Mahnung zur Versöhnung bei Gedenkfeiern für Herero-Aufstand

- Windhuk - «Tiefes Bedauern» über den Vernichtungsfeldzug kaiserlich-deutscher Kolonialtruppen gegen die Herero im damaligen Südwestafrika hat der deutsche Botschafter in Namibia ausgedrückt. Bei einer Gedenkfeier zum 100. Jahrestag des Herero-Aufstandes erklärte Botschafter Wolfgang Massing, die Geschichte lasse sich nicht ändern. «Aber wir können den Opfern und ihren Nachkommen die Würde und Ehre zurückgeben, die ihnen geraubt wurde. Ich möchte auch ausdrücken, wie tief wir diese unglückliche Vergangenheit bedauern».

Obwohl Massing am Sonntag mit Blick auf drohende Reparationsklagen der Herero eine förmliche Entschuldigung vermied, reagierte Herero-Oberhäuptling Kuaima Riruako positiv auf Massings Äußerungen. Riruako selbst stellte den Versöhnungsgedanken ins Zentrum seiner Rede vor knapp 800 Menschen in der ehemaligen Herero-Hochburg Okahandja (80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Windhuk). Nach einer feierlichen Kranzniederlegung gingen mehrere Redner auf die Geschichte des Aufstands gegen koloniale Ausbeutung und Landraub sowie dessen Niederschlagung im damaligen Deutsch-Südwestafrika ein.

Nach Ansicht von Historikern kamen dabei zwei Drittel des Herero-Volkes grausam ums Leben. Riruako forderte in seiner Rede eine beschleunigte Landreform. Den Hereros war einst durch die deutschen Kolonialherren ein Großteil ihres Landes abgenommen worden. Er kritisierte zugleich die Regierung in Windhuk, die mit Ausnahme zweier namibischer Regionalräte nicht präsent war.

Sie sieht die milliardenschweren Wiedergutmachungsklagen der Herero mit Unbehagen, da sie ethnische Sonderwege im Vielvölkerstaat Namibia befürchtet. Auch Botschafter Massing machte klar, dass aus deutscher Sicht kein einzelnes Volk bei der Entwicklungshilfe bevorzugt werden sollte. Deutschland, das von 1880 bis 1915 Südwestafrika beherrschte, ist heute größter einzelner Geldgeber Namibias und hat dem Land seit 1990 insgesamt 500 Millionen Euro Entwicklungshilfe zukommen lassen. Diese Hilfe sei fürs gesamte namibische Volk gedacht, erklärte Massing, der anschließend an einem ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Hauptstadt Windhuk teilnahm.

In der 100 Jahre alten Friedenskirche riefen auch die Bischöfe Reinhard Keding und Zephania Kameeta in ihren Predigten zur Versöhnung auf. Im voll besetzten Gotteshaus drängten sich rund 400 Herero und Deutsch-Namibier und zeigten mit symbolbehafteten Gesten, dass die Vergangenheit den Blick nach vorne nicht verstellt.

er namibische Vize-Rregierungschef Hendrik Witbooi - ein Nachfahre des legendären namibischen Freiheitshelden - stellte die nationale Einheit als Priorität in den Vordergrund. Er nehme weniger in seiner Eigenschaft als Politiker denn als Namibier am Gottesdienst teil, sagte Witbooi.

Die blutige Niederschlagung des Aufstands gilt als einer der verhängnisvollsten Feldzüge, die das deutsche Kaiserreich in seinen Kolonien geführt hat. Historiker haben den rücksichtslosen Feldzug gegen die Herero wiederholt in die Nähe des Völkermordes gerückt.

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