Kundgebungsteilnehmer am Tag der Arbeit auf dem Martplatz in Leipzig.
+
Zum „Tag der Arbeit“ am 1. Mai gehören traditionell die Kundgebungen der Gewerkschaften.

Internationale Tradition

Tag der Arbeit: Darum geht es beim Feiertag am 1. Mai 

  • Elisabeth Urban
    VonElisabeth Urban
    schließen

Tag der Arbeit - wie ein amerikanischer Arbeiterstreik zum internationalen Gedenktag wurde und was der offizielle Feiertag heute noch in Deutschland bedeutet.

München - Der 1. Mai ist einer von nur neun Feiertagen, die in ganz Deutschland gesetzlich einheitlich festgelegt sind. Er wird auch „Tag der Arbeit“, „Tag der Arbeiterbewegung“, „Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse“ oder einfach „Maifeiertag“ genannt. Was steckt hinter dem Feiertag, der sowohl in Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, ÖsterreichBelgien und Teilen der Schweiz ein gesetzlicher Feiertag ist, als auch international beispielsweise in Finnland, Frankreich oder Italien begangen wird?

1. Mai als Feiertag: So kam es zum ersten Tag der Arbeit

Seinen Ursprung hat der „Tag der Arbeit“ in den USA, wo ab dem 1. Mai 1886 ein mehrtägiger Streik der Arbeiter:innen stattfand. Sie forderten bessere Arbeitsbedingungen und die Einführung des Acht-Stunden-Tags. Den 1. Mai wählten sie als Streiktag, weil damals in den USA zum 1. Mai, der auch „Moving Day“ genannt wurde, die alten Arbeitsverträge ausliefen und neue aufgesetzt wurden. Die Demonstrationen in Chicago endete unter anderem durch eine geworfene Splitterbombe blutig, sowohl auf der Seite der Arbeiter, als auch bei den Polizeikräften kamen zahlreiche Menschen ums Leben.

Tag der Arbeit: Internationaler Gedenk- und Aktionstag

Drei Jahre später fand in Paris der Zweite Internationale Arbeiterkongress statt - man beschloss, zum Gedenken an die Opfer von Chicago zu einer internationalen Demonstration aufzurufen, die sich jährlich am 1. Mai für ähnliche Forderungen wie beim ersten Streik einsetzen sollte. Auch in Deutschland fand so am 1. Mai 1890 der „Tag der Arbeit“ statt, laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) waren damals rund 100.000 Menschen an Streiks, Demonstrationen und sogenannten Mai-Spaziergängen beteiligt. Allerdings galt hier noch das sogenannte Sozialistengesetz von Bismarck, das sozialistische Versammlungen verbot - wer demonstrierte, riskierte seine Entlassung und Bestrafungen.

In den USA wurde am 1. Mai 1890 übrigens tatsächlich der Acht-Stunden-Tag eingeführt, für den ursprünglich gekämpft worden war - in Deutschland dauerte das bis 1918. Die SPD setzte sich in den Jahren nach den ersten Streiks dafür ein, den 1. Mai als gesetzlichen Feiertag einzuführen, das gelang ihnen allerdings nur einmalig im Jahr 1919.

Auch zu politischen Themen wird am 1. Mai demonstriert, wie beispielsweise 2018 in Hamburg

Der 1. Mai zur Zeit des Nazi-Regimes und nach dem Krieg

Ab 1933 machten die Nationalsozialisten den ursprünglichen Kampftag der Arbeiter als „Nationalen Feiertag des deutschen Volkes“ zum offiziellen Feiertag in Deutschland. Sie zahlten den Menschen vollen Lohn am freien Tag - und nutzten ihn, um Propagandaveranstaltungen zu inszenieren. Die unabhängigen Gewerkschaften der Arbeiter hatten in der nationalsozialistischen Macht-Strategie allerdings keinen Platz: SS und SA stürmten bereits am zweiten Mai 1933 gewaltsam die Gewerkschaftshäuser, verhafteten Funktionäre und zerschlugen die freien Gewerkschaften.

Im Deutschland der Nachkriegszeit ließ man den Tag ab 1946 unterschiedlich wieder aufleben: Die DDR veranstaltete am 1. Mai Paraden anlässlich des „Internationalen Kampf- und Feiertags der Werktätigen für Frieden und Sozialismus“, in der BRD fanden vor allem politische Gewerkschafts-Kundgebungen und kulturelle Veranstaltungen statt. In Berlin und Hamburg kommt es teilweise zu gewaltsamen Ausschreitungen, die erst über die Jahre hinweg wieder zurückgehen. 1990 wird das 100-Jährige Bestehen des Kampftags gefeiert - doch nach und nach verliert er an politischer Bedeutung.

Der 1. Mai: Tag des heiligen Josef und der „Patrona Bavariae“

Die katholische Kirche hat seit 1955 den Gedenktag des heiligen Josef auf den 1. Mai gelegt - der Zimmermann aus biblischen Erzählungen ist nicht nur als Vater von Jesus bekannt, sondern wurde auch zum Patron der Arbeiter erklärt. In Bayern ist der 1. Mai außerdem der Feiertag von Maria als „Patrona Bavariae“, also als Schutzfigur Bayerns.

„Tag der Arbeit“: Was passiert am 1. Mai?

Insgesamt ist die Bedeutung des Maifeiertags als „Tag der Arbeit“ vielen Menschen wohl nicht mehr all zu präsent. Vom 30. April auf den 1. Mai wird die Walpurgisnacht gefeiert, man „tanzt in den Mai“ und genießt dann einfach einen freien Frühlingstag - oder stellt einen Maibaum auf. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) organisiert allerdings seit seiner Gründung im Jahr 1949 jedes Jahr Protestaktionen der Arbeitnehmer:innen, in einigen Städten gibt es auch sonstige politische Demonstrationen - teilweise mit Ausschreitungen. In seinem Ursprungsland, den USA, wird der „Labor Day“ übrigens nicht mehr am 1. Mai gefeiert: er findet hier am ersten Montag im September statt. (eu)

Auch interessant

Kommentare