst.

Er war besonders grausam

Mächtiger Drogenboss in Mexiko gefasst

Mexiko-Stadt - Mexiko ist ein Schlag gegen die Drogenmafia geglückt: „Z-40“, der Chef der mächtigen „Zetas“ sitzt hinter Schloss und Riegel. Ob damit die Kartelle insgesamt geschwächt werden, ist nach eher fraglich.

Der Drogenboss liebte die Rennpferde. Sie hörten auf so klangvolle Namen wie „Cartel Number One“ oder „Mr. Piloto“, und sie dienten dem Chef des mächtigen „Zeta“-Kartells nicht nur als Zeitvertreib. Denn Kauf und Aufzucht wertvoller Vollblüter nutzte Miguel Ángel Treviño Morales auch zur Geldwäsche in großem Stil. Dafür unterhielt er eine erfolgreiche Firma in den USA, die von seinem Bruder José gemanagt wurde.

José wurde voriges Jahr wegen Geldwäsche in den USA verhaftet, und nun sitzt auch Pferdenarr Miguel Ángel hinter Gittern. Seine Festnahme durch mexikanische Marinesoldaten zu Wochenbeginn gilt als erster großer Erfolg des neuen Staatspräsidenten Enrique Peña Nieto im Kampf gegen die mächtigen Drogenkartelle.

Doch ob die Festnahme eines bekannten Gangsterbosses die Drogenmafia insgesamt schwächt, ist nach allen Erfahrungen der Vergangenheit kaum zu erwarten. Ihr Hauptgeschäft ist der Schmuggel südamerikanischen Kokains nach Nordamerika, das ein riesiger Markt für Rauschgift ist.

Besondere Grausamkeiten

An einer der Schnittstellen des Drogenhandels wurde Treviño vor 40 Jahren geboren: in Nuevo Laredo, einer öden Grenzstadt am Rio Grande, die Mexiko von den Vereinigten Staaten von Amerika trennt. Nach einem Bericht der „New York Times“ stammt er aus einer kinderreichen Familie - sechs Jungen, sechs Mädchen. Auch mehrere seiner Geschwister sollen ins organisierte Verbrechen abgeglitten sein. Er selbst verbrachte einen Teil seiner Jugend jenseits der Grenze, in Dallas im US-Bundesstaat Texas.

Miguel Ángel Treviño landete später bei den „Zetas“, einem für seine Grausamkeit berüchtigten Drogenkartell. Diese arbeiteten zuerst für das Golfkartell, bevor sie sich 2010 von diesem lösten. Schon damals ging Treviño nicht nur dem Drogenhandel nach. Seine Leute kidnappten auch Migranten aus den zentralamerikanischen Nachbarländern, die auf dem Weg in die USA schutzlos durch Mexiko irrten. Wenn bei den armen Teufeln kein Lösegeld zu holen war oder sie sich weigerten, mit den „Zetas“ zusammenzuarbeiten, wurden sie ermordet und zerstückelt. Einige wurden in Massengräbern gefunden.

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Treviño, alias „Z-40“, hatte erst im vorigen Oktober die Führung der „Zetas“ von Heriberto Lazcano („Z-3“) übernommen, der von den Sicherheitskräften erschossen wurde. Bis heute ist nicht klar, ob Treviño seinen Boss ans Messer lieferte, jedenfalls waren beide seit langem zerstritten.

Treviño und Lazcano reihen sich ein in die lange Reihe der Gangster, die von den Fahndungsplakaten gestrichen werden konnten, weil sie entweder gefasst oder getötet wurden. Doch fast immer stand der Nachfolger schon bereit, oder rivalisierende Kartelle nahmen einer geschwächten Bande Marktanteile weg.

Ein von der Zeitung „Dallas Morning News“ zitierter US-Fahnder schätzte am Montag, das nun im Nordosten Mexikos erst einmal blutige Machtkämpfe zwischen verfeindeten Fraktionen ausbrechen könnten. Von einer Schwächung der „Zetas“ könnte das Sinaloa-Kartell im Nordwesten des Landes profitieren, dessen Chef Joaquín „El Chapo“ Guzmán 2001 die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis gelang. Als möglicher Nachfolger Treviños wird in der mexikanischen Presse sein Bruder Omar gehandelt, alias „Z-42“.

dpa

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