+
Steven Avery ist der Onkel von Brendan Dassey (auf dem Bild ist er vor seiner Verurteilung 1985 zu sehen).

130.000 Menschen verlangten Begnadigung

Mordverdächtiger aus Netflix-Serie kommt frei

Madison - Einer der beiden Hauptprotagonisten in der US-Doku-Serie "Making a Murderer" kommt vermutlich bald aus dem Gefängnis frei.

Ein Richter in Wisconsin ordnete am Freitag die Freilassung von Brendan Dassey an, der gemeinsam mit seinem Onkel Steven Avery wegen Mordes lebenslang in Haft sitzt. Sollte die Staatsanwaltschaft keinen Widerspruch einlegen, käme der 26-Jährige in 90 Tagen frei. Die Serie befasst sich mit Mängeln im amerikanischen Justizsystem.

Dassey und sein 54-jähriger Onkel sind die Hauptpersonen in der auf dem Streamingdienst Netflix laufenden Serie. Sie wurden des gemeinsamen Mordes an einer jungen Frau im Jahr 2005 schuldig gesprochen. Die Netflix-Dokumentation deckte jedoch eine Reihe von Schlampereien, wenn nicht sogar Manipulationen, bei den Ermittlungen auf sowie weitere Ungereimtheiten, bei denen sich die Frage stellt, ob Dassey und Avery nicht zu Unrecht im Gefängnis sitzen.

Das Urteil gegen die Beiden beruht vor allem auf dem Geständnis des damals 16-jährigen, geistig etwas beschränkten Dassey. Richter William Duffin übte nun heftige Kritik an der Art der Ermittlungen, in deren Rahmen Dassey unter anderem ohne Beistand eines Erwachsenen verhört wurde. Diese hätten zu "unfreiwilligen" Geständnissen geführt.

Mehr als 130.000 Menschen verlangten Begnadigung

Besonders harsch aber fiel das Urteil des Richters über Dasseys damaligen Pflichtverteidiger Leonard Kachinsy aus. Dessen Fehlverhalten gegenüber seinem jungen Mandanten sei "durch nichts zu rechtfertigen", sagte Duffin.

Nach Beginn der Serie, deren Titel sich in etwa mit "Wie ein Mörder geschaffen wird" übersetzen lässt, wurden immer wieder Rufe nach der Freilassung Dasseys und seines Onkels laut. In einer Petition an das Weiße Haus verlangten mehr als 130.000 Unterzeichner zudem ihre Begnadigung. Das Weiße Haus wies darauf hin, dass es sich in dem Fall um kein Verfahren vor einem Bundesgericht handelte und ihm deshalb die Hände gebunden seien.

Avery hatte bis 2003 schon einmal 18 Jahre lang wegen Vergewaltigung unschuldig in Haft gesessen. Nach seiner Freilassung verklagte er die Verantwortlichen auf Schadenersatz. Zwei Jahre später wurde er dann des Mordes an der 25-jährigen Fotografin Teresa Halbach schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wischgesten und Navigation: Jetzt ist unsere App noch besser 
Unsere Nachrichten-App für iOS und Android bekommt ein großes Update. Diese Änderungen sind für Sie besonders wichtig.
Wischgesten und Navigation: Jetzt ist unsere App noch besser 
Mann entdeckt sein geklautes Fahrrad -und reagiert sofort
In Berlin klaut ein Dieb ein Fahrrad. Bis hierhin nichts Ungewöhnliches. Doch dann läuft alles anders: der Bestohlene entdeckt sein Rad und rächt sich am Dieb mit einer …
Mann entdeckt sein geklautes Fahrrad -und reagiert sofort
US-Talkmaster soll sich nackt vor Kolleginnen gezeigt haben
Nun ist auch ein bekannter US-Talkmaster der sexuellen Belästigung beschuldigt worden. Charlie Rose soll sich vor Kolleginnen entblößt haben. Sein Arbeitgeber zieht die …
US-Talkmaster soll sich nackt vor Kolleginnen gezeigt haben
10.000 Fälle betroffen: Daten in britischem Labor manipuliert
In einem gerichtsmedizinischen Labor in Großbritannien sind möglicherweise Daten von Tausenden Fällen manipuliert worden. Es gab deshalb bereits Festnahmen.
10.000 Fälle betroffen: Daten in britischem Labor manipuliert

Kommentare