Marco W. schreibt an 13-jährige Britin

Uelzen/Antalya - Der seit vier Monaten in der Türkei inhaftierte 17-jährige Marco hat dem britischen Mädchen, das er missbraucht haben soll, einen Brief geschrieben. Dieses Schreiben könne aber nicht als Entschuldigung bewertet werden, wie es türkische Medien getan hätten, sagte Marcos Anwalt, Nikolaus Walther.

«Darin wird weder ein Fehlverhalten eingeräumt, noch eine Entschuldigung ausgesprochen.» In dem Brief, der der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegt, bittet Marco die 13-jährige Charlotte, ihre Anzeige zurückzuziehen. Marco wird vorgeworfen, das Mädchen im Türkei-Urlaub im April sexuell missbraucht zu haben.

«Liebe Charlotte, ich weiß nicht, warum Du mich in eine solche Situation gebracht hast. Ich mag Dich sehr sehr gerne und ich hatte wahre Gefühle für Dich und ich wollte mit Dir in Kontakt bleiben», schreibt Marco an die 13-Jährige. Charlotte wisse, was zwischen ihnen passiert sei. «Ich vermisse mein ganzes Leben und ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe. Ich wusste nicht, dass Du erst 13 Jahre alt bist», heißt es weiter in dem Brief, den der Schüler Ende Juni in dem türkischen Gefängnis auf Deutsch geschrieben und an seine Mutter gesendet hat. Eine Freundin hatte den Text ins Englische übersetzt und an Charlotte geschickt.

Der Anwalt des Mädchens nahm Marco jede Hoffnung, dass der Brief etwas bewirken könnte. «Charlotte wird keinesfalls auf den Brief antworten», sagte Ömer Aycan aus Antalya der Berliner Tageszeitung «B.Z.» (Samstag). «Der Brief ist vollkommen unangebracht. Charlotte soll durch diesen Brief ihre Anzeige zurückziehen, damit sich die Sache in Luft auflöst? So etwas empfinde ich als gottlos.»

Marcos Anwalt berichtete unterdessen, dass der Junge nach der weiterhin verweigerten Haftentlassung psychisch stark angegriffen sei. «Die Haftbedingungen und die enttäuschten Hoffnungen setzen dem Jungen immens zu», sagte Walther. Der 17-Jährige sei während der Haft abgemagert und nach der Entscheidung des Gerichts in Antalya am vergangenen Mittwoch in ein tiefes Loch gefallen. «Ich fühle mich hier in dem türkischen Gefängnis sehr schlecht», hatte Marco bereits im Juni in seinem Brief an Charlotte geschrieben.

Die Hoffnung auf eine Freilassung vor dem Fortsetzungstermin am 6. September werde zwar nicht aufgegeben, sei aber sehr gering. Die andauernde Untersuchungshaft war mit einem Rechtshilfeersuchen an Großbritannien begründet worden. Ziel dieses Ersuchens ist es, Charlotte befragen zu können.

Marco hatte die 13-jährige Charlotte während eines Osterurlaubs im Badeort Side kennengelernt. Nach einem Discoabend mit anderen Jugendlichen waren sie im Hotelzimmer des Mädchens gelandet. Die Initiative zu den Zärtlichkeiten sei von dem Mädchen ausgegangen, das sich als 15-Jährige ausgegeben habe, sagte Marco. Am folgenden Tag wurde Marco unter dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs festgenommen, nachdem die Mutter des Mädchens Anzeige erstattet hatte.

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