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Heinz Schönewolf und seine Frau in ihrer eigenen Ritterburg

Mann baut 15 Meter hohe Ritterburg im Garten

Dudweiler - Ein Saarländer hat eine eigene Ritterburg im Garten. Seit 37 Jahren baut Heinz Schönewolf an der 15 Meter hohen Kulisse, die aus Bauabfällen aus der Umgebung besteht. 

Den grau gemauerten Fahnenturm sieht man schon von weitem. In Dudweiler, einem von Einfamilienhäusern geprägten Stadtteil von Saarbrücken, fällt er nicht nur wegen seiner Höhe auf. Nur ein paar Schritte von der ruhigen Straße im Wohngebiet, gleich hinter einem ranken Eisentor, liegt ein privater Burghof. Heinz Schönewolf hat sich hinter seinem Haus eine Burg gebaut.

„Eine Burgkulisse“, schwächt er ab, im Maßstab 1:10, schätzt er. Der Burgherr, Maurer im Ruhestand im aufgeknöpften Karo-Flanellhemd, arbeitet seit knapp 37 Jahren in jeder freien Minute an seiner Ritterburg. Auf seinem 350 Quadratmeter-Grundstück gehen Wohnhaus und Burg ineinander über. Die Hausfassade hat er der Burg mit grauer Acrylfarbe optisch angeglichen. Mit seiner Frau wohnt er vor dieser Ritterfilm-Kulisse.

Schmale Wendeltreppen mit über hundert Stufen führen durch enge Gänge, um Brüstungen und Zinnen, einen Regenwasser-Brunnen und Toiletten herum - bis in hohe Türme hinein, in mehrere Zimmer und Kammern, wie den Rapunzelturm, die Jägerklause mit Eckbank und offenem Kamin und in eine mit Holz verkleidete Totenkapelle. „Durch die schmalen Gänge kann ein Ritter die Burg gegen Feinde verteidigen“, erklärt der schwärmerische Burgherr. Für ihn ist seine Burg eine schöne alternative Welt gleich hinter dem Haus.

1975 hatte er zunächst bloß eine Garage in seinen Garten gebaut. Die dafür fortgeschaufelte Erde türmte sich zu einer Sandwand. Diesen Hang müsse er abstützen, mahnte das Bauamt Saarbrücken, das die Garage damals genehmigt hatte. Eine Betonwand müsse her, wenigstens fünf Meter hoch. „Aber wie sieht das denn aus“, dachte Schönewolf und winkte ab. Die Wand habe er also anfangs einfach verziert, erst nach und nach sei eine richtige Burg daraus geworden. „Die ist einfach so gewachsen im Laufe der Jahre“, sagt er. „Ich habe einfach darauf los gebaut.“ Ob die Burg sein Lebenswerk sei? „Was denn sonst“, sagt der 76-Jährige.

Den verbauten Granit hat er über Jahre gesammelt, etwa von alten Straßen, aus denen die mit Granit gestützten Straßenbahnschienen entfernt wurden. Dass sich ein Mann in Dudweiler eine Ritterburg in den Garten baut, hat sich schnell herumgesprochen. Die umliegenden Gemeinden sammelten alte Steine und spendeten sie ihm für sein Projekt.

Der feste Granit ist der Lieblingsstein des gelernten Maurers, ist aber teuer. Der Großteil der Burg besteht deshalb aus Bimsstein, in Leichtbauweise. „Die alten Römer haben es genauso gemacht: Die Fassade bestand aus dem kostbarsten Stein, die billigen Steine wurden innen verarbeitet“, sagt Schönewolf. In seiner Burg hat er nur mit Abfällen gearbeitet, den Sandhang von einst hat er als Mörtel verarbeitet.

An der höchsten Stelle ist seine Burgkulisse über 15 Meter hoch. Wenn er wollte, könnte er sämtlichen Nachbarn von seinem Fahnenturm aus ins Wohnzimmer schauen. Kai Werner, Rechtsanwalt beim Deutschen Mieterbund, sieht kein Problem. „Das ist seine Privatsache, wenn das Bauamt es erlaubt hat“, sagt Werner. „So lange nach 22.00 Uhr keine Belästigung stattfindet, ist das alles legal.“ Die Saarbrücker Bauschutzpolizei steht heute zu dem Wort von damals und hat nichts gegen Schönewolfs künstlerische Variante der angeordneten Wand einzuwenden.

Schon als Kind hatte der gebürtige Nordhesse sich regelmäßig in einer Burg getummelt, in der Felsburg bei seinem Heimatörtchen Felsberg bei Kassel. In der Garage in Dudweiler, mit der in den Siebzigern alles begann, hängen heute Fotos von früheren Stadien der Burg. In drei Jahren will Schönewolf fertig sein und mit Freunden ein Richtfest feiern.

Die Anwohner nehmen die Freizeitritter gelassen. Der Maurer ist ein ruhiger Nachbar mit einem eigenwiligen Hobby, na und? Wenn Schönewolf von den Jägern in seiner Jägerklause als Burgbewohner erzählt, die sich bei einem Getränk am Kamin auf die Jagd vorbereiten, wird er von Besuchern mit gerunzelter Stirn oft gefragt, ob er das denn ernst meine. Dann schüttelt er nur den Kopf und fragt: „Ja, haben Sie denn gar keine Fantasie?“

dpa

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