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Ein Polizist führt im Juli 2014 in Bischofsheim einen Spürhund zum Tatort, an dem am Abend zuvor einer seiner Kollegen erschossen wurde. Der mutmaßliche Todesschütze muss sich nun vor Gericht verantworten.

Frührentner geständig

Polizist erschossen: Angeklagter schizophren?

Darmstadt - Völlig unvermittelt wurde ein Polizist erschossen. Eine gezielte Tat? Nein, meint die Staatsanwaltschaft zu Prozessbeginn in Darmstadt. Der Angeklagte leide an Schizophrenie.

Im Prozess um die Tötung eines Polizisten in Zivil hat der Angeklagte vor dem Landgericht Darmstadt die Schüsse eingeräumt. Der 58-Jährige berief sich am Dienstag aber auf Notwehr. „Ich habe geschossen, weil der Mann mich überwältigt und zusammengeschlagen hätte“, gab der Angeklagte in einer schriftlichen Erklärung zu, die er dem Vorsitzenden Richter zum Verlesen überreichte. „Er ist auf mich los“, ergänzte der Frührentner mündlich.

Dem 58-Jährigen wird Mord im Zustand verminderter Schuldfähigkeit vorgeworfen. Er soll an Schizophrenie leiden, seine Steuerungsfähigkeit sei „erheblich vermindert“ gewesen. Der Fall im Juli 2014 hatte deutschlandweit für Aufsehen gesorgt. Zuerst war vermutet worden, der Polizist sei wegen seines Berufes gezielt getötet worden.

Der Angeklagte soll in Bischofsheim nahe Rüsselsheim völlig unvermittelt zweimal auf den 50-jährigen Polizisten geschossen haben, der mit seiner Frau, einer Begleiterin und vier Hunden unterwegs war. Nach der Festnahme gaben die Ermittler an, Auslöser der Tat sei eine große Angst des Angeklagten vor den Hunden gewesen. Dazu sagte der 58-Jährige vor Gericht: „Die Hunde waren absolut friedlich.“ Er widersprach auch der Einschätzung, an Schizophrenie zu leiden: „Ich bin ein geistig und seelisch gesunder Mensch.“

Der Angeklagte sagte zudem, er habe nicht feststellen können, dass der Polizist gefährlich verletzt worden sei. Nach dem ersten Schuss habe der 50-Jährige keine Reaktion gezeigt. „Da war kein Schmerzensschrei. Er stand da, als wäre nichts gewesen. Da habe ich nochmal geschossen.“

Die Ehefrau des Opfers schilderte das Ereignis anders. Der Angeklagte habe ihre Gruppe verfolgt. Ihr Mann habe sie, die Begleiterin und die Hunde verlassen, sei auf den Angeklagten zugegangen und habe ihn zur Rede stellen wollen. Nach dem ersten Schuss aus nächster Nähe habe ihr Mann gerufen: „Rennt weg, er hat eine Knarre.“

Nach dem zweiten Schuss sei ihr Mann zusammengebrochen, habe in einer großen Blutlache gelegen. „Der Angeklagte hat mich angegrinst und ist in Seelenruhe an mir und meinem sterbenden Mann vorbeigelaufen.“ Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, wie der 58-Jährige auf sie gewirkt habe, meinte die Frau: „Er war extrem ruhig. Er wirkte auf mich befriedigt.“ Für den Prozess sind zunächst sechs Termine vorgesehen.

dpa

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