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Malta: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Blick über den Hafen von Valetta, Malta
Malta ist eine nur 316 Quadratkilometer große Felseninsel © picture alliance / Facundo Arrizabalaga/EPA/dpa | Facundo Arrizabalaga

Malta ist eine nur 316 Quadratkilometer große Felseninsel im Mittelmeer zwischen Sizilien und Tunesien und damit kleiner als die Stadt Bremen. Der Tourismus ist heute die wichtigste Einnahmequelle für die rund 520.000 Insulaner.

Valletta – Die kleine Insel im Mittelmeer wird von kargen Felsen geprägt und besitzt nur wenige Sandstrände. Dennoch gehört sie zu den beliebtesten touristischen Zielen Südeuropas. Neben Badeurlaubern strömen Kulturtouristen nach Malta, um die einzigartigen Schätze der Vergangenheit zu sehen. Sprachschüler kommen hierher, um Englisch zu lernen, denn bis 1964 war Malta eine britische Kolonie und Englisch ist nach wie vor weit verbreitet.

Malta: Die frühe Geschichte

Die steinzeitlichen Tempelanlagen von Malta gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO und sind eine der größten touristischen Attraktionen der Insel. Sie deuten darauf hin, dass auf Malta von etwa 3800 bis 2500 v. Chr. eine frühe Hochkultur existierte. Warum diese abrupt endete, ist bis heute ungeklärt. Kurz darauf siedelte sich ein neues Volk an, das weitere reiche Spuren hinterließ, ehe die Phönizier die Insel ab 800 v. Chr. übernahmen. Sie gaben der Hauptinsel den Namen M-L-T (gesprochen Malet) und der kleineren Nachbarinsel den Namen G-L (Gol), aus denen sich Malta und Gozo entwickelten.

Den Phöniziern folgten die Karthager aus dem heutigen Tunesien, die Handel mit Ägypten und Griechenland trieben und Malta schließlich als wichtigen Truppenstützpunkt für die Konflikte mit dem aufstrebenden Römischen Reich nutzten. Dennoch ging die Insel bereits im Zweiten Punischen Krieg 217 v. Chr. an die Römer verloren. Der Legende nach erlitt der Apostel Paulus, der als Gefangener nach Rom verschifft werden sollte, im Jahr 59 Schiffbruch auf Malta und begann mit der Konvertierung der Einheimischen zum Christentum. An ihn erinnert heute noch die Bucht St. Paul‘s Bay.

Malta: Wechselnde Besitzer

Nach dem Zerfall des Imperium Romanum wurde Malta Teil des Byzantinischen Reiches, ehe die Insel 904 von den Arabern eingenommen wurde. Diesen verdankt Malta die stark vom Arabischen beeinflusste maltesische Sprache und die manchmal kurios anmutende Schreibweise der Ortsnamen. Allerdings hielt die arabische Herrschaft nicht lange an: 1090 eroberten die Normannen die Insel, denen ihrerseits Franzosen und schließlich Spanier folgten.

Nachdem muslimische Truppen die christlichen Kreuzritter aus dem Heiligen Land verjagt hatten, ließ sich der Johanniterorden auf der griechischen Insel Rhodos nieder. Von dort wurden die Ritter jedoch 1522 von den Osmanen vertrieben. Der spanische König Karl V. bot ihnen als Ersatz die für ihn uninteressante Insel Malta an, die sie ab 1530 übernahmen.

Malta und die Kreuzritter

Der Johanniterorden errichtete die imposanten Festungen, die bis heute den Grand Harbour von Valletta prägen, und verlegte die Hauptstadt von Mdina im Inselinneren nach Birgu am Grand Harbour. Der christliche Orden lebte in dieser Zeit vor allem von der Freibeuterei auf hoher See und war den muslimischen Osmanen auch weiterhin ein Dorn im Auge. Nach mehreren kleineren Beutezügen segelte 1565 ein großes osmanisches Heer unter Admiral Turgut Reis über das Mittelmeer, um Malta zu belagern.

Den zahlenmäßig stark unterlegenen Kreuzrittern und den Insulanern gelang es über drei Monate, die Insel zu verteidigen, ehe die Osmanen mit dem Beginn der Wintersaison unverrichteter Dinge demoralisiert abzogen. Auf der vollkommen zerstörten Halbinsel am Grand Harbour errichteten die Johanniter die neue Hauptstadt Valletta, deren Name eine Würdigung des Großmeisters Jean de la Valette darstellte. Birgu erhielt den neuen Namen Vittoriosa (die Siegreiche). Zu den beeindruckendsten Gebäuden der neuen Hauptstadt gehörten die St. John‘s Co-Cathedral und der Großmeisterpalast.

Malta und die zweite Belagerung

Napoleon Bonaparte beendete 1798 die Herrschaft des Johanniterordens. Einerseits führte er einige wichtige Reformen im Sinne der Französischen Revolution durch und schaffte die Sklaverei ab, andererseits plünderte er die Paläste und Kirchen des Ordens und ließ Kunstwerke von unschätzbarem Wert einschmelzen. Die Malteser riefen schließlich die Briten zu Hilfe, die Napoleon vertrieben und Malta als Kronkolonie annektierten. Im 19. Jahrhundert wurde die Insel als Kohledepot für Schiffe auf dem Weg durch den Sueskanal nach Indien für sie von großer Bedeutung.

Im Zweiten Weltkrieg kam es zur sogenannten Zweiten Großen Belagerung von Malta: Weil die Insel den Alliierten als wichtiger Stützpunkt diente, wurde sie von der deutschen und der italienischen Luftwaffe über zweitausend Mal angegriffen. Dennoch konnten die Achsenmächte Malta nicht einnehmen. Der britische König Georg VI. verlieh der maltesischen Bevölkerung für ihre Tapferkeit 1942 das Georgskreuz, das auf der maltesischen Flagge zu sehen ist.

Malta wird unabhängig

Mit dem Zerfall der großen Kolonialreiche nach dem Zweiten Weltkrieg erwachte auch auf Malta der Wunsch nach Unabhängigkeit. Dazu war nicht einmal ein Aufstand notwendig. Nach einem Kongress in London entließ Großbritannien Malta 1964 in die formale Unabhängigkeit als Mitglied des British Commonwealth mit Queen Elizabeth II. als Staatsoberhaupt. Der 21. September (Independence Day) ist heute Nationalfeiertag. So richtig unabhängig wurde der Staat jedoch erst zehn Jahre später: Am 13. Dezember 1974 wurde die Republik ausgerufen. 2004 trat Malta der Europäischen Union bei und führte 2008 den Euro ein.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Malta: Politik

Die Republik Malta ist eine parlamentarische Demokratie, an deren Spitze der Staatspräsident steht. Seit April 2019 ist dies George Vella von der sozialdemokratischen Malta Labour Party (MLP). Die eigentliche Politik wird im Repräsentantenhaus mit 65 Abgeordneten gemacht, dem der Premierminister vorsteht. Aktueller Regierungschef ist der ebenfalls der MLP angehörige Robert Abela.

Zuletzt zog sich die maltesische Politik mehrmals den Unmut der EU zu. Gerügt wurde vor allem die Praxis, „goldene EU-Pässe“ an wohlhabende Ausländer zu verkaufen, die sich damit Zutritt zum Schengen-Raum verschafften. Außerdem gilt das Land als Steueroase, in dem viele Briefkastenfirmen ansässig sind.

Malta: Bevölkerung und Sprache

Der größte Teil der Bevölkerung lebt in den Städten, vor allem im Großraum Valletta. Mit 1.346 Einwohnern pro Quadratkilometer weist Malta die fünfthöchste Bevölkerungsdichte der Welt auf. Nur 5,9 Prozent der auf Malta lebenden Einwohner haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Die meisten davon sind Briten, Italiener, Bulgaren und Deutsche.

Malta hat zwei Amtssprachen: Englisch und die eigene maltesische Sprache, die aus dem mittelalterlichen Arabisch hervorging. Sie ist die einzige semitische Sprache, die das lateinische Alphabet verwendet, das um fünf sogenannte Grapheme zur Verdeutlichung von Kehl- und Zischlauten erweitert wurde. Englisch ist nach wie vor weit verbreitet und auf Malta sind zahlreiche Sprachschulen ansässig, die mit Englischunterricht im warmen, mediterranen Klima werben.

Malta: Geografie und Städte

Der Staat Malta besteht aus den drei bewohnten Inseln Malta, Gozo und Comino sowie einigen unbewohnten Inseln. Im Nordwesten von Malta gibt es flache Sandstrände, die im Sommer zahllose Touristen anlocken. Die weitere Geografie ist von Steilküsten und einem kargen felsigen Inselinneren geprägt. Wasserarmut ist ein großes Problem.

In der Hauptstadtregion Valletta konzentrieren sich etwa 66 Prozent der maltesischen Bevölkerung. Die eigentliche Stadt Valletta liegt jedoch mit nur 5.700 Einwohnern auf dem 29. Platz der Rangliste. Die größten sind:

RangStadtEinwohnerzahl
1Birkirkara21.889
2Mosta19.795
3St. Paul‘s Bay17.443
4Qormi16.443
5Zabbar14.844

Malta: Wissenswertes über die Insel

Der Tourismus ist heute die Haupteinnahmequelle von Malta. Wichtigste Besuchergruppe sind noch immer die Briten, gefolgt von den Italienern und den Deutschen. Neben den sommerlichen Badetouristen lassen ganzjährig anreisende Kulturtouristen und neuerdings immer mehr Kreuzfahrtschiffe die Kassen klingen.

In den letzten Jahrzehnten entwickelte sich Malta dank großzügiger Förderung durch den Staat zu einem bedeutenden Standort der europäischen Filmindustrie. In den historischen Mauern von Fort Ricasoli entstanden Teile der Hollywood-Blockbuster „Gladiator“, „Alexander“ und „Troja“ sowie Folgen der Serie „Game of Thrones“.

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